Weiterhin besser aufgehoben in privater Hand sah sein FW-Kollege Sven Steffan das Projekt Waldfriedhof und „vor allem schneller umsetzbar“. Klaus Schineller (Grüne) gab zu, einst gegen einen Waldfriedhof in Ebern gewesen zu sein, sprach sich nun aber dafür aus, und zwar „in kommunaler Hand“, wie er sagte.
Frank Kaiser (CSU) sah den Bedarf, aber auch das Risiko, da „kostentechnische Fragen unsicher“ seien und es auch nicht helfe, wenn der Bürgermeister selbst offenbar keine Notwendigkeit einer solchen Bestattungsalternative im Stadtgebiet sehe. „Den Standort sehe ich nicht in Stein gemeißelt“, sagte Frank Kaiser, wohl brauche es aber ein stimmiges Konzept, „das auch überregional kostendeckend funktioniert“. Der CSU-Stadtrat schlug dann vor, den Beschlussvorschlag zu ändern: Nicht die Gründung eines Kommunalunternehmens selbst solle an diesem Tag bereits beschlossen werden, sondern eine detaillierte Vorlage von Planungen hinsichtlich Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und Personalkonzept.
Andreas Mölter schloss sich diesem Hinweis an. Der FW-Stadtrat betonte aber auch, sich in jedem Fall – „egal welches Ergebnis da rausgekommen wäre“ – der Empfehlung des Arbeitskreises anschließen zu wollen, der sich schließlich intensiv stellvertretend mit der Thematik befasst habe.
Gabi Rögner (CSU) sah zwar die städtische Grundstückswahl kritisch, befürwortete aber ein Kommunalunternehmen wegen der „rechtlichen Ungereimtheiten bei einem Privatanbieter“, plädierte aber ebenfalls für einen „durchdachten und strukturierten Plan“ für ein solches Unternehmen, der bis spätestens zur Juli-Sitzung vorliegen müsse.
Die Abstimmung
Auf Antrag von FDP-Stadtrat Harald Pascher, der auf die Wichtigkeit des Beschlusses hinwies, wurde schließlich namentlich über die von Frank Kaiser vorgeschlagene Beschlusserweiterung abgestimmt. Eine detaillierte Betriebsplanung für ein mögliches Kommunalunternehmen soll bis 30. Juni 2023 erarbeitet und vorgelegt werden. Diese Konkretisierung befürwortete auch Bürgermeister Jürgen Hennemann. Von Beratung, Diskussion und Abstimmung ausgeschlossen war Hermann von Rotenhan (FDP/FB). Bei den Gegenstimmen von Harald Pascher und Sven Steffan stimmten schließlich alle anderen 18 Stadträte für den erweiterten Beschlussvorschlag.
Vorwürfe
Überschattet wurde die Entscheidungsfindung durch eine ganz andere Diskussion. Vehement verwahrte sich Harald Pascher gegen Vorwürfe, die Entscheidung des Arbeitskreises hätte ein „Geschmäckle“ und die AK-Mitglieder seien voreingenommen. Geäußert hatte diese Paschers Fraktionskollege Hermann von Rotenhan am Sonntag in einer Mail an die Stadtratskollegen. Er selbst wolle nach der Entscheidung als AK-Leiter zurücktreten, weil er den Spagat zwischen Neutralität und Fraktionskollegialität nicht weiter ausüben wolle, so Pascher. Der Arbeitskreis habe stets gewissenhaft gearbeitet. Die in besagter Mail geäußerten „Mutmaßungen, die den Arbeitskreis in ein falsches Licht rücken“ kritisierte auch sein AK-Leitungs-Stellvertreter Thomas Limpert. Er stellte gar die Frage nach dem generellen persönlichen Konflikt zwischen Stadtratsmandat und persönlichen geschäftlichen Interessen. Schwer getroffen zeigte sich auch AK-Mitglied Klaus Schineller. „Und ich muss als Stadtrat auf dem Dorf täglich viel Kritik aushalten“, so der Bischwinder: „Aber so bin ich noch nie angegriffen worden.“
Im nichtöffentlichen Teil entschuldigte sich Hermann von Rotenhan dann dafür, „in einigen Punkten über das Ziel hinausgeschossen zu sein“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung am Freitag erklärte. Er habe auch die Beweggründe seiner Mail erklärt, mit der er in erster Linie den Stadträten habe Informationen zukommen lassen wollen, die vielleicht nicht umfassend „auf dem Stand“ seien – und er selbst habe sich ja in der Sitzung wegen Befangenheit nicht äußern dürfen. Er bedauerte, dass er sein Projekt nicht so habe vorstellen können, wie er es sich gewünscht habe – und: dass mit der Beschlussfassung nun erneut wieder „so viel Zeit ins Land gehen wird“.