„Das Silmarillion“
Er war sanft, blauäugig, leicht pedantisch; der Naturfreund bevorzugte Tweed, rauchte Pfeife und fuhr ein altes Fahrrad, bis er sich von seinen Buch-Tantiemen ein Auto leisten konnte. Noch während des Ersten Weltkriegs fing er an, „Das Silmarillion“ zu schreiben, die „Bibel“ von Mittelerde, die allerdings erst einige Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte.
Die Totensümpfe, die Frodo Beutlin in „Herr der Ringe“ auf dem Weg nach Mordor durchquerte, und das Schwarze Tor von Mordor erinnern an Nordfrankreich nach der brutalen Schlacht an der Somme, bekannte Tolkien später. Eine Reise nach Interlaken inspirierte Bilbos Wegs durchs Elbenland.
Kommt die dritte Tolkien-Verfilmung?
Nach der Verfilung von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ hoffen Tolkien-Fans, dass auch das dritte Großwerk des Meisters „Das Silmarillion“ verfilmt wird. Im Internet war Ende Juli zu lesen, dass die Filmgesellschaften Line Cinema, Warner Bros. Pictures, MGM and Showtime sich auf einen Deal mit den Tolkien-Erben geeinigt hätten und nun der dritte Roman verfilmt werden könnte.
Doch offenbar war der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn die Meldung entpuppte sich als voreilig. Allerdings kursieren im Netz bereits Trailer, die einen Eindruck von der cineastischen Umsetzung des Stoffes erahnen lassen. Auch gibt es Fans, die Elemente aus dem Buch am Computer umgesetzt haben.
Kurz vor seinem Tod 1973 vertraute J. R. R. Tolkien das unvollendete „Silmarillion” der Obhut seines Sohnes Christopher an. Der heute 92-jährige Christopher Tolkien vollendete das Skript seines Vaters und veröffentlichte 1977 das fertige Buch, das die Geschichte von Mittelerde erzählt, lang bevor die Hobbits ihre Füße in diese fiktive Welt setzten. Es folgten „Nachrichten aus Mittelerde“ und „Die Kinder Húrins”.
„Der Hobbit“
„Der Hobbit“ kam 1937 heraus (auf Deutsch 1957). Der Verlag war begeistert und bat um eine Fortsetzung. Tolkien brauchte für den Fantasy-Schinken „Der Herr der Ringe“ 14 Jahre, denn eigentlich war das Schreiben nur ein Hobby. Er behauptete daher, er nutze das Buch lediglich als eine Übung in „linguistischer Ästhetik“, mit der er seine Theorie über Märchen illustrieren wollte.
Er schrieb überall, auch in der Badewanne, wo er schließlich ein Ende für das berühmte Gedicht „Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden . . .“ fand: „Ich erinnere mich, wie ich den Schwamm aus dem Bad kickte, als ich zur letzten Zeile kam, und alles wusste, und heraussprang.“
Der Kultautor
In den 60er Jahren wurde er zum Kultautor – entweder man liebte ihn oder verging vor Langeweile. Seine Bücher verkauften sich mehr als 250 Millionen Mal, in der Forbes-Liste der bestverdienenden toten Autoren steht er an fünfter Stelle.
J.R.R. Tolkien starb 1973. Seine Familie konnte sich mit dem Erfolg lange nicht anfreunden: „Tolkien ist ein Monster geworden, das von seiner eigenen Popularität verschlungen wird,“ urteilte sein Sohn Christopher in der französischen Zeitung „Le Monde“ fast 40 Jahre nach dem Tod des Vaters.
Schattenseiten der Kommerzialisierung
„Die Kommerzialisierung hat die ästhetische und philosophische Wirkung der Schöpfung auf ein Nichts reduziert.“ Umso erstaunlicher, dass seine Familie ihr Einverständnis für einen weiteren Film gegeben hat: Warner Brothers wird Tolkiens Lebensgeschichte unter dem Titel „Middle Earth“ verfilmen. Der britische Filmemacher James Strong („Broadchurch“, „Doctor Who“) wird Regie führen. Peter Jackson, der schon die Triologien „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ inszenierte, wird ebenfalls beteiligt sein.
Im Mai wird zudem ein neues Buch von Tolkien herauskommen, „Beren and Lúthien“, die Liebesgeschichte zwischen einem Sterblichen und einer unsterblichen Elfe, hundert Jahre, nachdem sie geschrieben wurde. Beide Namen sind auf dem gemeinsamen Grabstein von Tolkien und seiner Frau Edith eingraviert – sie waren über 50 Jahre miteinander verheiratet. Kurz nach ihrem Tod schrieb J.R.R. Tolkien in einem Brief: „Ich habe Edith niemals Lúthien genannt, aber sie war der Ursprung der Geschichte.“