Wandertour Ex-Coburger auf Kreta vermisst

Seit Samstag, 3. September, gibt es von Michael Kanz kein Lebenszeichen mehr. Die Umstände seines Verschwindens sind rätselhaft. Bruder Gerd unterstützt die Suche auf der griechischen Insel.

Der Coburger Künstler Gerd Kanz sucht auf der griechischen Insel Kreta nach seinem seit Samstag, 3. September, vermissten Bruder Michael. „Er war zum Wandern rund um die Kamares-Höhle unterwegs, einem sehr steinigen und unwegsamen Gelände“, erklärt Gerd Kanz am Telefon. Die Polizei habe die Suche zunächst eingestellt. Mittlerweile habe die Familie sich an die Deutsche Botschaft in Athen gewandt. Wie eine Mitarbeiterin auf Anfrage der NP erklärte, seien lediglich Spezial-Einsatzkräfte wieder abgezogen. Sowohl die örtliche Polizei als auch verschiedene Rettungskräfte seien nach wie vor an der Suche nach Michael Kanz beteiligt.

Die Kamares-Höhle liegt gut 1600 Meter über dem Meer im Süden Kretas am südlichen Hang des Psiloritis-Gebirges. Der Aufstieg ist lang und beschwerlich. Nach Angaben der Familie sei diese von Michael Kanz am Freitag, 2. September, um die Mittagszeit telefonisch informiert worden, dass er sich verirrt habe. Als es dunkel wurde, habe er sich dazu entschlossen, im Freien zu übernachten und dann am nächsten Morgen weiter nach dem richtigen Weg zu suchen.

Das letzte Lebenszeichen des 53-Jährigen geht am Samstag um 4.40 Uhr ein. Michael Kanz teilt einem Freund mit, dass er sich nun auf den Weg machen werde. Ihm hatte er bereits am Tag zuvor, am Freitag um 20.30 Uhr, einen Screenshot von Google Maps mit der Nachricht zukommen lassen, er wisse nun, wie er weitergehen wolle. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich offenbar oberhalb der Höhle. Deutlich zu erkennen war auf dem Screenshot laut Familie, dass die Rest-Kapazität seiner Handybatterie nur noch 50 Prozent betrug. Am Samstag um kurz nach 10 Uhr konnte das Handy des Vermissten ein letztes Mal geortet werden: irgendwo im Dasos-Rouvas-Wald, der sich östlich unterhalb der Höhle befindet.

Gerd Kanz hat die Fakten zusammengetragen und versucht so exakt wie möglich, Weg und Wahrnehmung des Bruders zu analysieren. Dessen Handy ließ sich nicht exakt orten, sondern lediglich entlang einer mindestens 30 Kilometer langen Linie an einer Schlucht. Der Akku war in dem Waldstück, sechs Stunden nachdem sich Michael Kanz am frühen Freitagmorgen auf den Weg gemacht hatte, wohl leer. Allerdings: „Normalerweise hatte er bei längeren Wanderungen immer eine Powerbank dabei, um das Handy jederzeit aufladen zu können“, sagt der Bruder. Der 53-Jährige sprach sehr gut Englisch - und auch Griechisch. „Er muss also zumindest bis zu einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nicht an einen Notfall gedacht haben“. Denn sonst hätte er – wie in Deutschland – die 112 wählen können. Sofort wären die griechischen Behörden alarmiert worden, hätten das Handy genau orten und Hilfe organisieren können.

Die Familie kann inzwischen nicht ausschließen, dass Michael Kanz etwas zugestoßen ist. Nach einem Hilferuf in sozialen Medien ist die Anteilnahme groß. „Schäfer, Wanderer, Jäger, Holzfäller – viele Menschen wollen helfen“, sagt der Bruder am Telefon. Und die Familie schreibt im Netz: „Wenn ihr selbst in dem Gebiet wandern gehen wollt in den nächsten Tagen oder andere Menschen kennt, die dort eine Wanderung unternehmen werden, macht sie bitte auf diesen Vermisstenfall aufmerksam. Vielleicht ist er verletzt und benötigt dringend Hilfe.“

Michael Kanz arbeitet als selbstständiger Rechtsanwalt in Berlin. Er wuchs in Coburg auf und machte 1989 am Gymnasium Casimirianum sein Abitur. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete er von 2005 bis 2009 unter anderem für den damaligen SPD Bundestagsabgeordneten Carl-Christian Dressel.

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