Wolfgang Triebsch ist Rentner – „Gott sei Dank“, sagt der frühere Lkw-Fahrer. Vor 30 Jahren, da habe der Job noch Spaß gemacht. Aber in der Zwischenzeit sei man doch nur mehr von Termin zu Termin gehetzt. Als vor drei Jahren seine Frau stirbt, bittet ihn sein Sohn, zu ihm nach Weißenbrunn zu ziehen. Er packt also in Johannisthal seine Koffer und wird Weißenbrunner. Und von da an hat er auch einen neuen Hausarzt: den dortigen Mediziner Dr. Axel Witthauer. Eines Tages im Jahr 2020, fragt Wolfgang Triebsch die Arzthelferin, ob sie nicht einen ehrenamtlichen Job für ihn wüsste: „Mir war langweilig.“ Die Frau weiß Rat und vermittelt ihn an ihren Chef, der nicht nur Arzt sondern auch 2. Vorsitzender der Schwimmbadfreunde Weißenbrunn ist. Triebsch hat kurz darauf seinen ersten Einsatz bei den Schwimmbadfreunden. Beim Wettbewerb „Swim & Run“ macht er die Einlasskontrolle – wegen des Hygienekonzepts durch Corona. Diesem ersten Einsatz sollten viele weitere folgen. Er greift auch dem damaligen Kioskbetreiber Mario Kellner unter die Arme. Als der im vergangenen Jahr plötzlich stirbt, springt Wolfgang Triebsch kurzerhand ein. Allerdings: Er macht das nicht wie sein Vorgänger auf eigene Rechnung. Wolfgang Triebsch, von den Badegästen liebevoll „Wolle“ genannt, betreibt das Lädchen ehrenamtlich. Das hat auch einen Grund. Denn er hätte zwar nichts dagegen, ein paar Euro dazuzuverdienen. Aber dieses Geld würde ihm von der Witwenrente abgezogen. Und das findet er ungerecht. Da arbeitet „Wolle“ lieber umsonst. Während er das erzählt, wandert sein Blick vom Kiosk aus immer wieder zu Christine Punke. Die Apothekerin des Orts zieht in ihrer Mittagspause gerade ihre Bahnen im Weißenbrunner Bad und hat für danach eine Currywurst bei ihm geordert. Damit die auch pünktlich auf den Tisch kommt, schaut er immer wieder zum Schwimmbecken. „Elke, sagst du mir, wenn Frau Punke rauskommt?“ – die angesprochene Elke Wagner nickt. Triebsch erzählt derweil, dass es die Schwimmbadfreunde seit 2009 gibt. Sie seien gegründet worden, um die Gemeinde beim Erhalt des Bads zu unterstützen. 2013 schließlich hat der Verein das Bad gekauft. Für den symbolischen Betrag von einem Euro. Die Gemeinde konnte sich die Einrichtung nicht mehr leisten. Seit fast zehn Jahren halten nun die Ehrenamtlichen das Freibad in Schuss. „Da packt jeder mit an. Die einen jäten Unkraut, die anderen gießen, wieder andere putzen die Toiletten. Die Anlage hier ist super gepflegt“,schwärmt der 68-Jährige, bei dem es nun auch Zuhause oft um die Schwimmbadfreunde geht. Seine Lebensgefährtin ist Ruth Tölg, die Kassiererin des Vereins.