Zwei Krawietz-Niederlagen „Ein Sch...tag“ in Melbourne

Das Aus in Melbourne: Kevin Krawietz (links) und Yannick Hanfmann mussten nach der zweiten Runde die Segel streichen. Foto: Imago/Juergen Hasenkopf

Das deutsche Tennis-Doppel Krawietz/Hanfmann verpasst bei den Australian Open das Achtelfinale. Sie unterliegen den Franzosen Herbert/Mahut 5:7, 3:6.

Melbourne/Witzmannsberg - Er hatte sich viel vorgenommen für den ersten Grand-Slam des Jahres. Trotz des kurzfristigen Ausfalls seines angestammten Doppel-Partners war Kevin Krawietz aus Witzmannsberg bei Coburg guter Dinge, auch mit dem kurzfristig eingesprungenen Yannick Hanfmann in Melbourne weit zu kommen. Umso größer war die Enttäuschung beim 29-jährigen Wahl-Münchener am Freitag, als er nach gleich zwei bitteren Niederlagen – im Doppel mit 5:7, 3:6 gegen die Franzosen Herbert/Mahut und dann noch im Mixed mit Laura Siegemund mit 4:6, 6:7 (3:7) gegen das japanische Duo McLachlan/Shibahara – eine ernüchternde Bilanz ziehen musste.

„Es nervt unheimlich“

„Es ist sehr ärgerlich und nervt unheimlich. Auch Yannick bildet mit mir ein gutes Team. Er serviert gut, macht seine Sache vorne am Netz gut, und ich habe uns da auch echt Chancen ausgerechnet, dass wir weit kommen. Allerdings war die Auslosung für uns nicht perfekt. Herbert und Mahut sind eine der unangenehmsten Paarungen, die man erwischen kann. Sie haben nicht umsonst bereits alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen“, analysierte der French-Open-Sieger im Telefonat mit unserer Zeitung.

Chancen nicht genutzt

Mit der Niederlage gegen die Franzosen Pierre-Hugues Herbert – mit ihm zusammen hat Krawietz 2009 das Junioren-Doppel in Wimbledon gewonnen – und Nicolas Mahut haben die beiden gleichaltrigen Deutschen bei den Australian Open den Achtelfinal-Einzug verpasst. Nach ihrem souveränen Auftaktsieg gegen das indisch-slowakische Duo Divij Sharan/Igor Zelenay mit 6:1, 6:4 hatten sie zwar auch gegen ihre französischen Gegner Chancen auf den Sieg, doch in den entscheidenden Momenten gab deren größere Routine den Ausschlag. „Wir haben in jedem Satz jeweils ein Break bekommen, bei dem wir uns nicht allzu viel vorwerfen können, da haben sie einfach gut retourniert. Andererseits haben wir unsere Mini-Chancen, die wie hier und da bekommen haben, nicht genutzt in Situationen, wo wir bei deren Aufschlagspielen mehr Druck hätten aufbauen können“, trauert Krawietz den vergebenen Möglichkeiten nach. „Wir haben ein gutes Niveau gespielt und hätten weit kommen können. Aber man muss fairer Weise sagen, die haben heute sehr, sehr gut gespielt.“

Niederlage auch mit Siegemund

Auch im Mixed musste der French-Open-Sieger von 2019 und 2020 eine Niederlage einstecken. Er und Laura Siegemund unterlagen dem japanischen Gespann Ben McLachlan/Ena Shibahara mit 4:6, 6:7 (3:7). „Dass ich auch mit Laura verloren habe, ärgert mich sehr. Ich muss ganz ehrlich sagen, es war ein Sch…tag heute. Noch dazu ist ab sofort wieder ein kompletter Lockdown hier angeordnet und ab morgen wieder alles zu. Man kann sich nur auf der Anlage und im Hotel aufhalten und alles läuft wieder ganz ohne Zuschauer ab. Ich fliege irgendwann in den nächsten ein, zwei Tagen nach Hause und dann muss es einfach weitergehen“, klang Krawietz am Freitag reichlich gefrustet.

Zukunftsfragen

Mit Blick auf die in diesem Jahr gesteckten Ziele dürfte sich nun auch bei einem optimistischen Menschen wie ihm einige Skepsis breitmachen. Im Doppel muss er längere Zeit auf seinen kongenialen Partner Andreas Mies verzichten, mit dem er 2019 und 2020 in Paris triumphiert hat. Dieser wurde inzwischen in Deutschland am Knie operiert. „Er ist erst einmal sechs Monate raus“, prognostiziert Krawietz. Und damit dürfte er auch für die Olympischen Spiele in Tokio ausfallen, wo sich der Witzmannsberger seinen großen Traum erfüllen will. „Eine Medaille dort wäre für mich noch mehr wert als der Sieg bei einem Grand Slam“, hat er in einem früheren Interview mit der Neuen Presse in Coburg betont. Daneben hatte das Duo auch bei den vier Grand Slams weit kommen in der Weltrangliste mittelfristig as beste Doppel werden wollen.

„Olympia wird eng. Das ist extrem bitter“, sagte Krawietz am Freitag. Nun rückt die Frage in den Vordergrund, wer Andreas Mies in den nächsten Monaten an seiner Seite ersetzen wird. Zwar hat Hanfmann, der in Melbourne kurzfristig für den Kölner eingesprungen ist, mit Krawietz bereits 2018 zwei Challenger-Turniere in Mexiko und Panama gewonnen und die beiden haben auch in Australien gut harmoniert. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass der Oberfranke auch den Rest der Saison mit ihm auf der Welt-Tour bestreiten wird. Weitere Auftritte mit Hanfmann bei hochklassigen Turnieren sind wegen der schlechten Doppel-Platzierung in der Weltrangliste des Karlsruhers nur schwer möglich.

Struff als Option

Mit wem Kevin Krawietz in den kommenden Monaten antreten wird, steht noch nicht fest. „Wahrscheinlich werde ich einige Turniere mit Struffi spielen“, bringt er seinen Davis-Cup-Kollegen Jan-Lennard Struff als erste Option ins Spiel. Mit ihm hat er kurz vor den Australian Open beim ATP Cup in Melbourne erste gemeinsame Gehversuche unternommen. Bei einer knappen 6:7 (4:7), 7:6 (8:6), 3:10-Niederlage und einem 6:3, 7:6 (7:2)-Erfolg gegen die Russen Jewgeni Donskoi/Aslan Karazew haben die beiden zumindest schon einmal angedeutet, dass auch sie ein hoffnungsvolles Gespann bilden können.

 

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