Wahlkampf Kanzlerkandidat Laschet in Thurnau auf Stimmenfang

Der CDU-Kanzlerkandidat wird im Thurnauer Schlosshof gefeiert. CSU-Politiker und Anhänger aus ganz Oberfranken wollten Armin Laschet live erleben.

Thurnau - Fast auf die Minute pünktlich betritt Armin Laschet kurz nach Zehn den Schlosshof. Es ist ein kühler Sommertag, aber nicht zu kalt für eine Kundgebung im Freien.

Aus Celle in Niedersachsen wird Laschet  an diesem Morgen eingeflogen. Nach dem Zwischenstopp in Thurnau ist ein Hintergrundgespräch in Nürnberg mit Markus Söder geplant. Danach folgt ein weiterer Wahlkampfauftritt in Augsburg. Die CSU zeigte bereits bei ihrem Parteitag Geschlossenheit und stellte sich hinter Armin Laschet. Und auch in Thurnau demonstriert die CSU Einigkeit mit dem CDU-Bewerber um das Kanzleramt.

Die historische Schlossanlage in der Ortsmitte ist seit den frühen Morgenstunden umringt von Polizisten und Sicherheitsleuten. Für den Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel und Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen gilt die höchste Sicherheitsstufe. Die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner aus dem Wahlkreis Lichtenfels-Kulmbach-Bamberg hatte Laschet nach Oberfranken eingeladen. Dazu kam viel CSU-Politprominenz aus der Region: Vom Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm bis zum Bezirksvorsitzenden und früheren Minister Hans-Peter Friedrich. Wirtschaftsvertreter, CSU-Kommunalpolitiker und Mitglieder – ein Heimspiel für Laschet im Söder-Land Bayern. Der Freistaat ist dem CDU-Kanzlerkandidaten von seinem Studium in München vertraut. Sogar das Oberfrankenlied kann er mitsingen, das die Blaskapelle Baunach für ihn anstimmt.

Auf der Bühne vor dem CDU/CSU-Wahlslogan „Damit Deutschland stabil bleibt“ bekommt Emmi Zeulner den Vortritt. Die Lichtenfelserin bewirbt sich zum dritten Mal um den Einzug in den Bundestag und lobt Laschets „integrierenden Politikstil“. Als NRW-Ministerpräsident kenne er die Metropolen genauso wie den ländlichen Raum. Einer, der „nicht schrill und laut“ sei, sondern „tatkräftig und zupackend“. Einer, auf den man sich auch in der Gesundheitspolitik verlassen könne. Laschet stehe für eine „unaufgeregte Politik in einer immer lauter werdenden Welt“, sagt Zeulner.

Die fränkische Bodenständigkeit scheint dem Unionskanzlerkandidaten tatsächlich zu liegen. Oberfranken kenne er von Kloster Banz, sagt er, wo er 1989 an einer Journalistentagung teilgenommen habe. Zugleich signalisiert er Sympathie für den ländlichen Raum. „Berlin Mitte ist nicht Deutschland“ – ein Seitenhieb auf die Grünen und „Debatten aus der Großstadt“. Den Strukturwandel, den Oberfranken durchlebe, kenne er aus dem Ruhrgebiet und dem Bergbau. Laschet umwirbt die Familienunternehmer, die ihre Mitarbeiter in Krisenzeiten nicht im Stich ließen. Daher sei es „grundfalsch“, sie mit höheren Steuern zu belasten. Dies sei typisch für die SPD, die am liebsten alles staatlich und bürokratisch regeln wolle. „Lasst die Menschen einfach machen und agieren, das ist besser, als wenn der Staat alles vorschreibt.“ Laschet, der in Düsseldorf mit der FDP regiert, klingt wie ein Liberaler. Zu viel „political correctness“ lehnt er ab – auch bei der deutschen Sprache. „Lasst die Leute reden und sprechen wie sie wollen, respektvoll und nicht mit einem Unterton.“

Obwohl er keine „Rote-Socken-Kampagne“ macht, wie Laschet sagt, erwähnt er sie doch. Weil sie schon 1994 erfolgreich gewesen sei. In Bezug auf die Linke wird er deutlich: „Ich will nicht, dass die in einer deutschen Bundesregierung sitzen.“ Er wiederholt seinen Vorwurf an den SPD-Kontrahenten Olaf Scholz, der hier nicht klar Position beziehe. In der Wirtschafts-, Innen- und Außenpolitik würde dies „einen Bruch“ bedeuten. Daher sollten die zur Wahl gehen, die dies verhindern wollten. Er streift noch die innere Sicherheit  und schon sind dreißig Minuten Redezeit um.

Braungebrannt, mit unauffälliger Brille und nicht allzu groß wirkt Laschet wie ein freundlicher Lehrer, der die Klasse zum Mitmachen auffordert.

CSU-Bezirkschef Friedrich beschwört zum Abschluss persönliche Nähe zum „Duz“-Freund Armin, den er seit 1994 kenne. Appelliert an die Zuhörer, dass die Wahl „eine Richtungsentscheidung“ für das Land sei. Armin Laschet sei ein christlicher Mensch, der zusammenführen könne. „Wir wollen keine rot-grüne Erziehungsbesserungsanstalt!“, sagt Friedrich und ruft dazu auf, noch neun Tage weiter zu kämpfen. Oder durchzuhalten.

Nach den jüngsten Umfragen konnte die Union den Abstand auf die SPD verkürzen. Laut Forsa-Institut lag die Union  zuletzt auf Platz zwei (21 Prozent) hinter der SPD (25 Prozent) und vor den Grünen (17 Prozent). Bei den Zuhörer in Thurnau kam Armin Laschet recht gut an. „Mir hat er sehr gut gefallen“, sagt Gerhard Popp, der aus Lichtenfels kommt. „Er ist halt eine rheinische Frohnatur. Aber er war konkret in seinen Aussagen.“ Dass Laschet nichts von einer „Gängelei der Menschen“ hält, gefällt Popp. Vor Ort habe Laschet ganz anders gewirkt als im Fernsehen. „Er besitzt die Fähigkeit, auf die Menschen zuzugehen. Die Umfragen bewerten ihn viel zu schlecht.“

Stephanie Kreger kam mit ihrem Sohn Luca, der in der Jungen Union ist, von Bayreuth nach Thurnau. „Ich fand seine Rede ziemlich sachlich, aber inhaltlich positiv“, sagt Luca Kreger. Und Stephanie Kreger gibt zu,  eher ein „Söder-Fan“ zu sein. „Aber Laschet hat mich wirklich sehr positiv überrascht.“ Nun habe sich ihr bisheriges Bild von ihm verändert. Enrico Haferkorn, der ihr gegenüber steht, fand Laschet „klar in seinen Aussagen“. Er sei nun „der Kapitän auf dem Schiff“, mit dem die CSU zusammenarbeite. Wenn sich an den Machtverhältnissen in Berlin etwas änderte,  wäre dies nur „zum Nachteil“ der Republik.

 

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