Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Das italienische Weihnachtsbackwerk Panettone boomt

Zu Weihnachten stapelt er sich auch in vielen deutschen Supermärkten und Feinkostläden: Der italienische Festtagskuchen Panettone ist auf internationalem Siegeszug. In seiner Heimat hat man aber durchaus etwas gegen den Boom einzuwenden.



"Salumeria da Nino"
Die mailändische Kuchenspezialität «Panettone» wird im Feinkostgeschäft «Salumeria da Nino» angeboten.   Foto: Britta Pedersen/zb/dpa » zu den Bildern

Plätzchen, Christstollen, Lebkuchen und Spekulatius. Wer in der Adventszeit durch Supermärkte läuft, mag durchaus daran zweifeln, dass der Kunde noch nach weiterem süßen Weihnachtsgebäck verlangt.

Doch immer häufiger stolpert der Verbraucher nun auch an großen Kisten mit runden Kuchen vorbei: Panettone. Das fluffige italienische Weihnachtsbackwerk aus Sauerteig und Rosinen ist international auf Siegeszug.

Doch mit einem richtigen Panettone hat es manchmal wenig zu tun, was in deutschen Supermarktregalen steht. Dieser Meinung sind zumindest viele in seiner Heimat Italien, wo man den Panettone gerne so liebevoll umsorgt wie ein Kind. «Man muss unterscheiden zwischen industriell hergestelltem Panettone und handgemachtem», sagt Amerigo Martucciello, Präsident des italienischen Panettone-Konsortiums.

Die Zutaten

Das Herzstück eines jeden guten Panettone sei die Mutterhefe, ein gehätschelter Sauerteigansatz, der dem Kuchen seine Lockerheit gibt. Weitere Zutaten sind Zucker, frische Eier, Milch, viel Butter, Rosinen, Orangeat, Zitronat, Salz und Wasser - basta. Emulgatoren, Konservierungsstoffe und Bierhefe hätten in einem wahren Panettone nichts zu suchen, meint Martucciello. Der Verbraucher könne den Unterschied natürlich am Preis, aber auch am Haltbarkeitsdatum feststellen. Panettone aus der Fabrik hält länger als 60 Tage, manchmal gar sechs Monate - ein von Hand hergestellter wesentlich kürzer.

Handwerksbäckereien könnten den weltweiten Hunger nach «abertausenden» Panettone nicht stillen, sagt Martucciello. «Es gibt wirklich einen Boom, nicht nur in Deutschland. In Großbritannien wurde letztes Jahr mehr Panettone als traditioneller Christmas Pudding verkauft.» Eine Statistik, wie viele der Kalorienbomben nach Deutschland exportiert werden, gibt es zwar nicht. Aber in Italien vermelden Hersteller große Zuwächse: Von Spanien bis in die USA und nach Asien.

Panettone-Museum

Dario Loison hat in dem Ort Costabissara bei Vicenza sogar ein kleines Panettone-Museum gegründet. Er liefert an Feinkostläden in Deutschland wie zum Beispiel Käfer in München oder an Kaufhof. «Das Geschäft wächst, nicht nur in Deutschland», erzählt er. Weil Discounter Billig-Panettone schon für drei Euro das Kilo anbieten, sei das Kuchenwerk nun noch viel bekannter geworden. «Aber für drei Euro kaufe ich noch nicht mal die Grundzutaten.» So kann ein besonders feiner Panettone aus seiner Backstube bis zu 30 Euro kosten.

Italien verfällt schon Wochen vor Weihnachten in einen regelrechten Panettone-Rausch. Es gibt Panettone-Messen, Panettone-Werbefilme, Panettone-Zeitungsartikel, Panettone-Kreationen mit Alkohol, Schokolade oder Trockenfrüchten und Panettone-Wettbacken. Dazu reisten in diesem Jahr auch Bäcker aus Tokio, New York und Sydney an. Gewonnen hat ihn dann zwar ein Italiener. Aber dem Panettone-Boom rund um den Globus tut das keinen Abbruch.

Generell läuft der Export von italienischen Nahrungsmitteln so gut wie nie. Letztes Jahr erreichte die gesamte Ausfuhr nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti mit einem Volumen von 41,8 Milliarden Euro ein historisches Hoch. «Made in Italy» gilt besonders bei Essen und Wein als Gütesiegel schlechthin. Kein Wunder, dass es im Ausland gerne kopiert wird - «Agrar-Piraterie» oder «italian sounding» nennen das die Essens-Wächter in Italien. Dabei geben ausländische Hersteller ihren Waren italienische Namen und tun so, als würde das Produkt aus Italien stammen.

Die Legende

Der Panettone stammt ursprünglich aus Mailand, wo sich immer noch unzählige Konditoreien der Backkunst verschrieben haben. Der Legende nach soll er von einem Küchenjungen namens Toni geschaffen worden sein. Der soll einem Koch aus der Patsche geholfen haben, dem das Dessert für die Festtagsgesellschaft seines Herren im Ofen verkohlt war. Mit Mutterhefe und den Resten aus der Speisekammer soll Toni das Mahl gerettet haben. Fertig war «il pane di Toni» (Tonis Brot), heute Panettone.

Mittlerweile kommt Panettone nicht immer aus Italien. Sehr zum Unmut in der Heimat. Ein Brasilianer italienischer Abstammung betreibe in Amerika die größte Panettone-Herstellung der Welt, monierte unlängst die Food-Autorin Silvia Famà. Deshalb wurde die Kampagne mit dem Motto «Rettet den italienischen Panettone» gestartet.

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
10:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brot Bäckereien und Konditoreien Desserts Italienische Abstammung Kaufhof Warenhaus AG Lebkuchen Produktionsunternehmen und Zulieferer Weihnachtsgebäck Wein Zucker
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Unkomplizierte Rezepte

23.06.2020

So klappt Kochen mit Kindern

Schnippeln, rühren, abschmecken: Viele Kinder helfen begeistert in der Küche mit - die Eltern müssen es ihnen nur zutrauen. So wächst bei kleinen Köchen auch ganz nebenbei die Lust aufs Essen. » mehr

Frisch gebackenes Brot

07.04.2020

Wie Sie mit nur wenig Hefe backen - und sogar ganz ohne

Hefe ist in der Corona-Krisenzeit im Handel zur Mangelware geworden. Doch deswegen muss aufs Backen daheim niemand verzichten - man kann Hefe auch selbst herstellen. » mehr

Christiane Kührt

10.12.2019

Weihnachtsplätzchen mit Wow-Effekt

Alles darf jetzt ein bisschen bunter, glänzender, üppiger sein. Das gilt vor allem für individuell verzierte Plätzchen, ohne die Weihnachten einfach nicht Weihnachten wäre. » mehr

Orangen bei Edeka

27.01.2020

Ein essbarer Überzug soll Früchte frisch halten

Lange galten Plastikverpackungen als beste Möglichkeit, Obst und Gemüse vor dem Verderben zu bewahren. Doch jetzt testen Edeka und Rewe einen anderen Weg. Statt Kunststoff soll eine aufgespritzte, essbare Schutzschicht d... » mehr

Nährwertlogo Nutri-Score

03.01.2020

Nutri-Score nicht nur für «Paradebeispiele»

Ist das Müsli eine Zuckerbombe - und ein anderes gerade nicht? Das sollen Supermarktkunden demnächst leichter erkennen können. Doch wie und wie schnell kommt die künftige Kennzeichnung in die Regale? » mehr

Glühwein

18.12.2019

Glühwein-Fans achten mehr auf Qualität

Regent oder Spätburgunder, Silvaner oder Morio-Muskat: Winzer sind dabei, das Image des Glühweins neu zu definieren. Neben den Weihnachtsmärkten nehmen Hersteller die Fußball-WM 2022 in den Blick. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
10:23 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.