Welt-Poliotag Kinderlähmung – noch lange nicht heilbar

Günther Geiling
Vorstandsmitglied Dr. Helmut Hümmer vom Rotary-Klub Haßfurt mit dem Flyer zum „Welt-Poliotag“. Foto:  

Ein tödlicher Verlauf von Covid-19 kann mit einer Impfung minimiert werden. Allgemein zählen Impfungen zu den wirksamsten Mitteln im Kampf gegen Krankheiten. So auch bei Polio.

Haßfurt - Am morgigen Sonntag, 24. Oktober, begeht man den „Welt-Poliotag“, mit dem weiterhin auf die Gefahr dieser Krankheit aufmerksam gemacht werden soll. Aufgrund der Corona-Pandemie haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutlich in diesem Jahr 80 Millionen Babys unter zwölf Monaten keine Impfung erhalten. Weltweit nutzen die Rotary-Klubs deswegen diesen Tag, um darauf aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass die Welt poliofrei wird. Auch der Rotary-Klub Haßfurt mit seiner Präsidentin Genoveva Milewski engagiert sich in besonderer Weise.

Dr. Helmut Hümmer, Vorstandsmitglied im Rotary-Klub Haßfurt, betonte in einem Gespräch, dass die Bekämpfung der Poliomyelitis, besser bekannt als Kinderlähmung, „eine heute noch unheilbare Krankheit ist, aber sie ist verhinderbar durch Impfung. Es gibt offiziell nur noch zwei Länder, wo sie heimisch ist, das sind Pakistan und Afghanistan. Im Zeitalter der Globalisierung und vor dem Hintergrund eines weltweiten Tourismus gilt es weiterhin eine Wiederausbreitung zu verhindern und deswegen muss Polio in diesen Ländern bekämpft werden.“

Die Rotarier brachten schon 1985 die Initiative „PolioPlus“ auf den Weg, um die Kinderlähmung weltweit vollständig auszurotten. Seit 1988 unterstützt auch die WHO dieses Vorhaben, nicht zuletzt wegen der Verankerung der rotarischen, logistischen und finanziellen Arbeit an der Basis und die aufopferungsvollen Einsätze zahlloser Freiwilliger. Rotary-Mitglieder hätten so über 2,2 Millionen Dollar und unzählige Arbeitsstunden ehrenamtlich zur Verfügung gestellt, um fast 3 Milliarden Kinder in 122 Ländern vor dieser lähmenden Krankheit zu schützen.

Seit vielen Jahren gibt es zwar in Deutschland keinen Fall von Kinderlähmung mehr und das wiegt anscheinend viele Eltern und Menschen in falscher Sicherheit, denn die Impfquote liegt nur noch bei knapp über 90 Prozent. Dabei gab es bei den Epidemien 1953 und 1954 noch Tausende von Polio-Fällen mit fast 10 000 Toten.

Viele ältere Mitbürger könnten sich ganz sicherlich noch an den Slogan der sechziger Jahre erinnern „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“, bei dem der Impfstoff auf einem Zuckerwürfel verabreicht wurde. Heute erfolgt der Impfschutz im Rahmen einer Grundimmunisierung mit einem Kombinations-Impfstoff, der im ersten Lebensjahr über Teilimpfungen ausgeführt wird.

Gerade auch der Autor dieser Zeilen hat zu Beginn der 1960er Jahre in einem Klosterseminar in Würzburg diese tückische Krankheit miterlebt mit der Krankheit eines Schülers, Quarantäne und Abschirmung von anderen Mitschülern. Zum Glück überstand der Jugendliche die Krankheit, aber mit einer starken Lähmung des linken Beines. Bis heute gibt es in Deutschland noch eine große Anzahl Überlebender der letzten Polio-Epidemien mit den immer noch viel zu wenig bekannten Spätfolgen der Kinderlähmung.

„Die Bekämpfung der Polio-Erkrankung ist seit mehr als 30 Jahren eine Herzensangelegenheit für Rotary, unsere Organisation gibt dafür jedes Jahr 50 Millionen Dollar aus und stellt hierfür die Logistik zur Verfügung. Auch unser Rotary-Klub Haßfurt, der mittlerweile seit 20 Jahren besteht und aktuell 40 Mitglieder hat, gibt jährlich dafür Gelder aus und hat in den letzten Jahren 15 000 Euro in diesen Fond gegeben“, erklärt dazu die amtierende Präsidentin Genoveva Milewski.

Mit diesen Geldern könne man eine ganze Menge anfangen, denn eine Dosis des Impfstoffes koste nur ca. 50 Cent. „Von großer Bedeutung ist aber ebenso die von Rotary aufgebaute Infrastruktur im Kampf gegen Polio, die mittlerweile auch gegen die Ausbreitung von Covid 19 genutzt wird.“ Es gebe nämlich 36 000 Rotary-Klubs mit über 1,2 Millionen Mitgliedern rund um den Globus, die sich in ihren Gemeinwesen und auf internationale Ebene gegen Hunger, Armut, Krankheiten, Analphabetismus und Umweltverschmutzung engagierten. Dazu zähle auch der Rotary-Klub Haßfurt.

„Auch deshalb dient der Weltpoliotag einmal im Jahr dazu, um auf die Risiken und Folgen einer Poliomyelitis hinzuweisen, denn Entwarnung kann immer noch nicht gegeben werden. Die Ausrottung von Polio wäre einer der größten Fortschritte im Gesundheitswesen und nach den Pocken die erst zweite vollkommen ausgerottete menschliche Seuche.“

Dr. Helmut Hümmer, Organisator für Meetings und Themenschwerpunkte im Klub, machte aber auch darauf aufmerksam, dass Rotary Haßfurt neben diesem Hauptanliegen eine breite Palette von Hilfsaktionen realisiere, mit denen hilfsbedürftige Menschen unterstützt würden. „Seit einigen Jahren versorgen wir in der Stadt Doboj in Bosnien/Herzegowina Einrichtungen mit medizinischen Geräten und sorgen auch für die Ausstattung von Klassenzimmern. Schulbücher aus Deutschland sind dabei ganz besonders beliebt, denn die Schüler wollen damit Deutsch lernen.“

In Frankreich mache man mit dem „Patenklub Tricastin“ gemeinsame Sache. „Hier haben wir gemeinsam einen Schultransporter gestiftet, mit dem die Schüler zur Schule gefahren werden können.“ Im eigenen Landkreis stehe Rotary Haßfurt für den „Ernährungsführerschein“ in allen 3. Klassen der Grundschulen. „Noch wichtiger ist aber ein Sprachförderungsprogramm für Kinder mit Migrationshintergrund. Diese Kinder werden von Realschülern betreut und inzwischen gehen sogar einige schon gemeinsam in die Realschule oder das Gymnasium.“

 

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