Eine sächsische "Trockenzeit" ist zumindest für die Fachleute schon seit mehr als zehn Jahren erkennbar. Seit 2013 geht das Grundwasser zurück. Ab 2018 folgten drei ausgeprägte Dürrejahre. Nur 2021 bildete eine Ausnahme. Nennenswerte Schneerücklagen aus dem Winter gibt es nicht mehr, was wiederum Auswirkungen auf das Grundwasser hat. Die Verdunstung nimmt zu, auch weil die Temperatur sowie Intensität der Sonnenstrahlen durch eine immer sauberer werdende Atmosphäre zunimmt.
Druck auf die strategische Ressource Wasser nimmt zu
"Der Wasserhaushalt ist in den vergangenen Jahren unter Druck geraten, weil wir fast immer unterdurchschnittliche Niederschläge zu verzeichnen hatten", berichtet Philipp. 2026 sei man erneut auf einem solchen Pfad. "Das ist für sich genommen nicht dramatisch, aber es akkumuliert sich von Jahr zu Jahr." Bislang sei noch immer genügend Wasser da gewesen, um die Bedürfnisse aller zu befriedigen. Doch ohne Vorkehrungen werde das so nicht bleiben.
Philipp zufolge wird es künftig viel mehr als bisher darum gehen, Niederschlagswasser in Städten und ländlichen Räumen zurückzuhalten - Stichwort: Schwammstadt. Unklar sei, in welchem Maß die Bevölkerung künftig den Wasserverbrauch etwa in Sommermonaten reduzieren müsse. Die Landkreise würden schon heute mit Entnahmeverboten aus den Oberflächengewässern reagieren. Insgesamt werde der Druck auf die strategische Ressource Wasser zunehmen.
Verbraucher mit guten Argumenten überzeugen
Um einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser zu fördern, plädiert Philipp für ein bundesweites Modell nach bayerischem Vorbild: Dort wird für größere Wassernutzungen ein sogenannter "Wassercent" erhoben. Für die Entnahme von Grundwasser werden dort nun einheitlich 10 Cent pro Kubikmeter (1.000 Liter) fällig. Dabei gilt eine Freimenge von 5.000 Kubikmetern pro Jahr. "Das ist sicher eine Stellschraube, an der man drehen könnte", ist Philipp überzeugt. Es bringe nichts, die Probleme zu kaschieren. Mit guten Argumenten ließen sich die Konsumenten bestimmt überzeugen.
Dass es über den Tellerrand zu schauen gilt, beweist eine andere Anforderung an die sächsische Wasserwirtschaft. Per länderübergreifender Vereinbarung mit Berlin und Brandenburg ist der Freistaat gehalten, vor allem in Trockenzeiten genügend Wasser in die Spree einzuleiten. Bei Niedrigwasser stammt rund die Hälfte des Wassers in der Spree aus der "Sümpfung" des Braunkohletagebaus - dem Abpumpen und Entfernen von Grund-, Sicker- oder Grubenwasser.
Sachsen muss Wasser für Brandenburg und Berlin liefern
Deshalb ist die Frage, was nach dem Ende der Braunkohleära geschieht. Ein kompletter Wegfall der Einspeisungen aus dem Tagebau wäre nach Ansicht von Philipp unter Umständen kritisch, etwa für den Wassertourismus im Spreewald. Um gerade bei Trockenheit die im Einzugsgebiet verfügbaren Wassermengen zu erhalten, müsste man weiterhin zumindest zeitweise "sümpfen" oder mehr Speicherraum schaffen. Als dritte Möglichkeit ist ein Überleiter von der Elbe in die Spree geplant - doch auch hier gibt es Widerstand.
Der Überleiter - ein Rohrsystem mit Pumpen - dürfte vor allem eine finanzielle Herausforderung sein. Allein für die Trasse zur Überleitung wurden bisher je nach Schätzung mehrere hundert Millionen Euro veranschlagt. Die jährlichen Betriebskosten etwa für das Pumpen des Wassers lassen sich auf einen einstelligen Millionenbetrag beziffern. Philipp weist auch auf den Zeitrahmen solch eines Projektes hin. "Das ist nichts, was man innerhalb weniger Jahren in die Landschaft stellt." Auch deshalb bleibe Wasser eine Generationenaufgabe.