Zukunft der Reisebüros Auch in Neustadt organisiert man sich neu

Peter Tischer
Dieter und Brigitte Wachtel hoffen auf freie Fahrt für Busreisen ab März, wenn die Frühjahrstouren starten. Foto: Peter Tischer

Die Tourismusbranche ächzt unter der anhaltenden Pandemie und den Auflagen, auch in Neustadt. Das Reisen und die Beratung verändern sich.

Neustadt - Ungefähr 10 000 Reisebüros gibt es in Deutschland. Eine Branche, die besonders unter den Folgen der Pandemie zu kämpfen hat. So brachen die Umsätze der Reisebüros von 24,6 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2020 ein. Doch die Branche organisiert sich neu und kämpft, auch in Neustadt.

„Das Reisebüro hat sich während der Krise als verlässlicher Ansprechpartner bewährt“, meint das Ehepaar Jacqueline und Hans Christian Foerster, die in der Coburger Straße seit 15 Jahren mit ihrer Reiseboutique das klassische Reisebüro betreiben. Das haben sie mittlerweile geschlossen. „Für immer an diesem Ort“, wie sie sagen, denn „man braucht nicht unbedingt ein physisches Büro, um Vertrauen zu vermitteln“, sagt Jacqueline Foerster „das Beratungsgespräch hat sich völlig verändert.“ Es gehe nicht mehr nur um Flüge und Hotels, sondern auch darum, wohin man gerade überhaupt reisen kann, unter welchen Bedingungen sich eine Reise stornieren lässt und welche Versicherungen während einer Pandemie sinnvoll sind. So betreuen sie, vor allen Dingen ihre Stammkunden, kompetent wie eh und je, online und übers Telefon. „Selbst wenn wir digital kommunizieren, sind wir greifbar, als Ratgeber und als Nummer für den Notfall“, sagt die Reisefachfrau, die nach Anmeldung aber auch noch persönlich „stand-by“ bereitsteht.

Die Foersters sehen gerade im Reisen derzeit wieder eine Renaissance, denn „die Sehnsucht nach Urlaub, nach fernen Stränden; Meer, Sonne und Sand ist ungebrochen.“ Aber an eine Konsolidierung glauben die Foersters für dieses Jahr noch nicht. „Frühestens 2023 ist mit einer Normalisierung zu rechnen“, sagen sie.

Eine andere Art eines Reisebüros betreiben Brigitte und Günther Wachtel. Ihr Busunternehmen Thoenissen, eines von 4000 mittelständischen deutschlandweit, ist für viele seit Jahrzehnten ein Begriff in der Bus-Touristik, denn Busreisen galten lange Zeit als en vogue. „Wir sind am Kämpfen“, gibt Brigitte Wachtel unumwunden zu, „wobei uns die ständig wechselnden Auflagen am meisten zu schaffen machen.“ Sie hofft aber, dass zu Frühjahrsbeginn Mitte/Ende März ihre Busse wieder rollen können. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und einen tollen Reisekatalog zusammengestellt“, blickt Wachtel optimistisch nach vorne. „Hoffentlich brechen uns dann nicht wieder die Weihnachtsmärkte weg.“

Beide Reisebüros sehen aber dennoch keine leichten Zeiten auf sich zukommen, zumal sie das Hin und Her sowie die unterschiedlichsten Bestimmungen anprangern: „Unsere Klientel ist sehr verhalten und bucht kurzfristig.“ Doch genau hier liegt auch ein Problem: „Die meisten Kunden müssen ja planen. Wenn man Kinder hat, auf seinen Beruf Rücksicht nehmen muss oder ganz einfach zu einer bestimmten Zeit in Urlaub gehen will, dann braucht es einen Vorlauf“, weiß Foerster. Zumal es einen erheblichen Mehraufwand gibt, um manchmal auch den Frust der Kunden abzufedern. „Wir sind nun einmal an der Basis und bekommen den ganzen Ärger und den Verdruss, den die Pandemie bei den Kunden mit sich bringt, beispielsweise bei Stornierungen, Umbuchungen oder Mängeln ab.“ Aber, so die Fachleute, „wir glauben, dass sich viele Menschen nach der Beratung beim Reisen sehnen, auch die Jüngeren.“ Nur an einen bestimmten Ort oder an Öffnungszeiten müssen diese Dienstleistungen heute nicht mehr gebunden sein.

 

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