Wasserstoff Schlüsselelement für die Energiewende

Wolfgang Braunschmidt

Die Wasserstoff-Technologie wird auch in Coburg ein Thema. Die Stadt beteiligt sich an einem Pilotprojekt.

Ein mit Wasserstoff angetriebenes Entsorgungsfahrzeug; solche Lkw könnten in naher Zukunft auch auf Coburgs Straßen fahren. Foto: picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

Coburg - „Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der Energiewende“, sagte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) in der jüngsten Sitzung des Coburger Stadtrats. Der OB warb dafür, dass sich die Stadt am Förderprojekt „Wasserstoff als Zukunftstechnologie" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit beteiligt.

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Der Bamberger Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD) hat der Stadt Coburg in Aussicht gestellt, die Projektträgerschaft für ein dreijähriges Förderprogramm des Umweltministeriums zu übernehmen. Es hat die Entwicklung von Maßnahmen zur Nutzung von Wasserstoff zum Ziel, unter anderem im Rahmen des Ausbaus regenerativer Energien wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Außerdem soll es der Vernetzung von Akteuren aus dem Bereich von Wirtschaft, Energieversorgungsunternehmen, Wissenschaft und der öffentlichen Hand innerhalb Oberfrankens sowie der Metropolregionen Nürnberg und FrankfurtRheinMain sowie der Region Südthüringen dienen, erläuterte Stefan Hinterleitner vom Büro des Oberbürgermeisters.

Blick nach Sonneberg

Sonneberg ist bereits Forschungsstandort für die Wasserstofftechnologie. In Wunsiedel baut Siemens eine Produktionsstätte für Wasserstoff auf. In Nürnberg steht das „Zentrum Wasserstoff.Bayern“, die zentrale Strategie- und Koordinationsstelle des Freistaats Bayern für wasserstoffbezogene Themen. In Frankfurt am Main startet 2022 größte Zugflotte mit Wasserstoffantrieb.

Oberbürgermeister Sauerteig sagte, in Coburg hoffe man, mit der Teilnahme an dem Projekt „einen großen Fuß in die Tür“ hin zur Wasserstofftechnologie zu bekommen. Die Städtischen Werke – Überlandwerke – Coburg (SÜC) beschäftigten sich bereits mit der Frage, wie „grüner Strom“ aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft gespeichert werden kann – eine der größten Fragen, die die Energiewirtschaft derzeit beschäftigen. Die regionale Lösung könnte Wasserstoff sein, der über Elektrolyse in einem „Coburger Energiepark“ produziert und und beispielsweise ins Gasnetz eingespeist wird. Auf dem Gebiet forsche auch die Hochschule Coburg, sagte der OB, und die SÜC könnten Wasserstoff beispielsweise für den Betrieb von Lkw oder Bussen einsetzen, so Stefan Hinterleitner.

Vernetzung

Allerdings gehe es in dem Projekt des Bundesumweltministeriums nicht um den Bau einer Wasserstoff-Tankstelle oder die Anschaffung von Nutzfahrzeugen, die mit diesem Treibstoff betrieben werden, erklärte Hinterleitner. Vielmehr wollten die SÜC im Rahmen der Maßnahme untersuchen, inwieweit die Wasserstofftechnologie einen wirtschaftlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des kommunalen Unternehmens als klimaneutraler, regionaler Energieversorger leisten könne. Die Zukunft.Coburg.Digital GmbH habe bereits ihr Interesse angemeldet, für das Förderprojekt eine Plattform zu entwickeln, über die Akteure vernetzt werden. Zu ihnen soll auch die Industrie- und Handelskammer zu Coburg gehören.

Stadtrat Wolfgang Weiß (Grüne) bezeichnete das Projekt als Beispiel dafür, „dass in Coburg Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen“, um praktische Erfahrungen zur Wasserstofftechnologie mit lokalen und regionalen Akteuren zu sammeln. Andreas Engel (CSU/JC), Stadtrat und neu gewählter Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg, bezeichnete das Wasserstoffprojekt als „etwas ganz Großartiges“. Coburg erhalte damit die Chance, Stadt, Wirtschaft und Hochschule sowie weitere Akteure in der Region für die Entwicklung und Nutzung dieser Zukunftstechnologie zu vernetzen. Sowohl Wolfgang Weiß als auch Andreas Engel betonten, „wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir hier nicht zugreifen würden“.

100-Prozent-Förderung

Der Stadtrat beschloss einstimmig die Teilnahme an dem Projekt. Dafür stehen drei Millionen Euro zur Verfügung. Der Stadt entstehen keinerlei Kosten. Stefan Hinterleitner, der in der in der Akquise von Fördermitteln äußerst erfahren ist, habe noch nie erlebt, dass eine solche Zuwendung 100 Prozent des finanziellen Aufwands abdeckt.

Der Stadtrat genehmigte zudem zwei befristete Teilzeitstellen, um das Förderprojekt „Wasserstoff als Zukunftstechnologie“ in Coburg umsetzen zu können. Auch deren Kosten sind über die staatlichen Mittel vollständig abgedeckt.