Vierspuriger Ausbau der B4 „Eine neue Belastung fürs Stadtklima“

Die Engstelle des Anstoßes. Foto: /Norbert Klüglein/NP-Archiv

Die neuerliche Diskussion um einen Ausbau der B4 im Weichengereuth erhitzt die Gemüter. Nun äußert sich auch der Klimaschutzbeauftragte des Coburger Stadtrats.

Coburg - Fridays for Future, Brose, Jan Böhmermann, Kaeser – und das ist nur ein Ausschnitt. Die Liste an Wortmeldungen zu einem möglichen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 4 im Weichengereuth ist lang und kunterbunt. Nun reiht sich auch der „Klimaschutzbeauftragte des Stadtrats zu Coburg“ ein in diese – mit einer glasklaren Haltung:

Er begrüße es ausdrücklich, schreibt Stefan Sauerteig in einem „an die Medien in der Stadt“ adressierten Text, dass sich die Firma Brose in ihrem „Masterplan 2030“ zum Standort Coburg bekenne und diesen weiter ausbauen wolle. Dies zeige, dass der Wirtschaftsstandort Coburg attraktiv aufgestellt sei und der Stadtrat immer in guter Zusammenarbeit mit den fleißigen Unternehmerinnen und Unternehmern „unseren Wirtschaftsstandort“ weiterzuentwickeln versuche. „Ein Beispiel dafür ist sicherlich der im interkommunalen Vergleich bundesweit niedrige Gewerbesteuerhebesatz, an dem wir auch in haushalterisch schwierigen Zeiten festhalten wollen.“

Ihm sei bewusst, so der SPD-Mann weiter, „dass die Frage der Anbindung und Erreichbarkeit des Standorts von großer Bedeutung für die Unternehmen in Coburg ist.“ Deshalb sei es wichtig gewesen, in der Vergangenheit „im Schulterschluss mit der Wirtschaft“ immer wieder Verbesserungen zu suchen und voranzutreiben. Die Anbindung und der Ausbau der Autobahn 73 um Coburg herum, der Anschluss an das ICE-Fernverkehrsnetz sowie der begonnene Ausbau der Staatsstraße 2205 seien Maßnahmen, bei deren Realisierung zwar Flächen verbraucht und versiegelt worden seien; sie sorgten jedoch, wie Sauerteig herausstellt, auch für eine Verlagerung des Verkehrs aus der bevölkerungsreichen Innenstadt und trügen damit zu einer Begrenzung des Ausstoßes an Treibhausgasen in der Kernstadt bei.

„Sie konnten daher auch in konstruktiver Art und Weise mit den Kritikern der jeweiligen Infrastrukturmaßnahme diskutiert werden. Mit einem vierspurigen Ausbau der B4 im Weichengereuth ist das Gegenteil verbunden: Statt einer weiteren Entlastung entsteht eine neue Belastung für das Stadtklima.“

„Nicht zuletzt eine Frage der Glaubwürdigkeit“

Viele Fraktionen im Stadtrat hätten es ja betont, schreibt Stefan Sauerteig darauf folgend: Alle seien sich bewusst, dass im Weichengereuth in Sachen Verkehrssicherheit für Kraftfahrzeuge und Radfahrer Verbesserungen herbeigeführt werden müssten. Verschiedene Fraktionen sähen dahingehend in einer „intelligenten Dreispurigkeit“ einen Ansatz, den es weiterzudenken und planerisch zu vertiefen gelte. Dies habe die Stadtverwaltung zugesagt.

„Auch für den Anschluss des geplanten Logistikzentrums der Firma Brose wünsche ich mir eine offene Diskussion um die nachhaltig beste Lösung für Stadt, Stadtgesellschaft und Unternehmen zu finden“, so der Bruder und Parteifreund von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig weiter. „In dieser Phase der Planung darf es von keiner Seite Denkverbote geben.“ Mit der nötigen Kompromissbereitschaft sehe der SPD-Politiker enormes Potenzial, um auch am „Eingangstor“ zur Stadt rundum den Südkreisel zu einer nachhaltig besseren Verkehrsführung zu kommen.

„Als Klimaschutzbeauftragter spreche ich mich daher in aller Deutlichkeit gegen einen vierspurigen Ausbau der B4 im Weichengereuth aus“, heißt es dann in den Ausführungen Sauerteigs – der Satz prangt in fetten Lettern. Der Stadtrat habe bei seiner Entscheidung gegen den vierspurigen Ausbau viele sachliche Argumente intensiv diskutiert und seine Entscheidung sauber abgewogen. „Diese Argumente will ich nicht nochmals wiederholen.“

Viel mehr wolle er auf „einen Fakt“ hinweisen, der aus Sicht der Klimaschutzbeauftragten in der Diskussion zu beachten sei: Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von circa 33 Litern Diesel pro 100 Kilometer LKW-Verkehr würden bei circa 60 An- und Abfahrten werktäglich über das Weichengereuth und die Uferstraße etwa 40 Tonnen an zusätzlichem CO2-Ausstoß im Vergleich zu einer Anbindung über den Südkreisel anfallen. Darüber hinaus gelte es, auch andere verkehrsbedingte Emissionen wie beispielsweise Lärm zu vermeiden.

Daher appelliere der Stadtrat an seine Kolleginnen und Kollegen sowie an alle anderen Beteiligten, sich für eine Lösung im Weichengereuth einzusetzen, die auch den Bedürfnissen des Klimaschutzes gerecht werde und einen nachhaltigen Beitrag leiste, die Luft „in unserer Stadt“ sauber zu halten.

Denn, und mit diesen Worten endet Sauerteigs Stellungnahme: „Das ist nicht zuletzt eine Frage der Glaubwürdigkeit unserer Anstrengungen für den Klimaschutz.“

 

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