Jörg Bilke spricht in der Coburger Landesbibliothek über die Literatur im SED-Staat.
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Die Bildung zweier deutscher Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen im Nachkriegseuropa führte auch zu andersgearteten Literaturen auf beiden Seiten. Der durch zahlreiche Publikationen ausgewiesene Fachmann Jörg Bilke geht in seinem Vortrag der Frage nach, wie sich die DDR-Schriftsteller im Spannungsfeld zwischen staatlichen Vorgaben und Selbstbehauptung positionierten. Mit dem Literaturprogramm „Bitterfelder Weg“ von 1959 sollte zwar eine eigenständige DDR-Literatur geschaffen werden, jedoch entzogen sich die Schriftsteller weitgehend diesem Ansinnen und suchten ihren eigenen Weg. So entstanden viele Werke, die auch in der Bundesrepublik gelesen wurden, etwa von Arnold Zweig und Anna Seghers, Heiner Müller, Johannes Bobrowski, Günter Kunert, Reiner Kunze, Sarah Kirsch und natürlich von Christa Wolf und Stefan Heym. Was zeichnete diese DDR-Literatur aus? Und wie aktuell ist das Thema DDR-Aufarbeitung auch für den gesamtdeutschen Staat? Auf diese Fragen versucht der Vortrag Antworten zu geben. Dr. Jörg Bilke ist mit dem Thema persönlich sehr eng verbunden. 1937 in Berlin geboren, wuchs er in Bad Rodach und Coburg auf. Er studierte Klassische Philologie, Germanistik, Geschichte und Komparatistik in Berlin und Mainz. Seit 1960 veröffentlichte er eine Reihe von DDR-kritischen Artikeln in einer Studentenzeitung. Bei einem seiner zahlreichen Besuche der DDR wurde er 1961 in Leipzig verhaftet und wegen „staatsgefährdender Hetze“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner durch die BRD erkauften Freilassung widmete er sich weiter der Erforschung der DDR-Literatur.