Welterbe-Auszeichnung Freude in tschechischen Bäderorten

Marienbad ist heute bekannt für seine pompöse Bäderarchitektur, wie hier das Mariánské Spa. Einst war ein Kururlaub hier Statussymbol für Europas Geld- und Geistesadel. Foto: CzechTourism.com/dpa

Welterbe-Bäder direkt vor der Haustür der Region: In den tschechischen Bäderorten Karlsbad, Marienbad und Franzensbad ist die Auszeichnung als Unesco-Welterbe mit großer Freude begrüßt worden.

Karlsbad (dpa) - Als Welterbe gelten Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert. Die "Bedeutenden Kurstädte Europas" haben vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangt. Die Kur hat in Europa eine besondere Tradition: Rund um Heilquellen entstanden Kurstädte mit einem eigenen städtebaulichen Typus.

Für ihre Stadt sei das ein «historischer Meilenstein», teilte Andrea Pfeffer-Ferklova, die Oberbürgermeisterin von Karlsbad (Karlovy Vary), am Samstag mit. Es sei die Krönung mehr als zehn Jahre währender Anstrengungen. Zuvor hatte die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) die gemeinsame Welterbebewerbung der drei westböhmischen Bäderorte und acht weiterer europäischer Kurorte als «Große Bäder Europas» angenommen.

Der Bürgermeister von Marienbad (Marianske Lazne), Martin Kalina, hofft, dass Touristen nun vermehrt für längere Aufenthalte bleiben werden. Das sogenannte böhmische Bäderdreieck ist bekannt für seine warmen Mineralquellen, denen heilsame Eigenschaften zugeschrieben werden. In Karlsbad findet zudem alljährlich ein bedeutendes Filmfestival statt. Das 30 Kilometer entfernte Marienbad hatte es schon dem deutschen Nationaldichter Johann Wolfgang von Goethe angetan, der dort Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Sommer verbrachte. Franzensbad (Frantiskovy Lazne) bei Cheb (Eger) ist mit knapp 5500 Einwohnern der kleinste und westlichste Ort des Bäderdreiecks.

Ihre Blüte erlebte die Bäderkultur zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Die Heilkraft des Wassers wurde systematisch untersucht und angewandt. Von England bis Rumänien gab es rund 1500 größere und kleinere Kurorte. Bekannte Architekten wurden verpflichtet, Kurhäuser, Kolonnaden, große Hotels, Villen und auch Sakralbauten zu entwerfen. Hinzu kamen Kurgärten, Parks, Theater und Casinos.

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