Warnstreik bei Valeo Der Kampf um mehr Geld

Peter Fiedler

Viele Valeo-Mitarbeiter haben Mittwochnachmittag die Arbeit niedergelegt. Sie fordern höhere Löhne. Und nicht nur das.

Zu einem Warnstreik waren am Mittwochnachmittag die Beschäftigten von Valeo in Neuses aufgerufen. Foto: /Peter Fiedler

Neuses - Zu einem Warnstreik haben am Mittwochnachmittag zahlreiche Beschäftigte und Mitglieder der IG Metall bei Valeo in Neuses die Arbeit niedergelegt. Unter dem Motto „Warnstreik – unser gutes Recht“ setzten sie sich vor dem Betriebstor für höhere Löhne ein. Der Warnstreik sei die logische Folge des Angebots der Arbeitgeberseite, hieß es. Er war bereits bei der Kundgebung der IG Metall am 1. März an gleicher Stelle angekündigt worden. „Respekt, dass Ihr gekommen seid. Auf Euch kann man sich verlassen“, freute sich Betriebsratsvorsitzende Gabi Ruppert über die große Zahl der Teilnehmer und verriet: „Ich habe sogar ein bisschen Gänsehaut.“

Nach der Werbung weiterlesen

Nicole Ehrsam von der IG-Metall bedankte sich für die Solidarität der Neuseser Valeo-Belegschaft bei der Kundgebung am 1. März. Dabei habe man bewiesen, dass auch die kleinen Standorte Power hätten. „Wir sind heute hier, weil es die Arbeitgeber in vier Verhandlungsrunden nicht geschafft haben, ein sauberes Angebot hinzulegen. Sie sind der Meinung: Es ist Pandemie, das heißt, alle Arbeitnehmer müssen verzichten. Aber das funktioniert so nicht“, erklärte Ehrsam. Schließlich hätten nicht nur die Beschäftigten im Einzelhandel durchgearbeitet, sondern auch diejenigen in den Betrieben, sobald dies möglich gewesen sei. Man habe auch einen Beitrag geleistet und im vergangenen Jahr bei der Tarifrunde auf eine Entgelterhöhung verzichtet. Die Arbeitgeber bieten jedoch nur an, dass sie frühestens Ende 2022 mehr zahlen wollen. „Es gab seit 2018 keine Entgelterhöhungen. Das ist ein Witz, das geht nicht“, meinte Ehrsam. In den vergangenen Jahren und auch in der Pandemie habe man Ausgaben und müsse beispielsweise Haus und Auto abbezahlen.

Solidarität gefragt

Kritik übte sie am Vorschlag der Arbeitgeber, Urlaubs- und Weihnachtsgeld an unternehmerischen Kennzahlen festzumachen und dies mit den Betriebsräten zu besprechen. „Das sind Dinge, die nicht gehen, die wollen uns als starke Gewerkschaft raus haben. Ein Betriebsrat ist immer leichter unter Druck zu setzen, da wird mit Arbeitsplatzabbau gedroht. Das ist etwas, was wir verhindern müssen“, so Ehrsam. Deswegen sei es wichtig zusammenzustehen und sich solidarisch zu zeigen. Sie forderte zukunftsfähige Lösungen, beispielsweise über Qualifizierung, anstatt angesichts der Herausforderungen der Zeit nur auf Arbeitsplatzabbau zu setzen.

Auch DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt erteilte dem Vorhaben der Arbeitgeber, über Urlaubs- und Weihnachtsgeld mit den Betriebsräten zu verhandeln, eine klare Absage: „Diese Last hält der Betriebsrat nicht aus. Dafür ist er nicht gewählt. Dafür gibt es Gewerkschaften.“ Für seine Rechte zu kämpfen, das sei heute wichtiger als je zuvor. „Wenn wir nicht für unsere Rechte eintreten, dann machen die Arbeitgeber mit uns, was sie wollen“, meinte Eckardt.

Die IG Metall sei die größte Industriegesellschaft der Welt, darauf könne man stolz sein. Es gehe jetzt darum, die Arbeitsplätze zu sichern, die Auszubildenden zu übernehmen und mehr in der Tasche zu haben. „Inflationsausgleich plus x ist notwendig, weil die Preise steigen und die Kosten davonlaufen“, so der DGB-Regionsgeschäftsführer, der durchblicken ließ, dass man nicht nachgeben wolle und der Warnstreik nicht der letzte sein könnte, wenn es notwendig sei.

Betriebsseelsorger Joey Schneider unterstrich: „Auch wenn wir in Corona-Zeiten physischen Abstand halten müssen, ist es wichtig, dass wir im Geist und im Herzen zusammenstehen und uns solidarisch zeigen. Geschenkt wird uns nichts.“ Die Betriebsseelsorge unterstützte die Forderungen. Es gelte die Binsenweisheit „ohne Moos nix los“. Dabei gehe es aber nicht nur ums Geld, sondern um die Zukunft der ganzen Region, sagte Schneider.