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Ist Deutschland ein Land schlechter Schwimmer?

Ein heißer Sommertag und Ferien: Viele Kinder und Jugendliche zieht es dann zum Baden an den See. Für Ungeübte drohen im Wasser allerdings viele Gefahren. Fragen und Antworten.



Schwimmunterricht
Der DLRG warnt: Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen.   Foto: Stephanie Pilick/dpa

Zehntausende Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im Sommer an Badeseen, in Schwimmbädern und an der Küste im Einsatz, um Menschen zu helfen, die im Wasser in Not geraten. Sie haben immer mehr zu tun.

Warum können vor allem immer weniger Kinder sicher schwimmen? 

Generell sollte jedes Kind in der Schule schwimmen lernen. «Die Grundschulen haben den Auftrag, Schüler im Schwimmen auszubilden», sagt der Generalsekretär der DLRG, Ludger Schulte-Hülsmann. Aber das umzusetzen, ist schwieriger geworden, weil viele Städte und Gemeinden in den vergangenen Jahren öffentliche Bäder geschlossen haben. Auf dem Land müssten Schüler zudem oft weit fahren, bis sie am Bad ankämen, betont Schulte-Hülsmann.

Was unterscheidet einen geübten von einem unsicheren Schwimmer?

In Notlagen lassen bei ungeübten Schwimmern schneller die Kräfte nach. Manche geraten leicht in Panik, was es auch Helfern schwer machen kann. «Es reicht nicht, sich über Wasser zu halten. Kinder sollten eine längere Strecke schwimmen können», mahnt der DLRG-Generalsekretär. Nach einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG schätzt sich mit 47 Prozent knapp die Hälfte der Befragten als sehr gute oder gute Schwimmer ein. Weitere 49 Prozent können nach eigener Einschätzung durchschnittlich oder schlecht schwimmen. Nur drei Prozent sind demnach Nichtschwimmer .

Wie kann ich sicherstellen, dass mein Kind gut genug schwimmt?

Die DLRG empfiehlt, dass Kinder nach dem Frühschwimmerabzeichen - dem Seepferdchen - noch ein Bronze-Abzeichen erwerben. Dabei müssen sie innerhalb von 15 Minuten mindestens 200 Meter schwimmen. Auch viele Schwimmbäder bieten Kurse an. Später gilt: Wer regelmäßig schwimmt, bewegt sich im Wasser sicherer als jemand, der nur einmal im Jahr badet.

Aber es gibt ja in Deutschland einige Menschen, die gar nicht schwimmen können. Wie viele betrifft das?

Mindestens jeder zweite Grundschüler bundesweit kann nicht richtig schwimmen. Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzen laut der Forsa-Umfrage ein Jugendschwimmabzeichen. Die DLRG schätzt zudem, dass ein Viertel der Erwachsenen Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Erst vor einer Woche ist eine 15-jährige Nichtschwimmerin im Eisbach in München ertrunken. Sie badete dort mit ihren Freundinnen, die nicht wussten, das eine von ihnen nicht schwimmen konnte. Nach einem gemeinsamen Sprung ins Wasser tauchte sie nicht mehr auf. Außerdem haben viele Zuwanderer nicht gelernt zu schwimmen. «Das liegt auch daran, dass Baden in vielen Kulturkreisen nicht zur Freizeitgestaltung gehört», sagt Schulte-Hülsmann.

Jedes Jahr sterben bundesweit Hunderte Menschen beim Baden. Wie groß sind die Unterschiede je nach Region?

Die Unterschiede sind groß: Während 2016 in Bayern 91 Menschen und in Nordrhein-Westfalen 76 ertranken, waren es im Saarland nur 2 und in Bremen 9. Bundesweit zählten die Lebensretter im vergangenen Jahr 537 Badetote , davon waren 64 Flüchtlinge. Das ist etwa jeder Achte.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Eher gut. Internationalen Ranglisten zufolge haben Deutschland und Großbritannien meist die geringste Zahl an Badetoten je 100 000 Einwohner. 2015 ertranken laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 360 000 Menschen - mehr als die Hälfte davon waren jünger als 25 Jahre. Generell schnitten Russland und die Länder der ehemaligen Sowjetunion im internationalen Vergleich eher schlecht ab und die skandinavischen Staaten eher gut, so Schulte-Hülsmann. Auch in Australien und in Südamerika sterben viele Menschen im Wasser.

Wodurch können sich Menschen beim Baden konkret in Gefahr bringen?

Im Wasser lauern zahlreiche Tücken: In Seen, Flüssen und im Meer können plötzlich Kaltzonen auftauchen. Schwimmer sind dann schneller erschöpft als im warmen Wasser, warnt die DLRG. Strömungen können Schwimmer erfassen und weit abtreiben oder sogar unter Wasser ziehen. Badende sollten sich das Ufer anschauen: Wenn das Wasser schnell tief wird, können unsichere Schwimmer schnell in Gefahr geraten. Bei Gewitter sollten Badende das Wasser in jedem Fall verlassen. Und auch Algen und Grünpflanzen können Schwimmern gefährlich werden.

Gibt es da konkrete Fälle?

Ja. Vor vier Jahren ist ein 26-Jähriger im See eines Hotels in Perleberg in Brandenburg ertrunken. Er war einem ins Wasser gefallenen Ball nachgeschwommen und hatte sich in Schlingpflanzen verfangen. Taucher fanden die Leiche des Mannes am folgenden Tag.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2017
15:50 Uhr

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06. 06. 2017
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