Volle Auftragsbücher Oberfränkisches Handwerk behauptet sich

red
Das Friseurhandwerk ist guter Dinge. Foto: Magdalena Troendle/dpa/Magdalena Troendle

Krieg und Krise machen den Betrieben derzeit nur wenig zu schaffen. Noch. Der HWK-Präsident nimmt die Politik in die Pflicht, damit dass so bleibt.

Das Handwerk in der Region steht derzeit trotz Ukraine-Kriegs und dessen wirtschaftlicher Folgen sowie explodierender Energiekosten und Materialknappheit verhältnismäßig gut da. Das hat eine Erhebung der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken ergeben. Deren Ergebnisse sind in den aktuellsten Geschäftsklimaindex eingeflossen. 82 Prozent der 384 Betriebe, die an der Konjunkturbefragung mitgemacht haben, gaben dabei ihre Geschäftslage als gut (45 Prozent) oder befriedigend an (37 Prozent), nur 18 Prozent bewerten die Lage als schlecht, wie die Kammer schreibt.

Im Vergleich zum vierten Quartal 2021 haben sich demnach auch die Umsätze weiter verbessert und sind auch im Jahresvergleich deutlich positiv. Verbuchten Ende des ersten Quartals 2021 noch 42,5 Prozent der Befragten sinkende Umsätze, waren dies im aktuellen Berichtszeitraum laut HWK noch 28,5 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Auftragseingang ab, der für 49 Prozent der Betriebe konstant hoch geblieben und für 25 Prozent der Betriebe sogar weiter angestiegen ist, wie die Umfrage ergeben hat. „Hier sind natürlich in erster Linie die weniger strengen Corona-Maßnahmen verantwortlich, die einen Teil unserer Betriebe zuvor erheblich eingeschränkt haben“, schildert HWK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Bauer, die Entwicklung. Im Blick bleiben müsse aber, wie sich die Materialkosten entwickeln. „Die unkalkulierbare Lage macht es für Betriebe, insbesondere in den Bau- und Ausbaugewerken immer schwieriger, solide Angebote abzugeben, die nicht zum Boomerang werden können.“

Gleichzeitig erreicht der Auftragsbestand laut HWK einen neuen Höchstwert. „Unsere Betriebe haben bei einer durchschnittlichen Auslastung von 78 Prozent einen durchschnittlichen Bestand von 12,4 Wochen – einen Höchstwert, den wir so noch nicht hatten“, ergänzt Bauer. Für die Kunden bedeute dies – sie müssen warten.

Was die Zahl der Beschäftigten angeht, halten 78 Prozent der Betriebe die Zahl ihrer Angestellten oder bauen sogar Personal auf, bei 22 Prozent der Betriebe sank jedoch die Zahl der Beschäftigten. Es würden Fachkräfte und Nachwuchs gesucht.

Für den Präsidenten der Handwerkskammer bestätigen die Zahlen aus der Konjunkturbefragung die Ausrichtung der politischen Arbeit für das Handwerk. „Wir müssen weiter konsequent daran arbeiten, dass wir Handwerker bei allen Diskussionen um den Wirtschaftsstandort nicht hinten runter fallen“, fordert er in der Mitteilung. „Und daran, dass die gern versprochene Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung nicht nur diskutiert, sondern auch praktiziert wird.“ Ende Mai will sich die HWK mit Vertretern der verschiedenen Parteien austauschen.

Was die Erwartungen angeht, „blicken vier von fünf Betrieben gerüstet in die Zukunft und erwarten zumindest gleichbleibend gute Geschäfte“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Bauer. HWK-Präsident Matthias Graßmann erklärt die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage damit, dass das oberfränkische Handwerk stabil sei und damit auch seine Stärken ausspiele – Regionalität und Sicherheit.

Was die Situation bei den Energiekosten und die Materialknappheit angehe, fordert auch Graßmann, dass die Politik die Wirtschaft zielgerichtet unterstützen müsse. „Und nicht nur die Großindustrie, auch das Handwerk“, fordert er. red

INFO
Die Bau- und Ausbauhandwerker haben im ersten Quartal leichte Einbußen hinnehmen müssen. Dabei schlagen vor allem die hohen Energiekosten und die Rohstoffpreise durch. Noch immer melden aber fast 90 beziehungsweise 92,5 Prozent der Betriebe eine gute oder zumindest zufriedenstellende Geschäftslage. Zulieferer und Betriebe des gewerblichen Bedarfs stagnieren auf dem Niveau des Jahresabschlusses 2021. 24 Prozent der Betriebe melden noch immer eine schlechte Geschäftslage. Leicht eingetrübt hat sich die Situation im Kfz-Handwerk. Die Zahl der Betriebe mit guter oder zufriedenstellender Geschäftslage sinkt um 2,5 Punkte auf 67,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es 70 Prozent. Die Nahrungsmittelhandwerke starten auf dem Niveau des Vorjahresquartals, 29 Prozent der Betriebe verzeichnen dabei eine eher schlechte Lage. Deutlich schlechter als Ende 2021 schätzen im Berichtszeitraum die Gesundheitshandwerke ihre Lage ein. Im Vergleich steigt der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage um 13,5 Punkte auf 31 Prozent. Dennoch ist der Jahresstart deutlich besser als 2021 gelaufen, als dieser Wert bei 59 Prozent lag. Die Lage im Friseur- und Kosmetikhandwerk hat sich im ersten Quartal mit Beendigung der meisten Corona-Maßnahmen deutlich verbessert. Immerhin knapp 70 Prozent geben nun eine gute oder befriedigende Geschäftslage an. Im Vorjahresquartal waren dies nur 41 Prozent. red
 

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