Werrabahn Truckenbrodt: Lückenschluss nicht aufgeben

Der Franken-Lobbyist und ÖDP-Kreischef kritisiert die AfD-Abgeordnete und das Verkehrsministerium: Trasse über Bad Rodach bleibt aktuell.

Unendliche Geschichte: Bahnlückenschluss zwischen Südthüringen und Franken. Foto: arifoto UG

Der Franken-Lobbyist Martin Truckenbrodt fordert im Namen der regionalen Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) ein weiteres Festhalten am Lückenschluss der Werrabahn zwischen Südthüringen und Coburg. Anlass ist eine Anfrage der Hildburghäuser AfD-Landtagsabgeordneten Nadine Hoffmann und die Antwort des Thüringer Infrastrukturministeriums. Das Haus von Minister Steffen Schütz ( BSW) hatte darin die schon Ende 2023 erteilte Absage des Freistaats an den Lückenschluss auch für die neue Landesregierung bekräftigt. „Unter den gegebenen Bedingungen“ sei eine Reaktivierung der seit 1945 gekappten Verbindung „weder volks- noch betriebswirtschaftlich tragfähig“, hatte Schütz gegenüber Hoffmann erklärt.

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Truckenbrodt kritisiert bereits die Anfrage der AfD-Abgeordneten als „völlig unsinnig“. Die Begründung des ÖDP-Regionalvorsitzenden: Außer einzelnen Bahnnostalgikern fordere niemand mehr die Reaktivierung der Originalstrecke via Eisfeld durchs Lautertal. Diese würde „etwa zur Hälfte eine Neutrassierung bedeuten“, so Truckenbrodt. Vielmehr gehe es den Befürwortern heute längst um den Neubau einer bis zu 150 Millionen Euro teuren Verbindung zwischen Hildburghausen und Bad Rodach, von wo bereits eine Bahnstrecke nach Coburg existiert.

Nach Wahrnehmung Truckenbrodts hatte Hoffman aber nur nach der Reaktivierung der Originalstrecke durchs Lautertal gefragt. „Die Hildburghäuser AfD-Wahlkreisabgeordnete beweist mit Ihrer Anfrage, dass sie absolut nicht mit Thematik und Materie vertraut ist“, heißt es in der Erklärung der ÖDP Sie sei ausschließlich populistisch motiviert. „Deshalb hätte das Infrastrukturministerium die Anfrage von Hoffmann strikt zurückweisen müssen“, so Truckenbrodt.

Nicht viel besser sieht es nach Ansicht Truckenbrodts beim Infrastrukturministerium aus. Unter der vorigen Ministerin Susanna Karawanskij (Linke), seien viele Bahnprojekte mit unnötigen Luxusvarianten absichtlich teuer gerechnet worden. Unter dem neuen Minister führe man diese Strategie offensichtlich weiter fort. Dabei hätten schon mehrere Studien gerade dem Lückenschluss von Hildburghausen nach Coburg eine sehr hohe Wirtschaftlichkeit bescheinigt.

Was Martin Truckenbrodt nicht berücksichtigt: Auch die alternative Variante nach Coburg über Bad Rodach war bereits von der vorherigen Landesregierung Ende 2023 faktisch verworfen worden. Grundlage war damals ein vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten zu acht möglicherweise lohnenswerten Reaktivierungen stillgelegter Bahnstrecken in Thüringen. Die Gutachter stuften damals den Lückenschluss zwischen Südthüringen und Coburg über einen Neubau bis Bad Rodach als unrentabel ein. Was den möglichen Nutzwert betrifft, gaben sie der Werrabahn den niedrigsten Wert aller acht untersuchten Projekte. Ministerin Karawanskij hatte damals erklärt, sie mache die Experteneinschätzung zur Grundlage ihrer Entscheidungen – was einem Nein zu dem seit Jahrzehnten Lückenschluss gleichkam.

Regional-Express (RE) Eisenach–Coburg?

Damals wie heute unter Nachfolger Steffen Schütz argumentiert das Land: Zwar habe man nach wie vor den „politischen Willen“, es fehle aber die Bereitschaft Bayerns zu dem Projekt, und es sei kein Akteur in Sicht, der dort Zugverkehr betreiben könne.

Dies bezweifelt ÖDP-Mann Truckenbrodt. Sein Argument: Der Lückenschluss ermögliche einen Regional-Express (RE) Eisenach–Coburg, der bis Lichtenfels, Bayreuth oder gar bis Eger in Tschechien durchfahren könnte und ein ähnliches Fahrgastpotenzial wie der RE Erfurt–Coburg–Nürnberg hätte. „Neben einer gut zehn Kilometer langen Neubaustrecke von Hildburghausen nach Bad Rodach ist lediglich eine dauerhafte Lösung der Erdfallproblematik bei Oberrohn und eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke zwischen Bad Rodach und Coburg-Neuses notwendig“, so der ÖDP-Politiker.

Leider aber zeige sich seit Jahrzehnten, dass der Freistaat Thüringen kein Geld für Investitionen ins Schienennetz übrig hat. Dazu solle dieser laut Truckenbrodt einfach stehen und nicht stattdessen Bürgern mit einem unehrlichen Verhalten ein falsches Bild vermitteln.