Wehrsteg Knetzgau Eine Frage der Haftung

Der über 60 Jahre alte Wehrsteg über den Main war bisher immer als Abkürzung und auch bei Wanderern sehr beliebt. Foto: /Christian Licha

Der Überweg über den Main ist seit 2018 gesperrt. Die beliebte Route für Fußgänger und Radfahrer sollte schon mehrfach wieder geöffnet werden. Die Sicherheit wird jedoch weiter geprüft.

Knetzgau - Im Sommer werden es drei Jahre, wenn sich an der derzeitigen Situation bis dahin nichts ändert. Seit dem 23. Juli 2018 ist der Wehrsteg am Kraftwerk Knetzgau komplett gesperrt. Das Schild, das vor Ort die Sperrung bekannt gibt, wurde mehrfach mit verschiedenen Daten einer angeblichen Wiedereröffnung überklebt. Zusammen mit der Brücke über die Staustufe war der Fußgängersteg bisher eine beliebte Abkürzung um von Knetzgau auf die nördliche Mainseite zu kommen.

In der Vergangenheit wurde bereits in der Facebook-Gruppe „Wir sind Knetzgau“ ausgiebig über die Einschränkung diskutiert. Einige Gruppenmitglieder bedauerten es, den Umweg über den Autobahnzubringer nehmen zu müssen, waren sie doch sonst mit dem Fahrrad über den Wehrsteg schneller an ihrem Arbeitsplatz in Augsfeld. Auch bei Wanderern und Spaziergängern war der direkte Weg über den Main immer sehr beliebt. Aber auch Bürgermeister Stefan Paulus wurde unterstellt, dass die Gemeinde kein Interesse daran hätte, dass der Übergang wieder geöffnet wird. „Ist doch einfach, der Gemeinde-Chef will nicht!“ lautete zum Beispiel der Kommentar eines Knetzgauers vor einigen Wochen.

Stefan Paulus will das aber nicht so stehen lassen, sondern klärt in einem Gespräch mit unserem Reporter den Sachverhalt auf. „Wir wollen, dass der Steg wieder geöffnet wird. Dass das bisher nicht geschehen ist, liegt nicht an der Gemeinde sondern am Wasser- und Schifffahrtsamt“, so das Gemeindeoberhaupt. Dabei will er aber keineswegs der Behörde des Bundes den schwarzen Peter in die Schuhe schieben. Erst in dieser Woche habe er einen Termin mit Vertretern des Wasser- und Schifffahrtsamtes gehabt. Man arbeite gut zusammen, so das Gemeindeoberhaupt.

„Der Hauptgrund, warum der Wehrsteg immer noch geschlossen ist, ist eine Haftungsfrage“, erklärte Paulus. Hier sei besonders die Höhe der Brüstung und des Geländers das Thema. „Der Teufel steckt im Detail“, resümiert der Bürgermeister. Reicht ein Schild, das Fahrradfahrern vorschreibt ihren Drahtesel über den Steg zu schieben? Was ist wenn sich jemand nicht daran hält und stürzt? Oder noch Schlimmer: Was ist wenn ein Radfahrer das Gleichgewicht verliert und über das Geländer in die Tiefe stürzt? Muss das Geländer erhöht werden? Das alles sind Fragen, die das Wasser- und Schifffahrtsamt als Eigentümer des über 60 Jahre alten Wehrsteges noch juristisch zu klären habe, ehe wieder an eine Öffnung gedacht werden könne. Bürgermeister Paulus denke jedoch, dass das zeitnah geschehe. Gleichzeitig zeigt er Verständnis für die Belange des Amtes, denn schließlich wolle auch die Gemeinde Knetzgau auf der sicheren Seite sein.

In der bisherigen Zeit der Sperrung war man aber keineswegs untätig. So habe das WSA Sanierungsarbeiten durchgeführt, wohl unter anderem am Beton-Fundament. Die Gemeinde Knetzgau hat eine Tür ausgetauscht und den Wänden einen neuen Anstrich gegeben. Diese waren in der Vergangenheit sehr unansehnlich. Immer wieder hatten Graffiti-Sprüher ihre „zweifelhaften Kunstwerke“ hinterlassen. Wie kann man solche Sachbeschädigungen in Zukunft verhindern? Bürgermeister Stefan Paulus kann nur an die Bevölkerung appellieren: „Wer Zeuge von Sachbeschädigungen wird, soll sachdienliche Hinweise der Gemeinde melden, damit gegen die Verursacher auch Anzeige erstattet werden kann“.

 

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