Weitramsdorf - Die rosafarbene Mini-Zunge schnellt hervor, schleckt flink über die Jeans von Kerstin Baumann-Franz und schon stakst das Kitz weiter, setzt einen zierlichen Lauf vor den anderen und widmet sich wieder Löwenzahn und Spitzwegerich. Über dem kohleschwarzen Muffel – der Nase – leuchten zwei Knopfaugen, lang geschwungene Wimpern inklusive. Rehkitz Rosalie fühlt sich sichtlich wohl in dem Gehege, das Kerstin Baumann-Franz Mitte Juni in ihrem Garten am Ortsrand von Weitramsdorf eingerichtet hat. Damals hatte die Jägersehefrau das gut eineinhalb Wochen alte Tierkind bei der Kitzsuche im Revier Gemünda entdeckt, kurz vor der Frühjahrsmahd. Normalerweise hätte sie das Kitz mit Handschuhen und Grasbüscheln gepackt und abseits der Wiese abgesetzt, solange bis die Landwirte das Feld fertig abgemäht hätten. Aber Rosalie hatte eine Verletzung – und so entschied sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Schwiegervater, den beiden Jagdpächtern in Gemünda, das zarte Bündel in Obhut zu nehmen und gesund zu pflegen.