Vorsicht, Abzocke! Augen auf bei der Containerwahl

.Auch das Rote Kreuz hat in Neustadt zahlreiche Altkleidercontainer aufgestellt. Foto: picture alliance / dpa

Wenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, ist es wieder einmal Zeit auszumisten. Vieles davon wird gespendet. In Neustadt etwa sammeln die Pfadfinderfreunde oder das BRK. Doch leider gibt es auch schwarze Schafe.

Neustadt - Jeder Bundesbürger kauft jährlich mehr als zwölf Kilogramm Bekleidung. Etwa 1,3 Millionen Tonnen Textilien (Zahlen von 2018) werden nach Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) jedes Jahr in Deutschland aussortiert. In Deutschland gibt es deshalb schätzungsweise 120 000 legale Altkleidercontainer. „Da tut man ja noch was Gutes“, glauben die meisten Bürger. Aber es gibt auch viele unseriöse Sammelstellen: „Diese Händler verkaufen die Textilien und stecken das Geld in die eigene Tasche“, so Bernhard Schäfer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg.

Der Verein sammelt seit 56 Jahren Altkleider und Schuhe und finanziert damit unter anderem das Pfadfinderhaus in Fornbach sowie jüngst den angrenzenden Lehr- und Öko-Garten. Doch gerade durch unseriöse Abzocker entgehen dem Förderverein stattliche Summen. „Die fehlen uns dann natürlich bei unseren sozialen Aktivitäten“, erläutert Schäfer und zeigt auch auf, wie diese Firmen vorgehen: „Zum einen sammeln sie nur, wenn die Preise für Altkleider hoch sind, zum anderen hängen sie sich gerne an Sammeltermine von hiesigen Vereinen an.“ Deshalb sei der Pfadfinderförderverein dazu übergegangen, seine Sammeltermine nur noch kurzfristig anzukündigen. „Dann können diese meist überregional agierenden Firmen nicht mehr reagieren“, betont Schäfer. In „Nicht-Corona-Zeiten“ kamen so rund 55 Tonnen jährlich zusammen.

30 Tonnen

Ein anderes Beispiel sind die Altkleider-Container, von denen das Rote Kreuz in Neustadt zahlreiche aufgestellt hat. Rund 30 Tonnen kommen hier für die Bereitschaft jährlich zusammen. Die daraus erwirtschafteten Einnahmen kommen ebenfalls karitativen Zwecken zugute, wie beispielsweise Ausstattungsgegenstände für den „Helfer vor Ort“.

Um sicher zu gehen, dass die Altkleider an Bedürftige gehen, sollten laut der Verbraucherzentrale Hamburg Spender zunächst einmal Abstand von Containern nehmen, auf denen weder Name noch Adresse des Sammlers zu finden sind. Ist nur eine Telefonnummer angegeben, kann ein kurzer Anruf Klarheit schaffen. Sollte dort etwa nur eine Mailbox eingeschaltet sein, sollte man die Kleidercontainer besser nicht nutzen. Skepsis ist auch geboten, wenn plötzlich Sammelbehälter vor der Tür stehen, die mit besonders emotionalen Spendenaufrufen beworben werden. Laut dem Umweltbundesamt (UBA) sind Altkleider-Sammlungen, bei denen Eimer auf die Straße gestellt werden, oft illegal. Das gilt auch, wenn keine nachprüfbaren Angaben über den Sammler bekannt sind. Auch der Dachverband „FairWertung“ hat sich als Dachverband von rund 130 Organisationen verpflichtet, sozial- und umweltverträgliche Standards einzuhalten. Ebenso belegt das DZI-Spenden-Siegel, dass eine Organisation mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht. Unternehmen, die dieses Siegel tragen, werden regelmäßig von einem externen und unabhängigen Sachverständigen überprüft. Auch wenn das Symbol der örtlichen Abfallbehörde auf dem Container zu finden ist, kann man seine Kleidung guten Gewissens hineinwerfen. Kirchliche Organisationen wie die Spangenberg-Sammlung und die Arbeiterwohlfahrt betreiben zudem sogenannte Kleiderkammern. Dort können sich Bedürftige kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt mit Kleidung ausstatten. Auch in Sozialkaufhäusern können Kleiderspenden abgegeben werden.

Straßensammlung

Zurück zu den Pfadfindern und dem BRK: „Wir haben jüngst 18 Tonnen verladen können“, erläutert Schäfer „acht Tonnen befinden sich noch in unserem Lager in der alten Mühle in Haarbrücken“. Doch dazu kommt bald mehr, denn der Förderverein der Pfadfinder kündigt an, dass am Samstag, 17. Juli, wieder eine Straßensammlung in Neustadt durchgeführt wird. Auch die BRK-Bereitschaft Neustadt hat die Container wieder geöffnet, sodass auch hier gespendet werden kann. Die AWO-Kleiderkammer hat hingegen noch geschlossen. „Die Altkleider werden dann an Textilverwerter verkauft“, erklärt Schäfer. Getragene Unterwäsche, löchrige Socken und zerschlissene Kleidung hingegen sind für eine Wiederverwertung ebenso wenig geeignet wie nasse oder verschmutzte Textilien. Auch deutlich abgetragene Schuhe, einzelne Schuhe oder Gummistiefel haben in den Sammelboxen nichts zu suchen. In diesen Fällen ist die Restmülltonne die richtige Wahl. Wenn Container überfüllt sind, sollte ausgemusterte Kleidung wieder mit nach Hause genommen und zu einem späteren Zeitpunkt eingeworfen werden. „Wenn es gar zu viel wird, dann holen wir die Sachen auch schon vorher bei den Leuten ab.“

 

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