Veste Coburg Eine Burg unter der Lupe

Cornelia Stegner

Das neue Jahrbuch der Coburger Landesstiftung präsentiert die neuesten Erkenntnisse über die bewegte 800-jährige Geschichte der Fränkischen Krone.

Die Erforschung der Veste Coburg hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Den aktuellen Stand zeigt das Jahrbuch der Coburger Landesstiftung. Foto: Andreas Brückner

Über 22.000 Gäste haben 2025 die Sonderausstellung und die besonderen Führungen zum 800-jährigen Jubiläum der Veste Coburg besucht. In 21 Beiträgen renommierter Fachexperten sind die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte der Burg nun im Jahrbuch der Coburger Landesstiftung publiziert. Die Themen reichen von der Besiedlung des Festungsbergs in der Vor- und Frühgeschichte bis zu den jüngeren denkmalpflegerischen Maßnahmen des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Anfänge der heutigen Burg im 13. Jahrhundert werden hier grundlegend neu dargestellt. Der reich bebilderte und anschaulich gestaltete Band ist im Michael Imhof Verlag erschienen.

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Als beeindruckend dimensionierte Burg und Residenz der Grafen von Henneberg, als kursächsisches Bergschloss und Luther-Veste, als ernestinische Landesfestung im Dreißigjährigen Krieg und als spektakuläres Objekt der Burgenrenaissance zählt die „Fränkische Krone“ zu den bedeutenden deutschen Baudenkmalen. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben sich die historischen Kenntnisse zu Ort und Anlage der Veste enorm erweitert – etwa dank systematisch ausgewerteter Grabungsfunde oder auch durch die Altersbestimmung historischer Holzkonstruktionen.

Das Jubiläum hallt nach im neuen Jahrbuch. Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

„Gemessen an der Bedeutung der Veste war unser Wissen bislang aber immer noch bruchstückhaft“, erklärt der Ausstellungskurator und Jahrbuch-Redakteur Dr. Niels Fleck. „Das 800-jährige Jubiläum der Ersterwähnung als steinerne Burg bot die Chance, einen weiteren Anlauf zur Erforschung der Anlage zu unternehmen.“

Erste Ergebnisse dieses von den Kunstsammlungen der Veste Coburg initiierten Projekts wurden auf einer Tagung im Herbst 2024 vorgestellt. Der nun vorliegende Band versammelt die Beiträge, hier ergänzt um weitere Forschungen, so etwa zur Geologie des Festungsbergs und den verbauten Materialien der Burg.

Während in Urkunden der Namen „Koburk“ seit dem 11. Jahrhundert auftaucht, wird eine steinerne Burg auf dem Coburger Festungsberg erstmals 1225 erwähnt. „Ungefähr aus dieser Zeit stammt auch das kürzlich identifizierte älteste aufgehende Mauerwerk der Burg“, so der Kunsthistoriker Niels Fleck. Die Anfänge der heutigen Anlage wären damit tatsächlich vor rund 800 Jahren zu suchen. Über die damaligen Herrschaftsverhältnisse sei noch vieles ungewiss.

Gang durch die Epochen

Aber die in Resten erhaltene Bausubstanz des 13. Jahrhunderts könne jetzt viel konkreter als bisher benannt werden. Neben einem Ringmauerabschnitt mitsamt einstigem Burgtor zählen dazu der Rest eines kleinen Wohnbaus sowie die Vorgängerbauten der Steinernen Kemenate, der Burgkapelle und – möglicherweise – des Fürstenbaus.

Wichtig für die Gesamterzählung zur Veste sei die hier erstmals deutlich formulierte Erkenntnis, dass die Burg nicht, wie lange gedacht, zu den großen Anlagen der um 1250 endenden Herrschaftsepoche der Staufer gehört, sondern dass die volle Längenausdehnung der Ringmauer erst für die Zeit um 1300 nachweisbar ist.

Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

Beim Gang über die Burg finden sich Besucher alle paar Schritte in einer neuen Bauphase und Epoche wieder: vom kursächsischen Bergschloss über die Festungswerke, die sich wie ein Spiegelbild konfessioneller Konflikte im Alten Reich lesen, dann zur zweifachen Überformung der „Fränkischen Krone“ in der Burgenrenaissance des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu den denkmalpflegerischen Maßnahmen der 1960er bis 1980er Jahre.

Dass an vielen Stellen weiterer Forschungsbedarf besteht, wird in den Beiträgen ebenfalls deutlich formuliert. „Vielversprechend wären vor allem auch weitere Studien zum Leben auf der Burg und deren Nutzung in den verschiedenen Epochen“, so Niels Fleck. So bleibt zu wünschen, dass der Band breites Interesse für die Veste Coburg entfacht und zu weiteren Forschungen und Entdeckungen anregt.

Burg, Schloss, Fränkische Krone – 800 Jahre Veste Coburg. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung, Bd. 68. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2025, 488 Seiten, 334 Farb- u. 39 SW-Abbildungen, Hardcover. 45 Euro. ISBN 978-3-7319-1551-5.