WBV Kronach-Rothenkirchen Ehrentitel für Georg Konrad

Georg Konrad (Mitte) hat die Waldbesitzervereinigung Kronach-Rothenkirchen geformt und aus dem Verein auch ein gut aufgestelltes Unternehmen gemacht. Nach über 26 Jahren an der Spitze wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit im Bild Forstdirektor Michael Schmidt (links) und sein Nachfolger Markus Wich. Foto: /Michael Wunder

26 Jahre stand Georg Konrad an der Spitze der Kronach-Rothenkirchener WBV. Nun stellt er sich nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger überreichte ihm die Urkunde zum Ehrenvorsitzenden und eine blitzende Medaille.

Neukenroth - Markus Wich ist der neue Vorsitzende der 1763 Mitglieder zählenden Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen. Er löste bei der Jahresversammlung in der Zecherhalle Georg Konrad nach über 26-jähriger Tätigkeit ab. Georg Konrad wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Forstdirektor Michael Schmidt wies in seinem Fachvortrag immer wieder auf die schwierige Lage mit dem Borkenkäfer hin. Der in einer bisher nicht gekannten Dimension auftretende Schädling bringe alle im Wald tätigen stets an physisch und psychische Grenzen. Die WBV-Mitarbeiter gäben ihr Bestes rund um die Uhr und könnten auch nur arbeiten. Er habe Verständnis für die Ungeduld der Mitglieder. Bei einem Sturmwurf sei die Katastrophe noch einschätzbar, die gegenwärtige Käfersituation mit ständig neu aufwirbelnden Käfern an verschiedenen Flächen in dem großen Umfang sei nicht zu bewältigen. Man könne die Krise deshalb auch nur managen. Er bat eindringlich um Verständnis, wenn es mal hake, zu Missverständnissen komme, es Ärger und Aufregung gebe. Sachliche Kritik sei in Ordnung, es dürfe aber keine Anfeindungen geben.

Hilfe für Waldbesitzer

Sein Amt sei bereit, auch über seine eigentliche Aufgabe hinaus zu helfen, versprach der Forstdirektor. Man stehe den Waldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite. Bei der Förderung müsse man sich an die gesetzliche Vorgabe halten, dies betreffe sowohl die Förderfläche als auch ein Insektizid für die Borkenkäferbekämpfung. Bei den vorherrschenden Dimensionen seien Zwangsmaßnahmen auch nicht immer durchzusetzen. Man habe 1200 Waldbesitzer angeschrieben. 80 Prozent der Waldbesitzer seien für die Hinweise dankbar gewesen. Bis Juni habe man versucht, den säumigen Waldbesitzern nachzugehen, sieben Ersatzvornahmen seien durchgeführt worden. „Man sieht also, dass die Bayerische Forstverwaltung alles Mögliche versucht.“ Das einzigartige Förderprogramm sei auf Anregung von Landrat Klaus Löffler aufgelegt worden. „Die 30 Euro pro Festmeter waren vor allem im letzten Jahr – als der Holzpreis am Boden lag – Gold wert.“ Im vergangenen Jahr habe sein Amt 2500 Anträge bearbeitet und dabei zehn Millionen Euro ausgezahlt. Heuer seien es bisher 3600 Anträge, die zehn Millionen werde man locker erreichen. Auch personell habe man Verstärkung bekommen. Die Reviere seien mehrfach mit Förstern besetzt, trotzdem habe man im Frankenwald zwischen 20 und 30 Prozent der Waldfläche verloren. Noch schlimmer sei es allerdings in Ostdeutschland, im Sauerland und im Harz. Man gebe deshalb die Hoffnung nicht auf, setze auf einen kalten Herbst und Winter. Immer noch hätten viele nicht begriffen, dass man die frisch befallenen grünen Bäume fällen müsse, um den Schädlingen Einhalt zu gebieten. Man könne die toten Bäume auch noch im Winter um schneiden, für tote Bäume gebe es aber keine Käferförderung, so Schmidt. „Der Waldumbau ist die größte bayerische Klimaumbaumaßnahme, die läuft.“ Nicht vergessen dürfe man die Wiederaufforderung, die alles bisher Dagewesene sprenge. Man könne bereits jetzt den Waldbesitzern attraktive Angebote für den Neuaufbau des Frankenwaldes machen.

Flurbereinigung im Wald

Vorsitzender Georg Konrad stellte den Mitgliedern die Verstärkungen im Büro sowie den neuen Geschäftsführer Johannes Schneider vor. Weiterhin sprach er eine „Flurbereinigung“ im Wald an, die Zusammenlegung von Flächen würde die Bewirtschaftung einfacher machen. Die Mitgliederzahl habe sich in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel erhöht. Derzeit zählt man 1763 Mitglieder mit einer Fläche von 13 580 Hektar. Weiterhin ging Konrad auf das Jubiläum 50 Jahre WBV Kronach Rothenkirchen ein.

Nach den Berichten gab es auch kritische Stimmen seitens der Mitglieder. So wurden die Förderkulisse und die künftige Gestaltung des Frankenwaldes angesprochen. Weiterhin forderte man neben der finanziellen Förderung auch mehr personelle und maschinelle Unterstützung. Eine Frau sprach den katastrophalen Zustand der Waldwege an, andere richteten ihr Augenmerk auf säumige Waldbesitzer und kritisierten die Vorgehensweise. Ein weiteres Mitglied forderte nach eigenen Angaben zum wiederholten Mal die Bekämpfung aus der Luft. Bezweifelt wurde auch der Erfolg der Häckselaktion, wo bestimmte Regionen leer ausgegangen seien.

Die vom Vorstand vorgeschlagene Satzungsänderung wurde einstimmig genehmigt. Georg Konrad stellte sich nach über 26 Jahren an der Spitze nicht mehr zur Wahl. „Ich möchte die interessante Zeit, in der es auch personelle Änderungen gab, nicht missen“, betonte er. Mittlerweile gebe es vier hauptberufliche Geschäftsführer. Eine Zeit lang habe man zudem versucht, mit den zwei weiteren Waldbesitzervereinigungen im Landkreis zusammenzuarbeiten. Dies habe aber nicht funktioniert, sodass jeder wieder seine eigenen Wege gegangen sei.

Neuwahlen

Die Neuwahlen brachten dann folgendes Ergebnis: Vorsitzender Markus Wich, 2. Vorsitzender Christian Barnickel, Beiräte: Georg Scherbel, Hans-Ulrich Müller, Friedwald Schedel, Bernd Liebhardt, Klaus Völk, Klaus Dressel, Georg Nickol, Thomas Schnappauf, Wilko Zech. Kassenprüfer: Andreas Martin, Johannes Nickel, Thomas Parteimüller.

Wich stellte das Forschungsprojekt „Mehr Wasser im Wald“ vor. Man müsse einen entscheidenden Beitrag zum Klimawandel leisten und die Geschäftsfelder weiter stärken. Im starken Verein und leistungsfähigen Unternehmen müsse der Holzbau forciert werden. Als ersten Schritt für eine neue Geschäftsstelle habe man ein Grundstück in Rothenkirchen gekauft. Zudem hatte er eine besondere Auszeichnung für Georg Konrad parat. Für seine herausragenden Leistungen, die er über eine Generation einbrachte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als Geschenk erhielt Konrad eine goldene Medaille überreicht.

WBV in Zahlen

Mit vielen Zahlen wartete Geschäftsführer Tobias Wicklein bei der Jahresversammlung der WBV Kronach-Rothenkirchen auf. Bis 2017 habe man jährlich knapp unter 30 000 Festmeter vermarktet. Mit Ausbreitung des Käfers im Jahr 2018 habe sich die Menge ständig erhöht. Bereits 2019 habe man 64 000 Festmeter, doppelt so viel wie 2017 vermarktet. 2020 im dritten Trockenjahr in Folge sei mit der Förderung dann noch ein weiterer Turbo gezündet worden. Allerdings liege der Holzpreis am Boden und sei wesentlich niedriger als die Aufarbeitungskosten.

Der Wettlauf gegen die Zeit setze sich fort, Forstwege seien in Grund und Boden gefahren. Die Infrastruktur sei inzwischen massiv geschädigt. Im vergangenen Jahr habe man 208 000 Festmeter vermarktet und heuer Ende August habe man den gleichen Stand schon wieder erreicht. Bei großflächigen Kahlhieben seien mittlerweile die Grenzen das Problem. Dies müsse vor Wiederaufforstung geklärt werden.

Ende September werden die Ausgleichsbeschränkungen fallen und dann wieder mehr Frischholz eingeschlagen. Ziel der WBV sei es, ab Oktober verstärkt den Chinamarkt mit Holz zu bedienen. Man hofft deshalb auch, dass der Holzpreis nach aktuellen Prognosen stabil bleibt.

Kassenführer Hans-Ulrich Müller gab die Zahlen der vergangenen zwei Jahre bekannt. Demnach wurden über 5000 Kassenposten ehrenamtlich bewältigt. Was die Maschinenvermietung betrifft, meinte er, man möge die Maschinen künftig so behandeln, als wäre es die eigenen. Als Betreiber sei die WBV verantwortlich, was hier laufe. „Und das ist teilweise nicht so gut.“ Wenn aus dem Vereinsvermögen etwas kaputtgeht, sei es zwar kein großes Problem, Schäden müssten aber immer gemeldet werden. Man habe für die Mitglieder 50 Kilometer Zaun geordert und könne diesen zu einem vernünftigen Preis abgeben.

 

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