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Wann Eisenpräparate sinnvoll sind

Blass, müde, unkonzentriert? Das sind die Symptome, die viele zu Eisenpräparaten greifen lassen. Doch wann macht das Sinn und wann geht man lieber zum Arzt? Klar ist: Symptome gehören abgeklärt.



Einnahme eines Eisenpräparats
Mit Eisen gegen den Durchhänger? So pauschal lässt sich das nicht sagen - denn Müdigkeit kann viele Ursachen haben.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Wenn es draußen lange dunkel ist und eine Erkältung die nächste ablöst, fühlen sich viele schlapp, blass und angreifbar. Viele suchen dann in der Drogerie oder Apotheke nach Mittelchen, die dem müden Körper wieder auf die Sprünge helfen sollen. Ganz vorne dabei: Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen.

Glaubt man den Werbe-Claims, kann Eisen vor Müdigkeit schützen und Nerven, Immunsystem und Sinnesorgane fit halten. Doch Prof. Georgia Metzgeroth, Oberärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Mannheim, sagt: «Die freiverkäuflichen Eisenpräparate sind im Grunde viel zu niedrig dosiert, um einen Eisenmangel oder gar eine Eisenmangel-Anämie, also die Blutarmut, wirksam zu behandeln.»

Die Präparate erwecken daher nur den Anschein, etwas gegen typische Eisenmangel-Symptome zu tun. «Wenn man sich die Aussagen der Mittel genau anguckt, geht es immer nur darum, die «normale» Funktion aufrechtzuerhalten», erklärt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Volkskrankheit Eisenmangel?

Angesichts der schieren Auswahl an freiverkäuflichen Eisenpräparaten könnte man meinen, dass eine ausreichende Versorgung mit Eisen ohne Pillen gar nicht möglich sei. «In der Tat ist Eisenmangel immer noch die weltweit häufigste Mangelerscheinung. In Europa sind davon etwa 10 Prozent der Bevölkerung betroffen. Unter den Frauen sind es sogar 20 Prozent», sagt Metzgeroth.

Trotzdem rät die Expertin von der vorsorglichen Einnahme ab: Wenn man sich müde fühle, antriebsarm und blass, also die typischen Anämie-Symptome zeige, dann sei das ein Fall für den Doktor. Der müsse zunächst prüfen, ob es sich tatsächlich um einen Eisenmangel handelt.

Dass ein Eisenmangel nicht nur ernsthafte Ursachen, sondern auch Folgen haben kann, erklärt die Hämatologin so: «Eisen braucht man für alles: Als lebenswichtiges Spurenelement ist es an der Blutbildung und neurologischen Entwicklung beteiligt. Außerdem spielt es bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen eine Schlüsselrolle.» Doch genau deshalb sind die Symptome auch so vielfältig.

Mangelerscheinungen lassen auf sich warten

Woher weiß ich also, wann es Zeit ist, sich dem Arzt vorzustellen? Eine Unterversorgung bemerkt man zunächst kaum. Denn der Körper greift als erstes auf vorhandene Reserven zu, erklärt Metzgeroth. Erst wenn man über längere Zeit zu wenig Eisen zu sich nimmt, kommt es zu einem Mangel. Zu den ersten Symptomen zählen eine trockene Haut, Haar- und Nagelbrüchigkeit, Einrisse in den Mundwinkeln sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Steuert man spätestens jetzt nicht gegen, kann es zur Blutarmut kommen. Sie zeigt sich in jedem Fall durch Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Konzentrationsprobleme und die Störung in der Körpertemperaturregulation.

Menstruation ist Risikofaktor

Zu einer echten Eisenmangel-Anämie kommt es hierzulande nur bei lediglich 0,6 Prozent der Bevölkerung. Einem Mangel vorbeugen sollten daher nur bestimmte Risikogruppen. Diese unterscheidet man nach erhöhtem Bedarf und verminderter Aufnahme.

Einen erhöhten Bedarf haben laut Metzgeroth insbesondere Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere: «Denn bei der Geburt verliert eine Frau etwa ein Gramm Eisen. Auch bei jeder Menstruation verliert die Frau Eisen. Daher sind Frauen generell eisenärmer als Männer.» Auch Extremsportler und Sportler, die Muskelaufbau betreiben, sowie Kinder und Jugendliche während der Wachstumsschübe brauchen mehr Eisen.

Vegetarier sind keine Risikogruppe

Eine verminderte Eisenaufnahme hingegen könne durch Krankheiten entstehen - wenn etwa zu wenig Magensäure gebildet wird. Auch einige Medikamente beeinträchtigen die Eisenresorption. Zu den häufigsten Ursachen zählt jedoch die einseitige Ernährung.

Doch wer hier sofort an Vegetarier und Veganer denkt, liegt falsch. Junkfood und die falsche Kombination von Lebensmitteln sind problematischer. «Es ist richtig, dass der Körper Eisen aus tierischer Nahrung besser verwerten kann als aus pflanzlichen Lebensmitteln. Was aber nicht heißt, dass man als Vegetarier oder Veganer automatisch unterversorgt sein muss», erklärt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der DGE.

Auch Gemüse steckt voller Eisen

Um einem Eisenmangel vorzubeugen, empfiehlt die DGE eine Eisenzufuhr von 10 Milligramm pro Tag für Männer und 15 Milligramm pro Tag für Frauen. Diese seien über eine gesunde, ausgewogene Ernährung auch gut zu erreichen. «Unsere wichtigsten Quellen für die Eisenzufuhr - wenn man die Verzehrmenge, Häufigkeit des Verzehrs und den Eisengehalt betrachtet - sind Brot, Fleisch, Wurstwaren und Gemüse», sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Zu den eisenreichsten Lebensmitteln gehören Pfifferlinge, Spinat, Schwarzwurzeln, Linsen, Rindfleisch, Schweineschnitzel, Haferflocken, Roggen- sowie Weizenvollkornbrot.

Veröffentlicht am:
25. 12. 2019
04:38 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 12. 2019
04:38 Uhr



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