Weißenbrunn Platin für den „grauen Wolf“

Rainer Glissnik

Willi Pechtolds Leben ist untrennbar mit der Pfadfinderei verbunden. Nun wurde er für sein 70 Jahre währendes Engagement ausgezeichnet.

Seit nunmehr 70 Jahren ist der heutige Weißenbrunner und ehemalige Neustadter Willi Pechtold aktiver Pfadfinder. Nun erhielt der „graue Wolf“ eine Auszeichnung. Die Bundesbeauftragte des Deutschen Pfadfinderbunds Mosaik (DPBM) Vera von der Heyde aus Köln überreichte ihm die Ehrenurkunde zum Platin-Jubiläum.

„Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen, bringt verantwortungsvolle junge Menschen hervor, die den Herausforderungen der globalisierten und digitalisierten Welt selbstbewusst begegnen können“, betonte die Bundesbeauftragte. Dabei hob sie insbesondere Pechtolds Engagement für den Erhalt des Stamm König Artus und die Integration junger Menschen mit Behinderung in der Pfadfinderarbeit hervor. „Du bist Vorreiter und Beispiel für unseren Bund.“

Ehrungen am laufenden Band

Um dem „ewigen Pfadfinder“ gebührend zu würdigen, reichte eine Veranstaltung allein nicht aus. Den Auftakt machte man bei einem Treffen aller ehemaligen Stammesführer sowie die vom Stamm „Waldläufer“ aus Grafenwöhr und die „Landsknechte“ aufs Grub am Forst. Für den Kreisjugendring zollte ihm bei dieser Gelegenheit Geschäftsführerin Eva Wicklein ihren Respekt.

Zum zweiten Ehrungsabend war der Freundeskreis der Pfadfinder gekommen, wo Pechtold stellvertretender Vorsitzender ist. „Dein Leben ist geprägt von sozialem Engagement“, würdigte hier Bürgermeister Norbert Gräbner die Leistungen des Jubilars. Höhepunkt im Ehrungsreigen war dann das Stammeslager in Rothenkirchen. Während der Versprechensfeier wurde Willi Pechtold ein Fotoalbum der letzten 70 Jahre überreicht. Der Jubilar hatte aber auf weitere Geschenke verzichtet und stattdessen um Spenden für seinen“ Stamm König Artus“ gebeten.

Das Leben geprägt

„Die Pfadfinderei hat mein ganzes Leben geprägt, auch beruflich“, so Willi Pechtold, der in der Werkstatt für angepasste Arbeit wirkte. „Es waren bestimmt mehr als 1000 junge Menschen, die ich hier bei der Pfadfinderei kennenlernte.“ Bei den Pfadfindern gebe es echte Abenteuer zu erleben. Hier lernten junge Leute Sensibilität für Natur, Umwelt und Mitmenschen. „Das treibt mich an, solange es halt noch geht.“

Willi Pechtold trat 1952 – wie er erzählt – nicht ganz freiwillig dem Stamm „Löwe von Meißen“ in Neustadt bei Coburg bei. Doch schnell war dort seine Begeisterung geweckt. „Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder“, erklärt er dann auch. Schließlich packte ihn der Ehrgeiz: Er durchlief alle Stationen bei den Pfadfindern, von 1977 bis 1985 war er sogar Landesvorsitzender in Bayern. Als er 1967 heiratete, kam er nach Weißenbrunn in den Landkreis Kronach. Der Gründer der Seibelsdorfer Pfadfinder, Konrad Hofmeier, nutzte diese Gelegenheit und „schnappte“ sich den erfahrenen Pfadfinder, zunächst als stellvertretenden Stammesführer. Auch Pechtolds Frau Heidi engagierte sich hier, wurde Stammesführerin und fuhr auf die Großfahrten mit.

Integration von Menschen mit Handicaps

Willi Pechtold war und ist bei all seinem Engagement für die Pfadfinder stets wichtig, dass auch Menschen mit einem Handicap aufgenommen werden. So sei beim Stamm König Artus die Integration von Menschen mit Behinderung überhaupt kein Thema mehr. „Wir haben damit 1978 begonnen und uns ist es längst selbstverständlich geworden. „Menschen mit Behinderung gehören dazu, wie eben alle anderen auch“, so Pechtold.

Dabei spielten Vorbilder bei den Pfadfindern insgesamt eine große Rolle. Die Jüngeren fänden immer wieder an den Älteren Ansporn. Junge Leute nehmen dabei mehr und mehr Verantwortung. „Wölflinge, die jüngsten, Pfadfinder, und die älteren Rover bilden einen Stamm“, erläutert der Jubilar. Die Aufgaben würden verteilt, jeder komme auch beim Kochen oder Putzen an die Reihe. Pfadfinder seien zudem das ganze Jahr über aktiv. „Natürlich wird im Winter mehr drinnen unternommen, aber in den wärmeren Jahreszeiten sind wir ständig draußen in der Natur unterwegs. Immer wieder geht es auch mit den Zelten los. Es schweißt die Gemeinschaft zusammen, wenn jeder spürt: Er wird gebraucht“, so Pechtold.

Erlebnispädagogik

Ein großartiges Erlebnis für alle sei dabei stets ein „Haijk“, eine Art von Geschicklichkeits- und Aufgabenlauf. Noch heute begeistere es ihn, wenn die jungen Pfadfinder dafür ihre Rucksäcke und Zelte packen. Was heute die so genannte Erlebnispädagogik vermittele, sei schon seit jeher Bestandteil der Pfadfinderei – und noch viel mehr, betonte er. „Wer einmal bei den Pfadfindern war und hier zunehmend mit Verantwortung umgehen lernte, kommt auch gut im Leben zurecht. Der Abenteuerdrang ist vorhanden und damit auch der Mut, im Leben Neues zu wagen“, zeigt sich Pechtold überzeugt. Die Pfadfinder gäben damit ein sehr gutes Beispiel, wie Jugendarbeit erfolgreich funktioniere. Dabei habe sich in den vergangenen Jahre natürlich vieles weiterentwickelt.

Hauptsache Spaß

Der Stamm „König Artus“ gehört zum Pfadfinderbund „Mosaik“, der seinen Mitgliedsstämmen einen enormen Spielraum lässt. „Wir nehmen jeden so wie er ist, mit all seinen Schwächen und Stärken. Hauptsache die Kinder haben Spaß.“

Bis heute ist Willi Pechtold Gruppenführer mit seinen Pfadfindern mit Behinderungen in der Rovergruppe „Excalibur“ im Stamm König Artus.

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