Damit fasst Revolut zunehmend Fuß in Deutschland, wo sich der Konkurrent gegen N26 und Trade Republic lange schwertat. "Ziel ist es, mittelfristig die Größenordnung der führenden Direktbanken zu erreichen", kündigte Revolut an. Das wäre die ING mit rund zehn Millionen Privatkunden.
Druck auf Neobroker von der EU
Welche Neobank langfristig die Nase vorn haben wird, wird aber auch davon abhängen, wie gut sie mit dem bevorstehenden EU-weiten Verbot des Geschäftsmodells PFOF klarkommen. PFOF steht für "Payment for Order Flow" (etwa: "Bezahlung für den Kundenstrom").
Dabei schickt ein Broker eine Aktienbestellung nicht an eine große öffentliche Börse, sondern an einen speziellen Partner, den Market Maker wie Lang & Schwarz oder die Baader Bank. Dieser bedankt sich mit einer kleinen Provision, die meist nur ein paar Cent pro Handel beträgt. Für Endkunden heißt das, dass der Aktienkurs ein Hauch schlechter ausfallen kann als im traditionellen Handel. Dafür werden kaum Gebühren fällig.
Die EU meint, dass es bei diesem Modell zu einem Interessenkonflikt kommt, weil der Broker eine Order im Zweifelsfall nicht dorthin schickt, wo er den besten Preis bekommt, sondern wo er die höchste Provision kassiert. Das Verbot von PFOF durch die EU tritt nach einer Übergangsfrist ab 1. Juli in Deutschland in Kraft. Broker dürfen dann keine Provisionen mehr von Handelsplätzen für die Weiterleitung von Kundenorders erhalten, was zu höheren Gebühren bei Aktienaufträgen führen könnte. Für Digitalbanken brechen damit neue Zeiten an: Nun sind sie es, die sich auf eine Umwälzung einstellen müssen.