Die Fehde mit Thüringen
So zurückhaltend war die Parteispitze mit dem BSW in Thüringen nicht immer. Landesparteichefin Katja Wolf lag regelmäßig im Clinch mit Wagenknecht – die wirft der Thüringerin vor, in der vor gut einem Jahr gebildeten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD zu viele Kompromisse einzugehen. Wolf wiederum lässt keinen Zweifel daran, dass das BSW in Erfurt regieren will.
Mit Blick auf Brandenburg beeilte sich Thüringens Fraktionschef Frank Augsten, die Verlässlichkeit des BSW zu betonen. Crumbachs Parteiaustritt habe "keine Auswirkungen auf unsere Regierungsarbeit in Thüringen", sagte Augsten. "Die Landesregierung und die BSW-Fraktion sind handlungsfähig und arbeiten vertrauensvoll zusammen." Im Vergleich zu anderen Landesverbänden wirkt das BSW in Thüringen auch recht stabil, nur eben nicht auf einer Linie mit der Mutterpartei.
Die Enttäuschung der Wähler
Klar ist, dass das BSW auch bei Wählerinnen und Wählern nicht mehr so viel Interesse findet wie am Anfang. Noch vor der Gründung im Januar 2024 bescheinigte das Institut Insa dem Projekt ein Wählerpotenzial von 12 Prozent. In der Europawahl holte das BSW immerhin 6,2 Prozent, in Thüringen wenig später dann sogar 15,8 Prozent. Beide Werte haben sich in Umfragen inzwischen in etwa halbiert. Bundesweit liegt das BSW seit Monaten unter 5 Prozent.
Parteienforscher bescheinigen dem BSW, mit seinem Mix mit linker Sozialpolitik und rechter Migrations- und Gesellschaftspolitik eine Lücke im Parteienspektrum zu füllen. Gerade mit dem Thema Frieden bindet das BSW auch sehr treue Anhänger und hat inzwischen mehr als 10.000 Mitglieder.
Die eigenen Ansprüche bei der Parteigründung wirken aber inzwischen sehr fern. "Unser Land, es braucht unbedingt einen politischen Neubeginn", sagte Wagenknecht beim ersten Parteitag im Januar 2024. Und sie kündigte an: "Wir haben Großes vor für unser Land und für die Menschen, die große Erwartungen in uns setzen. Wir sind es ihnen schuldig, unsere Sache gutzumachen."