Eine ungültige Stimme und eine Wahlenthaltung haben den gleichen Einfluss auf das Wahlergebnis bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg, und zwar einen sehr indirekten. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen beiden Optionen.
Während Portugiesen und Spanier ihre politische Unzufriedenheit durch eine „weiße Stimme“ ausdrücken können, müssen deutsche Wähler kreativ werden.
Eine ungültige Stimme und eine Wahlenthaltung haben den gleichen Einfluss auf das Wahlergebnis bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg, und zwar einen sehr indirekten. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen beiden Optionen.
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Nur in Ausnahmefällen, wie bei der Landtagswahl im Saarland bis einschließlich 2004, zählten ungültige Stimmen marginal bei der Definition der Fünf-Prozent-Hürde mit.
Wer in Baden-Württemberg einen ungültigen Stimmzettel abgibt, zählt bei der Landtagswahl nicht als Nichtwähler. Die Person trägt lediglich zur amtlich erfassten Wahlbeteiligung bei, da sowohl gültige als auch ungültige Stimmen in diese Statistik einfließen. Die ungültige Stimmabgabe kann dabei bewusster Protest oder unbeabsichtigte Überforderung sein.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Stimme ungültig zu machen: Mehrere Parteien ankreuzen, den Stimmzettel durchstreichen oder Kommentare auf den Zettel schreiben. Das kann insofern eine Protestwirkung haben, als die Parteien bei der Auszählung Wahlhelfer stellen und ungültige Zettel sichten dürfen. Auf diese Art erfahren sie also unter Umständen von den möglichen Sorgen der Wählerinnen und Wähler.
Bei der Landtagswahl mit ihrem neuen Zweistimmensystem kann auch nur eine der beiden Stimmen ungültig gemacht werden. Für die Sitzverteilung im Parlament spielen ungültige Stimmen keine Rolle. Nur gültige Stimmen fließen in die Berechnung ein. Auch für die staatliche Parteienfinanzierung sind ungültige Stimmen nicht relevant.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Nichtwähler automatisch extremen Parteien helfen würden. Tatsächlich profitieren rechnerisch alle Parteien proportional von nicht abgegebenen Stimmen. Am meisten schadet man durch Nichtwahl oder ungültige Stimme der Partei, die man sonst gewählt hätte.
Davon wird auch ziemlich rege Gebrauch gemacht, und die „weiße Stimme“ („voto en blanco“) fließt ins Wahlergebnis mit ein. In Deutschland wird eine solche Möglichkeit immer wieder diskutiert. Theoretisch wäre sie ein Weg, um Wähler von radikalen Parteien abzubringen – oder um die Hürden für Kleinparteien weiter zu erhöhen.