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Im Oktober 1804 gelang dem japanischen Arzt Hanaoka Seishu eine Brustkrebsoperation bei einer Frau, die er zuvor mithilfe von Alraune und Stechapfel in einen künstlichen Schlaf versetzt hatte. Vielen anderen bekamen diese Mixturen aus pflanzlichen Alkaloiden allerdings weniger: Aufgrund der schwierigen Dosierung war das Schmerzempfinden nie komplett ausgeschaltet – oder aber die Patienten wurden regelrecht vergiftet.
In der Kriegsmedizin wurde nicht viel Zeit auf die Narkose verwendet: Da wurde dem Verwundeten ein Holzstab zum Draufbeißen in den Mund geschoben, bevor man mit Alkohol zu betäuben versuchte. Im Winter profitierten die Verletzten von Eis und Schnee, womit die Ärzte die zu versorgenden Körperregionen kühlten und den Schmerz dämpften.
„Gentlemen, das ist kein Humbug!“
Im Massachusetts General Hospital war an jenem Herbsttag 1846 kein Mucks von dem betäubten Patienten zu hören. Im Anschluss soll der Chirurg John Collins Warren zu den Anwesenden gesagt haben: „Gentlemen, das ist kein Humbug!“ Ein Jahr danach wurde die Äther-Narkose in Deutschland angewandt.
Heutzutage werden in deutschen Krankenhäusern pro Tag weit über 40 000 Narkosen ausgeführt, davon hauptsächlich Vollnarkosen. Hinzu kommen Tausende weiterer Narkosen in Arztpraxen und Behandlungszentren.
Längst haben sich andere Medikamente in der Anästhesie etabliert: „Allein in den deutschen Krankenhäusern werden pro Tag weit über 40.000 Narkosen ausgeführt. Hinzu kommen tausende weiterer Narkosen in Arztpraxen und Behandlungszentren. Längst haben sich andere Medikamente in der Anästhesie etabliert: „Zur Einleitung wird in der Regel zunächst ein Opioid, also ein Schmerzmittel, verwendet“, erklärt der Stuttgarter Anästhesist Andreas Walther.
Anästhesisten: Schwere Zwischenfälle sind selten
Dazu gibt es ein Einschlafmittel, ein sogenanntes Hypnotikum und eventuell auch ein Medikament zur Erschlaffung der Muskeln, Muskelrelaxans genannt. Im weiteren Verlauf der Narkose setzt der Anästhesist häufig ein Narkosegas zur Aufrechterhaltung der Vollnarkose ein. Der Patient schläft bei einer Narkose innerhalb weniger Sekunden ein, schläft dann sehr tief und wacht erst wieder auf, wenn die Operation vorüber ist.
Der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) zufolge ist die Zahl schwerer Zwischenfälle durch eine Narkose so niedrig, dass sie kaum messbar ist. Zu verdanken ist dies der modernen Medizintechnik, die der Anästhesie zusätzlich zur Verfügung steht: So können neben der standardisierten Blutdruckmessung und dem EKG, um die Herzfrequenz zu überwachen, auch die Hirnströme per EEG ausgewertet werden. Experten nennen dies „Narkose-Monitoring“.
Was lässt sich noch verbessern?
Um den künstlichen Schlaf noch sicherer werden zu lassen, wird daran geforscht, die Beatmung der Lunge während der Operation zu verbessern. Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem Verhindern von Delir-Zuständen, die gerade bei älteren Patienten nach einer Narkose auftreten können.
Bei der Zwölfjährigen, die wegen ihres monströsen Tumors notoperiert wurde, hat die moderne Anästhesie dafür gesorgt, dass der Eingriff gut gelaufen ist: Das Mädchen ist planmäßig aufgewacht und hat sich so rasch erholt, dass es zwei Wochen später nach Hause gehen durfte.
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