Zu viel Platz, zu wenig Kinder „Freud und Leid“ mit Blick auf die Kita Budenzauber

Pia Bayer
Mitte Juli wurden der Um- und Anbau der Kita Budenzauber für insgesamt 99 Kinder fertiggestellt. Derzeit werden davon nur 76 benötigt. Weniger Fördermittel sowie höhere Nebenkosten bringen den Diakonieverein Rentweinsdorf-Ebern deshalb nun in finanzielle Bedrängnis. Foto: NP-Archiv/Günther Geiling

Im Juli konnte der Um- und Anbau der Kindertagesstätte Budenzauber nach Jahren des Planens und Bauens endlich eingeweiht werden. Die Freude war groß. Jetzt stellt sich heraus: Das neue Haus ist überdimensioniert. Der Diakonieverein Rentweinsdorf-Ebern steht nun, allerdings nicht nur deshalb, vor erheblichen Herausforderungen.

„Im nächsten Jahr werden Probleme auf uns zukommen“, erklärte Pfarrer Bernd Grosser als Vorsitzender des Diakonievereins Rentweinsdorf-Ebern am Mittwochabend im Gemeindehaus Rentweinsdorf den Mitgliedern während der Hauptversammlung ohne Umschweife. Zwar sei die Freude über die Einweihung des Um- und Anbaus an der Kindertagesstätte Budenzauber in Rentweinsdorf, dessen Träger der Diakonieverein ist, im Juli groß gewesen, doch bereits jetzt zeigt sich: „Der Bau ist überdimensioniert.“

Dies bestätigten auch Geschäftsführerin Diakonin Katrin Schiller, Kita-Leiterin Katja Streng und Kassierer Helmut Vogel in ihren Ausführungen und erläuterten die Hintergründe. Demnach werden weniger Anmeldungen, damit verbunden geringere Fördermittel durch den Freistaat sowie höhere Nebenkosten im neuen Gebäude zum Problem. 99 Kinder könnten in der Kita nun eigentlich betreut werden. Derzeit werden aber nur 76 Plätze genutzt. Zwar soll die Zahl der betreuten Kinder bis Jahresende wieder auf 84 steigen, doch bis es so weit ist, fallen die Fördermittel des Freistaates Bayern und der Kommune deutlich geringer aus.

Besonders problematisch seien in diesem Zusammenhang auch etliche kurzfristig zurückgezogene Anmeldungen gewesen. „Da waren die Verträge mit dem Personal schon gemacht“, so Katrin Schiller. Das Personal sei deshalb nun um freiwillige Stundenreduzierungen gebeten worden. Denn die Personalkosten sind der bei Weitem größte Posten auf der Ausgabenseite im Haushalt der Kindertagesstätte. Die geringeren Fördermittel bilden zugleich die größten Einnahmen, gefolgt von Elternbeiträgen. Letztere wurden nun um jeweils 20 bis 25 Euro pro Buchungskategorie und Kind angehoben und damit dem Niveau in der gesamten Verwaltungsgemeinschaft Ebern angeglichen.

Der Jahresbericht 2021 und der Haushalt für das laufende Jahr, die Kassierer Helmut Vogel den Mitgliedern an diesem Abend zur Abstimmung vorlegte und am 25. April mit dem Kirchengemeindeamt Bamberg erarbeitet hatte, spiegelten diese Probleme bereits eindrücklich in Zahlen wieder.

Der Haushalt 2022 weist ein Gesamtvolumen von 627 708 Euro aus und wurde einstimmig beschlossen, wenngleich bereits jetzt allen Beteiligten klar ist, dass am Ende doch ein Minus unter der Rechnung stehen könnte. Notfalls müsst auf ein Rücklagenkonto zurückgegriffen werden. Im Gegensatz dazu hatte die Jahresrechnung für 2021 noch ein Plus von 145 625,21 Euro ergeben. Der aktuelle Kontostand dort beläuft sich dagegen laut Vogel schon jetzt nur noch auf 65 259, 35 Euro. Pfarrer Bernd Grosser resümierte entsprechend: „Das wird ein spannendes Jahr.“ Gemeinsam mit der Marktgemeinde Rentweinsdorf soll im Herbst auch über Möglichkeiten zu einer Zwischennutzung beraten werden.

Neben der Kita trägt der Diakonieverein zudem eine Sozialstation. Die Jahresrechnung 2021 und der Haushalt 2022 für diese, die Kassiererin Stefanie Stark vorgestellt hatte, wurden ebenfalls einstimmig beschlossen. Für beide Einrichtungen leistet der Diakonieverein auch die Abgaben ans Diakonische Werk und unterstützt damit aktiv die Diakonie in Bayern. Beide Kassierer wurden einstimmig entlastet, ebenso wie alle weiteren Ausschussmitglieder.

Neben den Herausforderungen hinsichtlich der Kindertagesstätte hat der Diakonieverein mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Erschwerend weiter hinzukommt, dass Bernd Grosser, Pfarrer der Kirchengemeinde Ebern und derzeit alleiniger Vorsitzender des Vereins, in nicht einmal mehr zwei Wochen, genauer am 25. September, in den Ruhestand verabschiedet wird.

Pfarrer Grosser hatte den alleinigen Vorsitz nach dem plötzlichen Tod des Rentweinsdorfer Pfarrers Gerhard Barfuß im Dezember 2021 übernommen. Laut Satzung des Diakonievereins ist eigentlich der Pfarrer der Kirchengemeinde Rentweinsdorf zugleich 1. Vorsitzender, die Kirchengemeinde Ebern stellt den 2. Vorsitzenden. Mit der Verabschiedung von Pfarrer Grosser werden nun jedoch beide Pfarrstellen vakant: In Rentweinsdorf ist auch weiterhin kein neuer Pfarrer in Sicht und in Ebern ist laut Grosser erst im nächsten Sommer mit der Wiederbesetzung zu rechnen, wenngleich sich „schon einige Interessenten telefonisch erkundigt“ hätten. Die Vertretung in der Pfarramtsführung in Rentweinsdorf hat Pfarrerin Sonja von Aschen inne. Sie wird nun auch den Vorsitz des Diakonievereins Rentweinsdorf-Ebern kommissarisch übernehmen.

 

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