Wickendorf Wickie und die starken Handwerker

Veronika Schadeck

Der Kindergarten wird derzeit saniert und erweitert. Nun feiert man ein Baustellenfest und freut sich schon auf den Umzug.

Als kleine Handwerker verkleidet, machten die „Wickie“-Kindergartenkinder beim Baustellenfest die zahlreichen Besucher mit einem Handwerkerlied darauf aufmerksam, dass ihr Haus derzeit saniert und erweitert wird. Foto: privat

Mit einem selbst verfassten Handwerkerlied haben die Mädchen und Jungen des Kindergartens „Wickie“ am Sonntag beim Baustellenfest Eltern und Besucher erfreut. Sie machten so auch darauf aufmerksam, dass sie im nächsten Jahr in ihr neues Wickie-Kindergartengebäude umziehen werden und sich schon jetzt darauf freuen.

Nach der Werbung weiterlesen

Es ist erst wenige Wochen her, dass die Umzugskisten gepackt und das aufgrund von Baumaßnahmen erforderliche Ausweichquartier, nämlich die Räume im Erdgeschoss der alten Schule, binnen kürzester Zeit entsprechend eingerichtet wurden. Die Abriss- beziehungsweise Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten sind notwendig, um den zunehmenden Anforderungen, aber auch den permanent steigenden Nachfragen von Eltern nach einem Kindergartenplatz gerecht zu werden. Vor allem bei den Kleinstkindern zwischen einem und drei Jahren gebe es einen starken Anstieg, weiß Diana Vetter, die zusammen mit Anna See den Wickie-Kindergarten leitet.

Platz für zwei Gruppen

Insgesamt 1 116 000 Euro werden in die Einrichtung investiert. Davon gibt es 810 000 Euro an Zuwendungen aus FAG-Mitteln sowie 79 000 Euro an Förderungen durch das Kinderbetreuungsfinanzierungsgesetz. Der Eigenanteil der Stadt Teuschnitz beträgt 227 000 Euro. Unter anderem werden Räumlichkeiten dafür geschaffen, dass künftig zwei Gruppen betreut werden können. Auch energetische und nachhaltige Aspekte werden bei den Sanierungsarbeiten berücksichtigt.

„Dass sich das alles so entwickelt, habe ich zwar in meinen kühnsten Träumen gehofft, aber nicht so erwartet“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins Kindergartenverein Wickie Wickendorf, Michael Hebentanz. Er war von Anfang an dabei, als es vor zwölf Jahren um den Fortbestand des Wickendorfer Kindergartens ging. Damals besuchten 13 Jungen und Mädchen die Bildungseinrichtung – zu wenig, um den Kindergarten offen zu halten. Die katholische Kirche hatte sich aus der Trägerschaft zurückgezogen. Auch die Stadt Teuschnitz vertrat die Auffassung, dass der Kindergarten mangels Nachwuchses keine Zukunft habe.

Zeit und Herzblut

Michael Hebentanz und seine Mitstreiter wollten sich jedoch nicht mit der bevorstehenden Schließung abfinden, zumal das Gebäude erst 1996 gebaut und der Nachwuchs dort hervorragend betreut wurde. Deshalb gründeten sie einen Kindergartenträgerverein. Dessen Mitgliedern investierten viel Zeit und Herzblut, damit der Verein eine Betriebserlaubnis von der Kreisverwaltungsbehörde erhielt, berichtete der Vorsitzende. Diese sei damals die Voraussetzung gewesen, um Anspruch auf die gesetzlich garantierten Leistungen von der Kommune und dem Freistaat Bayern zu erhalten.

Mittlerweile besuchen 35 Kinder den Wickie-Kindergarten. Diese, so erklärt Diana Vetter, kommen zwar zum Großteil aus Wickendorf, aber es seien auch Kinder aus den umliegenden Dörfern darunter. Nach wie vor werden auswärtigen Eltern zwei Wickie-Kinderbusse angeboten, die die Kleinen vor der Haustür abholen und zum Kindergarten bringen.

Sehr gute Stimmung

An dem Engagement der Eltern und des rund 200 Mitglieder zählenden Trägervereins habe sich nichts geändert, berichtet Vetter. Die Kommunikation und die Stimmung zwischen Kindergartenleitung, Eltern, Trägerverein, Kommune und Kirche könnte derzeit nicht besser sein.

Für Diana Vetter hat der Kindergarten Wickie einen besonderen Stellenwert. Schon ihre Eltern und auch sie besuchten diese Bildungseinrichtung. Der Kindergarten sei einfach eine feste Instanz in Wickendorf und deshalb habe man sich auch vor zehn Jahren mit Vehemenz gegen eine Schließung gewehrt, sagte sie.

Dass prognostizierte Zahlen manchmal nicht der Realität entsprechen, werde hier deutlich, betonte die Kindergartenleiterin. Damals habe man davon gesprochen, dass in absehbarer Zeit die Zahl der Kinder noch abnehmen werde. Das Gegenteil sei nun eingetreten. Mittlerweile gebe es sogar Wartelisten, sagte Diana Vetter: „Wer hätte das gedacht – mittlerweile melden Mütter ihre Kinder schon während ihrer Schwangerschaft an.“

Entlastung der Kommune

„Kinder sind unsere Zukunft“, stellte Bürgermeister Frank Jakob heraus. Er begründete seine Unterstützung der Einrichtung damit, dass die Betreuung von Kindern eine Pflichtaufgabe von Gemeinden sei. Auch in Teuschnitz werde der Kindergarten derzeit erweitert. Vorher sei aber der Bedarf im Stadtgebiet für die nächsten Jahre ermittelt worden, wobei man sich mit dem Landratsamt abgestimmt habe. Dankbar sei er dem Trägerverein in Wickendorf und der Kirchengemeinde in Teuschnitz, die die Trägerschaft für die beiden Bildungseinrichtungen innehaben. „Dadurch wird die Kommune sehr entlastet“, erklärte Jakob.