Von Geroldswind bis Erlangen Familie radelt für den guten Zweck

Ramona, Simon und Maik Schrapel wollen sich am 19. Juni gemeinsam in den Sattel schwingen und für das Ronald McDonald Haus in Erlangen Spenden „erradeln“. Vor zwölf Jahren war die Einrichtung ein Segen für die Familie. Foto: /privat

Gemeinsam mit Sohn Simon strampeln sich Maik und Ramona Schrapel aus Geroldswind am 19. Juni fürs Ronald McDonald Haus in Erlangen ab. Vor zwölf Jahren haben sie selbst für vier Wochen in diesem Haus gelebt – und Unterstützung in einer schweren Zeit erfahren.

So richtige Extremsportler sind Ramona und Maik Schrapel eigentlich nicht. „Das Höchste waren mal 60 Kilometer an einem Tag während eines Fahrradurlaubs“, gesteht Ramona Schrapel. Das werden sie noch einmal um 20 Kilometer überbieten müssen: Am 19. Juni steigen die Schrapels nämlich gemeinsam aufs Rad und strampeln für den guten Zweck von Geroldswind nach Erlangen.

„Solo Charity Ride“ heißt die Aktion, veranstaltet von der McDonald’s Kinderhilfe. Das Prinzip ist einfach: Unter dem Motto „Radeln. Spenden. Gutes tun“ fährt jeder Teilnehmer seine persönliche Etappe so lange und so weit er möchte. Unter dem Hashtag #solocharityride wird die Fahrt beworben und die Teilnehmer überall auf der Welt können sich so miteinander vernetzen und in Verbindung bleiben. Jedes Team – ob Einzelstarter, Familien, Firmenteams oder Sportgruppen – erhält nach erfolgreicher Anmeldung einen Spendenlink, über den seine persönliche Fahrt „gesponsert“ werden kann. Die Spenden kommen einer Einrichtung der McDonald’s Kinderhilfe zugute – welches Haus das ist, dürfen die Radler selbst bestimmen. Ob Rennrad, Laufrad oder Einrad – alles ist erlaubt, heißt es. Und: „Jeder Euro schenkt Nähe.“

Nähe, an die sich Ramona und Maik Schrapel heute noch dankbar erinnern. Sie wollen mit „ihren“ Spendengeldern das Ronald McDonald Haus Erlangen bedenken. Dort fand die Familie selbst vor zwölf Jahren Hilfe und Unterstützung. Die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung betreibt bundesweit 22 Ronald McDonald Häuser in der Nähe von Kinderkliniken als Zuhause auf Zeit für Familien schwer kranker Kinder. Abgesehen von den rein praktischen Vorteilen, eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe zum Krankenzimmer zu haben, sollen Eltern und Geschwisterkinder dort auch Geborgenheit und ein wenig Normalität finden. „Durch die unmittelbare Nähe zum Krankenhaus sparen sie Kräfte und sind ausgeruhter und entspannter, wenn sie sich um das kranke Kind kümmern“, heißt es von der Stiftung.

„Für uns ein Segen“

Vor zwölf Jahren haben Ramona und Maik Schrapel selbst in einem solchen Haus gelebt. Ihr Sohn Christoph war in der Uniklinik Erlangen mit einem Herzfehler zur Welt gekommen, einer „Laune der Natur“, wie Ramona Schrapel sagt. In der 38. Woche hatte eine Schall-Untersuchung Unregelmäßigkeiten gezeigt. Christoph war dann ein Notkaiserschnitt; die Mutter selbst wurde nach fünf Tagen entlassen, ihr Baby musste bleiben. Er wurde in den folgenden Wochen mehrfach operiert, war aber zu schwach und ist im Alter von vier Wochen gestorben. „In dieser Zeit war diese Unterkunft für uns ein Segen, weil jeden Tag nach Erlangen und zurück, wäre nicht machbar gewesen“, sagt Ramona Schrapel.

Auch emotional seien die ehrenamtlichen Helfer dort eine enorme Stütze gewesen, nicht zuletzt aber auch eine große Hilfe in banalen Alltagsfragen. „Dinge, für die man in einer solchen Situation einfach keinen Kopf hat“, wie Ramona Schrapel sagt. „Es gibt soviel Papierkram“, ergänzt ihr Mann Maik. Von der Anmeldung im Krankenhaus und beim Standesamt bis zu Formularen für die Krankenkasse – Organisatorisches, das erledigt werden muss, aber gleichzeitig auch viel Kraft kostet.

Neben der kostenlosen Unterkunft für das Paar im Ronald McDonald Haus in unmittelbarer Nähe zum Kinderklinikum in Erlangen mit einem eigenen Zimmer und einer Gemeinschaftsküche mit eigenem Kühlfach, sorgten sich die Ehrenamtlichen dort auch um die Seelsorge. Einmal die Woche gibt es ein ebenfalls von Ehrenamtlichen zubereitetes Essen – inklusive der Möglichkeit, sich auch mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Einerseits helfe die Ablenkung, auch der gemeinsame Austausch, so Ramona Schrapel. Auf der anderen Seite habe aber auch jeder selbst mit sich viel zu tun. „Jeder geht anders damit um“, sagt Maik Schrapel. Auch psychologische Hilfestellung habe es gegeben, insbesondere auch nach Christophs Tod. Das ehrenamtliche Team im Ronald McDonald Haus Erlangen habe sich in enger Abstimmung mit dem psychologischen Dienst des Klinikums und der dortigen Krankenhausseelsorge rührend um sie gekümmert und auch den Mut gegeben, „wie wir unseren Weg weitergehen können“, wie Ramona Schrapel formuliert.

Christoph ist in Gedanken immer dabei

Die Familie hatte den Mut, und sie hatte Glück. Zwei Jahre später kam Sohn Simon gesund zur Welt. Natürlich habe sie Angst gehabt während der Schwangerschaft, gesteht seine Mutter, auch wenn ein Lottogewinn wahrscheinlicher sei, als dass Simon genau jenen Herzfehler ebenfalls bekommen hätte. Umso glücklicher sind die Eltern über ihr gesundes Kind. Doch auch Christoph ist in Gedanken immer dabei. „Wir wären eigentlich vier und sind doch nur drei, denn es fehlt einer, und dennoch fehlt keiner, denn einer ist immer dabei“, zitiert Ramona Schrapel Zeilen von Jutta Klinkhammer-Hubo, die sie im Internet gefunden hat und an die sie immer denken muss, weil sie so passend sind. „Simon weiß, dass er einen großen Bruder hat“, berichten die Eltern. Der Zehnjährige will am 19. Juni ebenfalls aufs Rad steigen und so weit wie möglich mitradeln. „Wir wollen etwas zurückgeben“, beschreibt Ramona Schrapel die Beweggründe der Familie für die Spendefahrt. Ihren Spendenlink (https://www.mcdonalds-kinderhilfe.org/wie-sie-helfen-koennen/solocharity-ride-2022/SOLOCharity-Ride-2022-Spendenaktion/spendenaktion/?unsere-solocharity-ride-spendenaktion-team-christoph&tw_e=60C09) haben die Schrapels schon mit Freunden, Bekannten und Kollegen geteilt, schon jetzt hat sich eine stolze Summe angesammelt. Viele haben ihre Spende mit einem Gruß verbunden, auch in Gedenken an den kleinen Christoph. Und auch für Ramona und Maik Schrapel ist die Fahrt nach Erlangen eine ganz besondere, weil sie die Stadt immer mit ihrem Erstgeborenen verbinden.

„Jede Spende gibt uns Rückenwind“, sagt Ramona Schrapel. Denn sie weiß, dass das Geld mehr als gut angelegt sei. Und dafür strampeln die Schrapels am 19. Juni gern auch mal 80 Kilometer.

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