Zukunft der Gebäudetechnik Per Wärmepumpe zu den Klimazielen

Symbolbild: Klimawandel Foto: dpa

Neue Technologien, die heute bei Sanierung und Neubau zum Einsatz kommen, legen den Grundstein für ein klimaneutrales Europa. Die Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Energie (ISH) widmet sich dem European Green Deal.
 

Frankfurt/Hof/Kasendorf/Kulmbach - Wärmepumpen, Hybrid-Geräte und Wasserstoff-Lösungen: Die Zukunft in der Gebäudetechnik ist grün. Anteil an dieser Entwicklung hat auch der von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen initiierte European Green Deal, der den Kontinent bis zum Jahr 2050 klimaneutral machen will.


„Was Wärmepumpen und alternative Energien angeht, stehen in Europa alle Lichter auf Grün“, sagt Sjacco van de Sande, Geschäftsführer der in Kasendorf im Landkreis Kulmbach ansässigen AIT-Deutschland, im Gespräch mit unserer Zeitung. Anlass des Gesprächs war der Auftakt der Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Klima (ISH) an diesem Montag. Im zweijährigen Turnus trifft sich die Branche dort zum Austausch und zur Vorstellung der Neuheiten – in diesem Jahr statt in Frankfurt am Main im Internet.


„Der Energieverbrauch in Deutschland ist mit mehr als 50 Prozent maßgeblich durch den Wärme- und Kältesektor geprägt“, sagt Maximilian Viessmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Weltkonzerns mit Wurzeln im oberfränkischen Hof. Dort ist weiterhin die Klimatechnik-Sparte des Unternehmens ansässig. Der European Green Deal biete auch hier Chancen, sagte Viessmann  auf einer Pressekonferenz auf Nachfrage unserer Zeitung. „Klimalösungen für alle Lebensräume beinhalten auch die Kältetechnik.“ Diese  ist vor allem in Supermärkten gefragt. „Luft, Wärme, Kälte: Was früher separat war, ist zusammengewachsen“, ergänzte er. Nach „schwierigen Anfangsjahren“ nach der Übernahme des Werkes in Hof Anfang der 2010er-Jahre  habe Viessmann hier in Oberfranken viel investiert und plane dies auch weiterhin. „Hier wollen wir Herkunft und Zukunft verbinden“, sagte er. Den weitaus größten Teil des Marktes nimmt jedoch die Wärmetechnik ein. 


„60 Prozent der europaweit 125 Millionen Heizungsanlagen entsprechen nicht der aktuellen Technik“, sagte Uwe Glock, Präsident des Bundesverbands der deutschen Heizungsindustrie zum Auftakt der Messe. Um die Klimaziele von Bundesregierung und EU zu erreichen, wird nach den Worten von AIT-Chef van de Sande alles auf Wärmepumpen und alternative Energien hinauslaufen. Im Unternehmen will van de Sande in Zukunft auch Systeme entwickeln, die Wärmepumpen mit Photovoltaikanlagen und Stromspeichern kombinieren.


Für Heiko Folgmann, Leiter des Bereichs Heizen und Lüften beim Kulmbacher Unternehmen Glen Dimplex, liegt eine der Herausforderungen der Branche darin, die Wärmepumpe im Bestand zu etablieren. Im Neubau werde die Technik bereits zu mehr als 50 Prozent eingesetzt. Für ihn steht fest: „Das elektrische Haus hat Zukunft.“ 

Oberfränkische Unternehmen in Zahlen

Mehrere große Unternehmen aus Oberfranken oder mit Werken in der Region sind auf der ISH in Frankfurt vertreten. Sie sind bislang gut durch die Pandemie gekommen, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilen:

Viessmann: Seine Wurzeln hat Viessmann in Hof. Dort ist auch heute noch die Kältetechnik-Sparte angesiedelt. Längst ist das Unternehmen aber ein Weltkonzern. Die Umsätze lagen 2020 bei 2,8 Milliarden Euro, was einem Wachstum in Höhe von sechs Prozent entspricht. Auch die weltweite Mitarbeiterzahl stieg um mehr als drei Prozent auf 12  750. Die Investitionen beliefen sich 2020 auf 120 Millionen Euro und sollen 2021 weiter steigen.   
 
AIT-Deutschland: Die AIT-Deutschland GmbH hat in der Gruppe zuletzt 300 Millionen Euro Umsatz gemacht und ist im zweistelligen Bereich gewachsen, wie Sjacco van de Sande im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Mittelfristig erwartet das Unternehmen  weiterhin deutliche Umsatzsteigerungen, vor allem   mit Produkten, die Heizen und Kühlen  mit Lüftung kombinieren.  Am Firmensitz in Kasendorf  beschäftigt das Unternehmen etwa 530 Mitarbeiter, gruppenweit sind es etwa 900. 

Glen Dimplex: Der Wärme- und Kältespezialist Glen Dimplex, der in seinem Werk in Kulmbach etwa 700 Mitarbeiter (weltweit: etwa 4000) beschäftigt, plant für dieses Geschäftsjahr einen Umsatz an seinem oberfränkischen Standort in Höhe von 180 Millionen Euro (weltweit etwa zwei Milliarden Euro), wie das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 160 Millionen Euro.      

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