Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Was ist dran an diesen Mythen rund ums Essen?

Ist dunkles Brot gesünder als helles? Und darf man Spinat wirklich nicht aufwärmen? Manche Ernährungsmythen halten sich über Generationen, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Welche Regeln sind längst überholt - und welche haben doch ihre Berechtigung?



Ein Brötchen
Nur Vollkorn ist gesund - aber nicht jedes dunkle Brötchen mit Körnern enthält auch tatsächlich Vollkorn.   Foto: Klaus-Dietmar Gabbert » zu den Bildern

Essen am Abend macht dick, Tomatenstrunk ist giftig, und nur dunkles Brot ist gesund. Mythen rund ums Essen gibt es viele - stimmen müssen sie deswegen aber noch lange nicht.

«Grund für Ernährungsmythen sind oft Unsicherheiten, zum Beispiel bei der Frage, ob man Käserinde mitessen darf», meint Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Manche Legenden haben aber auch einen wahren Kern. Ein Überblick:

Dunkles Brot ist gesünder als helles Brot?

Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). «Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte.» Aber: Nicht jedes dunkle oder körnige Brot oder Brötchen ist auch ein Vollkornprodukt. «Brötchen kann man auch mit Malzextrakt dunkel und mit Sonnenblumenkernen körnig machen», sagt Silke Restemeyer.

Spinat darf man nicht noch einmal aufwärmen?

Das stimmt so nicht. Denn diese Ernährungsregel ist sehr alt. «Sie stammt noch aus Zeiten, in denen es keinen Kühlschrank gab», sagt Monika Bischoff, Vorstandsmitglied im Berufsverband Oecotrophologie. Das Problem sei nicht das zweite Aufwärmen, sondern das langsame Abkühlen: Kühlt gekochter Spinat nur langsam ab, wandeln Bakterien im mittleren Temperaturbereich ungefährliches Nitrat in schädliches Nitrit um.

Tomatenstrunk ist giftig?

Die grünen Stellen an der Tomate enthalten Solanin. «Dieses Gift dient der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen», erklärt Seitz. Bei Menschen können Vergiftungserscheinungen wie Kopf- und Bauchschmerzen auftreten, wenn sie sehr viel Solanin aufnehmen. Dafür müsste ein Erwachsener aber eine sehr große Menge unreifer Tomaten oder Strünke essen.

Kaffee entzieht dem Körper Wasser?

«Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht», sagt Restemeyer. Denn Kaffee werde wie alle anderen Getränke in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen. Insgesamt sollte ein körperlich wenig aktiver Erwachsener bei mitteleuropäischen Temperaturen pro Tag etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

In der Schale von Obst und Gemüse sind die meisten Vitamine?

Das stimmt. Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen bei Obst und Gemüse direkt in oder unter der Schale, erklärt Restemeyer. «Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse mit Schale zu genießen.» Der Vorteil überwiege die gesundheitlichen Gefährdung durch mögliche Pestizide in der Schale.

Superfood macht fit und beugt Krankheiten vor?

Stimmt nur teilweise. «Sogenanntes Superfood sind Lebensmittel mit besonders vielen Nährstoffen», erklärt Monika Bischoff. Eine offizielle Definition des Begriffs gebe es aber nicht. Ob ein Lebensmittel wirklich fit macht und Krankheiten vorbeugen kann, hänge vom jeweiligen Produkt ab. «Heimisches Superfood wie zum Beispiel Kohl ist gesund und macht fit», sagt sie. Von exotischen Lebensmitteln wie Chiasamen oder Acaipulver rät sie dagegen ab.

Gefrorenes Essen verdirbt nicht?

Stimmt so nicht. «Einfrieren ist eine empfehlenswerte Methode, um Lebensmittel mittel- bis langfristig aufzubewahren», sagt Silke Restemeyer. Durch das Lagern bei Temperaturen von minus 18 Grad blieben Nährstoffe, Geschmack und das Aussehen weitestgehend erhalten. Mit der Zeit fänden aber trotzdem Abbauprozesse statt. Sie sorgen dafür, dass die Lebensmittel irgendwann nicht mehr gut schmecken. Silke Restemeyer rät: «Wer die Verpackung direkt mit Einfrierdatum, Menge und Inhalt beschriftet, behält einen besseren Überblick über seinen Vorrat.»

Käserinde darf man nicht mitessen?

Kommt drauf an. Entscheidend ist, wie die Rinde entstanden ist. «Natürlich gereifte sowie unbehandelte Käserinden sind essbar und geben wie etwa bei Edelschimmelkäse ein besonderes Aroma», erklärt Seitz. Künstliche Käserinden aus Wachs oder Kunststoff seien dagegen nicht zum Verzehr geeignet. «In diesem Fall muss sich ein Hinweis auf der Verpackung stehen.»

Abends essen macht dick?

«Wer zu viele Kalorien zu sich nimmt, nimmt zu. Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, nimmt ab», sagt Monika Bischoff. Für Gesunde in einer normalen Gewichtsgruppe sei es irrelevant, wann sie das Essen einnehmen. «Wer abnehmen möchte, kann aber trotzdem ausprobieren, abends auf das Essen zu verzichten», sagt die Ökotrophologin. Vielen Menschen falle es leichter, am Abend auf eine Mahlzeit zu verzichten als zum Beispiel auf das Frühstück.

Ein Schnaps nach dem Essen hilft der Verdauung?

Das stimmt nicht, sagt Restemeyer. Alkohol rege zwar die Magensäureproduktion an, könne möglicherweise ein Enzym zur Eiweißverdauung im Magen stimulieren und habe eine betäubende Wirkung auf die Magennerven. «Er hilft aber nicht bei der Fettverdauung.» Vielmehr spalte der Verdauungstrakt vor dem Fett erst einmal den Alkohol auf, weil er auf diese Weise einfacher Energie gewinnt. «Durchsetzt mit Schnaps wird fettreiche Kost also eher langsamer verdaut.»

Veröffentlicht am:
28. 01. 2019
09:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brot Essen Gemüse Giftstoffe Lebensmittel Mythen Nährstoffe Spinat Vitamine
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Margret Morlo

27.11.2019

So bleiben Vitamine und Nährstoffe erhalten

Gemüse und Obst sind gesund, logo. Das liegt vor allem an den Vitaminen und anderen Nährstoffen, die darin stecken. Doch wie bereitet man Essen so zu, dass das Gute auch darin bleibt? » mehr

Monika Bischoff

24.07.2019

Obst und Gemüse: Frisch, tiefgekühlt oder aus der Dose?

Was ist gesünder - die Tiefkühl-Himbeeren aus Deutschland oder die frischen aus Peru? Hat Dosengemüse überhaupt noch Vitamine? Und sollte man mehr Bioware essen? Eine Entscheidungshilfe für den Einkauf. » mehr

Harald Seitz

01.10.2019

Wie gesund ist Rohkost wirklich?

Egal ob Karotte, Apfel oder Zucchini: Obst und Gemüse sind gesund. Und das gilt besonders dann, wenn sie roh gegessen werden. Je mehr, desto besser also. Oder etwa nicht? » mehr

Spiegeleier

16.04.2019

Eier sind besser als ihr Ruf

Eiern haftet der Makel der Cholesterinbombe an. Dabei sind sie gesünder als viele denken, auch und gerade für Ältere. Gegen ein paar Eier mehr zu Ostern spricht daher in der Regel nichts, sagen Experten. Nur frisch sollt... » mehr

Spinat und Grillkäse

31.07.2019

Was ins Omelett passt

Von wegen Omelett mit Zwiebeln, Petersilie und Speck! Die kleine Eierspeise hat großes Potenzial: Frische und edle Zutaten verwandeln den goldgelben Pfannen-Klassiker in eine köstliche Mahlzeit. » mehr

Ina Bockholt

15.02.2017

Tiefkühl-Produkte meist besser als ihr Ruf

Tiefkühlkost ? egal ob Fertigprodukt oder Selbstgekochtes ? hat viele Vorteile. Und sie ist nicht unbedingt schlechter als frische Lebensmittel. Beim Kaufen, Einfrieren und Auftauen gibt es aber einiges zu beachten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 01. 2019
09:39 Uhr



^