Zapf-Creation AG Trauer um herausragenden Unternehmer

Willi Zapf mit der Puppe „Baby born“. Am 30. Juni ist der Rödentaler Unternehmer gestorben. Foto: Archiv Fank Wunderatsch

Willi Zapf hat die Puppenindustrie geprägt. Am 30. Juni ist der Rödentaler im Alter von 83 Jahren gestorben.

Rödental - Präzision, Geradlinigkeit, Unbestechlichkeit, Festigkeit in der Krise und Respekt: So kennzeichnet seine Familie Willi Zapf. Freunde, Wirtschaftslenker und Kommunalpolitiker, die den Unternehmer aus Rödental gekannt haben, werden das bestätigen. Zapf, der am 30. Juni im Alter von 83 Jahren gestorben ist, hat das gleichnamige Unternehmen weltweit bekannt gemacht.

Dafür steht vor allem ein Produkt: die Puppe „Baby born“. In dem Klassiker im Mädchenzimmer verbinden sich unternehmerischer Ehrgeiz, handwerkliches Können, Fantasie und Freude an der Puppenherstellung. Wie „Baby born“ zum erfolgreichsten Produkt der Zapf Creation AG wurde, ist auch die Geschichte von Willi Zapf.

Sie beginnt damit, dass ihn nach seiner Ausbildung als Export- und Importkaufmann in Bremen und Hamburg ein Anruf seiner Mutter erreichte. Der damalige Prokurist des Familienunternehmens im Landkreis Coburg hatte gekündigt. „Wenn du nicht nach Hause kommst, schließen wir“, sagte die Mutter. Willi Zapf hat damals ein Angebot für eine Stelle in Mombasa. Ein Leben in der zweitgrößten Stadt Kenias reizt ihn. Aber noch wichtiger war ihm der elterliche Betrieb. Und so kehrte er 1958 nach Oberfranken zurück und wurde Mitinhaber. Im selben Jahr verlobte er sich mit seiner Brigitte, und ein Jahr später heiratete das Paar. Für beide wurde Puppen-Zapf zum Lebensinhalt.

Und die Branche entwickelte sich. Hatten Puppen einst Köpfe aus Porzellan, bekamen sie später welche aus Pappmaschee und dann aus Hartplastik. War die Spielwarenherstellung in Oberfranken und Südthüringen einst ein Hausgewerbe, bei dem viele Heimarbeiter Einzelteile herstellten, so änderte sich das mit der industriellen Fertigung. Die Firma Zapf ging mit der Zeit. „Wir bauten eine Fabrik, um vor Ort ganze Puppen herzustellen“, erklärte Willi Zapf. Außerdem hatten er und seine Frau eine Geschäftsidee: „Wir wollten schon lange eine komplette Spiel-Welt um eine Puppe herum entwerfen“, sagte Zapf, als er vor ein paar Monaten zu seinem Lebenswerk befragt wurde.

Als er Listen mit neuen Patentanmeldungen studierte, stach ihm der Eintrag eines australischen Geschäftsmanns ins Auge. „Neugeborene Babypuppe“ stand da. Willi Zapf wählte die Telefonnummer – und hatte die Frau des Erfinders am Hörer, die ihm erzählte, dass ihr Mann in Hongkong sei, um das Patent zu verkaufen. Willi Zapf flog noch am selben Tag dorthin.

Der Erfinder präsentierte ihm eine Babypuppe in einer mit Wasser gefüllten Fruchtblase. Kinder könnten damit eine Geburt nachspielen und ihr Puppenkind selbst zur Welt bringen – so sein Gedanke. Willi Zapf signierte den Lizenz-Vertrag, der ihm den Verkauf von 250 000 Puppen im Jahr vorschrieb. Die Rödentaler ließen jedoch die Fruchtblase weg und bauten eine Welt um die Puppe. Mehr noch: Sie sollte weinen, essen und trinken sowie aufs Töpfchen gehen können. Und zwar ohne Batterie in ihrem Inneren. Diese vier Hauptfunktionen zeichnen „Baby born“ heute noch aus. Und überzeugen Eltern, Omas und Opas, Tanten und Onkel sowie Taufpaten, die ihren (Paten-)Kindern und Enkeln damals wie heute „Baby born“-Puppen kaufen.

Im Oktober 1991 kam die erste „Baby born“ auf den Markt. „Am Ende dieses Jahres hatten wir schon 250 000 Stück verkauft“, berichtete Willi Zapf. 1992 waren es schon eine Million Puppen, deren Fertigung mit der Zeit komplett nach China verlegt wurde. Es war auch das Jahr, in dem die Zapfs ihre Firma an Triumph-Adler verkauften. Aus dem Rödentaler Familienunternehmen Zapf wurde die Zapf Creation AG. Fünf Jahre arbeitete Willi Zapf mit seiner Frau Brigitte noch im Unternehmen mit: er im kaufmännischen, sie im kreativen Bereich.

Willi Zapf war ein herausragender Unternehmer, der die Puppenindustrie in Rödental, der eine Ausstellung im Pupenmuseum in Coburg gewidmet ist, mit groß und bekannt gemacht hat. Der beste Weg ihn zu ehren sei, seine Werte weiter zu leben und in die nächste Generation zu tragen, schreibt seine Familie in ihrer Traueranzeige. Willi Zapfs Wunsch war es, anderen zu helfen. Deshalb bat er darum, die Stiftung Krebskranke Kinder Coburg mit Spenden zu unterstützen. gp/wb

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