Von wegen Steinzeit Das Faxgerät hat noch lange nicht ausgedient

Nein, das Faxgerät hat noch nicht ausgedient. Auch im digitalen Zeitalter wird es gern verwendet, um besonders schützenswerte Daten zu übermitteln. Foto: dpa/Armin Weigel

Die Pressemitteilung, dass die Regierung von Oberfranken ihre Faxnummern von vier auf fünf Ziffern ändert, wurde im Internet ironisch kommentiert. Von digitaler oberfränkischer Steinzeit war die Rede. Doch noch hat das Faxgerät nicht ausgedient.

Bayreuth - Die Häme war zu erwarten: Als „Oberfrankens Weg zur Digitalisierung“ wurde im Internet die im Kurier veröffentlichte Pressemitteilung bezeichnet, in der die Regierung von Oberfranken kundtat, dass sie von vier- auf fünfstellige Faxnummern umstellt. Eine Kommunikationsmöglichkeit aus der Steinzeit, die nur noch von Behörden genutzt wird? Ja und nein.

Archaisch

Der Kurier hörte sich um, um zu erfahren, ob die Regierung von Oberfranken wirklich den Anschluss an die neue, digitale Welt verpasst hat. Ob sie tatsächlich noch immer „archaische Kommunikationswege“, wie der Bayreuther Grünen-Stadtrat Stefan Schlags die Nutzung von Faxgeräten bezeichnet, nutzt. Und siehe da: Faxgeräte sind auch in Zeiten von Emails und anderer digitaler Kommunikationswege noch notwendig.

Das sagt zum Beispiel Bernhard Böxler, Richter am Landgericht und dessen Pressesprecher. Anwälte benutzten zwar für Schreiben an die Gerichte ein eigens für sie eingerichtetes E-Mail-Postfach, das von niemandem sonst benutzt, geschweige denn eingesehen werden könnte. Aber in eiligen Angelegenheiten, wenn ein Anwalt nicht oder nicht pünktlich zur Verhandlung erscheinen könne, werde gerne das Faxgerät benutzt. Überhaupt Papier: In den Gerichten werde noch immer mit Akten gearbeitet, die auf Papier gedruckt und geschrieben sind. Das kann man auch leicht faxen.

In der Hauptsache Werbung

Apropos Datenschutz: Das sei ein wichtiger Grund für einige Ämter der Stadtverwaltung, Dokumente oder Formulare per Faxgerät zu versenden, sagt Kerstin Dettlaff-Mayer, Pressesprecherin im Rathaus. Das sei, habe sie bei ihren Recherchen im Rathaus erfahren, noch immer die sicherste Methode, unter Einhaltung des Datenschutzes schützenswerte Informationen – zum Beispiel an Gerichte – zu versenden. Wie viele Faxe nun die Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen erhalten, habe sie nicht in Erfahrung bringen können. Das sei je nach Abteilung unterschiedlich, von wenig bis nichts. In der Poststelle, dem Eingangstor für Faxe im Rathaus, ergab ihre Nachfrage: acht bis 15 Eingänge pro Woche. In der Hauptsache Werbung. Einladungsbestätigungen für Veranstaltungen kämen öfters noch per Fax ins Rathaus. Da es aber schon längr keine Veranstaltungen gegeben habe, blieben auch diese Faxe aus. Und dann fällt ihr noch ein Bereich ein, in dem Faxe noch hin und wieder verwendet werden. Wenn auch nur allenfalls einmal im Jahr: Drehgenehmigungen. Auf Anfrage schickt das Presseamt die Formulare zu, die werden ausgedruckt, unterschrieben und: zurückgefaxt.

Einfach zu bedienen

Und wie begründet die Regierung von Oberfranken diese nach Auskunft von Pressesprecher Martin Steiner 886, 55 Euro (inclusive Mehrwertsteuer) teure Investition? Im Verkehr der Regierung mit anderen Behörden spiele das Fax so gut wie keine Rolle mehr, schreibt er. Im privaten Bereich und in der Wirtschaft, vor allem bei kleineren Unternehmen, seien Faxgeräte hingegen durchaus noch im Gebrauch, wohl auch weil sie einfach zu bedienen seien. Auch viele Anwaltskanzleien würden das Fax regelmäßig nutzen. Und die Zahl der täglich eingehenden und ausgehenden Faxe lässt die Investition in die Umstellung auf fünfstellige Nummer vielleicht doch noch als gerechtfertigt erscheinen: Die Auswertung des Faxservers habe für das erste Quartal 2021 ergeben, dass täglich zwischen 50 und 70 Faxe eingehen und zehn bis 20 versandt würden. „Das sind immerhin noch so viele Faxvorgänge, dass wir uns aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit entschlossen haben, diesen Kommunikationsweg offen zu halten. Die Umstellung auf fünfstellige Faxnummern war nötig, damit wir auch künftig für alle Arbeitsplätze die Fax-Funktionalität beibehalten können“, beteuert Steiner.

Software statt Faxgerät

Eine Behördenstufe tiefer, beim Landratsamt, ergab die Recherche folgendes: „Konventionelle Faxgeräte werden im Landratsamt nur noch sehr wenige verwendet, stattdessen setzen wir auf eine Softwarelösung. Die generelle Tendenz geht in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung E-Mail“, teilt Pressesprecher Hannes Huttinger mit. Und fährt fort: „In unserer Poststelle gehen immer noch regelmäßig Unterlagen per Telefax ein. Da jede Mitarbeiterinnen und jeder Mitarbeiter unseres Hauses per Softwarefax erreichbar ist, lässt sich schwer überprüfen, wie es hier mit dem Ein- und Ausgang von Faxen aussieht. Die Inhalte liegen in den Verantwortungsbereichen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Die Tendenz ist jedoch eindeutig: „Eine stetige Abnahme ist, wie schon gesagt, zu verzeichnen. Bürgerinnen und Bürger verschicken zunehmend E-Mails, wobei diese die Faxe noch nicht ganz verdrängt haben.“

Info: Übrigens: Hätten Sie gewusst, dass das Faxgerät deutlich älter ist als Smartphone Telefon, Email und Co.? Am 27. Mai 1843 bekam der schottische Mechaniker und Erfinder Alexander Bain das britische Patent für seine „Verbesserungen in der Herstellung und Regulierung von elektrischen Strömen und Verbesserungen in Uhren und in elektrischen Druck- und Signaltelegrafen“, genauer für einen „Kopiertelegrafen“. Das war das erste Faxgerät, mit dem man Handschriften oder Zeichnungen elektrisch übertragen konnte.

 

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