Vogelschutz Ein neues Heim für Frau Wendehals und Co.

Coburger Vogelschützer verteilten 30 spezielle Nistkästen im Landkreis. Nun hofft man, dass die beiden Zielgruppen einziehen und mit der Familiengründung loslegen.

Freimut Brückner vom LBV installiert einen der rund 30 neuen Nistkästen im Coburger Land. Foto: Petra Altrichter/LBV

Coburg - Ehrenamtliche des Coburger Landesbundes für Vogelschutz (LBV) haben in den vergangenen Wochen fast 30 neue Nistkästen im Wert von über 750 Euro auf verschiedenen LBV-Flächen im Coburger Land installiert. Sowohl die ausgewählten Nistkastentypen als auch die Flächenauswahl kamen nicht von ungefähr, denn der gemeinnützige Naturschutzverein will damit speziell die Bestände zweier Vogelarten fördern: die des Wendehalses und die des Gartenrotschwanzes.

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Der Wendehals ist eine kleine Spechtart, die sich keine eigene Höhle zimmert, sondern sich allenfalls als „Nachmieter“ in die vorherigen Bautätigkeiten seiner Verwandten einnisten kann. Als Charaktervogel alter Streuobstbestände nutzt der Wendehals gerne vorhandene Fäulnishöhlen im alten Baumbestand und natürlich auch geeignete geräumige Nistkästen, denn seine Gelege mit acht bis zehn Eiern brauchen auch entsprechenden Platz. Der hier verwendete Nistkasten-Typ mit Ovalloch wird beispielsweise auf dem Lauterberg gerne von ihm angenommen, der Einschlupf ist aber für seinen Nistplatz-Konkurrenten, der Star, zu klein.

Der Wendehals gilt in Bayern als „vom Aussterben bedroht“, hat aber im westlichen Oberfranken einen bayerischen Verbreitungsschwerpunkt mit stabilen Beständen. So ist er etwa noch am Fechheimer Berg, wo die LBV-Aktiven Freimut Brückner und Petra Altrichter die Nistkästen installierten, im Gebiet Weinberg Mönchröden/Horeb, hier sorgte Thomas Herold für neue Heime, und im lichten Kiefernwald bei Fornbach zu Hause, wo Roland Kirchner und Julian Hauschild tätig wurden. Der Wendehals ernährt sich fast ausschließlich von bodenlebenden Ameisen.

Erste Erfolge solcher Aktionen zeigen sich auch im LBV-Schutzgebiet Hambachgrund, das seit Längerem mit Nistkästen ausgestattet ist und wo sich heuer wieder zwei Wendehals-Reviere etabliert haben.

Oft teilt sich der Wendehals seinen Lebensraum mit dem Gartenrotschwanz – insbesondere wenn er mit Streuobstbäumen ausgestattet ist. Allerdings mag es der Gartenrotschwanz etwas heller an seinem Nistplatz. Daher wurden auch für ihn spezielle Nischenbrüterkästen ausgewählt, die inzwischen von Bernd und Urs Leuthäusser beispielsweise auf der Pachtfläche am Beerhügel bei Cortendorf aufgehängt wurden. Weitere Flächen, von denen man sich eine erfolgreiche Ansiedelung erhofft, liegen auf den Streuobst-Grundstücken bei Weißenbrunn vorm Wald und nördlich Oberlauter. Vielversprechende Beobachtungen machte Naturschutzfachberater Gerhard Hübner bereits bei der Installation eines neuen Nistkastens auf der neuen LBV-Fläche am Goldberg in Bad Rodach.

Bei der Kastenausbringung wurde Gerhard Hübner gleich von einem aus der „Galgen-Eiche“ singenden Gartenrotschwanz begrüßt. Und wenig später rief ein Wendehals aus einer nahe gelegenen jungen Streuobst-Anlage. Die Nistkästen finanzierte übrigens die Stiftung Habermaass 2020. „Wir hoffen, dass die angebrachten Nistkästen sie dazu animiert haben könnten, den Lebensraum zu beziehen, anstatt weiterzuwandern“, so Gerhard Hübner.

Abgerundet wurde die Aktion noch mit speziellen Keramik-Nistklötzen für Wildbienen, die die Firma Denk Keramische Werkstätten aus Neu-Neershof gespendet hatte. Die Hälfte dieser 20 Niststeine wurde bereits bei dieser Gelegenheit auf LBV-Flächen aufgehängt. „Den Rest werden wir bei Kindergruppen-Aktionen – sobald es Corona wieder erlaubt – im Hambachgrund und in unserem ,verwilderten‘ Garten in Bertelsdorf aufhängen“, versprach Hübner. red