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Wie nachhaltig ist Spielzeug aus Bio-Kunststoff?

Ökologisch und nachhaltig muss es sein, so wollen es die Verbraucher. Das hat vor Weihnachten auch mancher Spielwarenhersteller erkannt - und setzt allmählich auf den Biotrend. Umweltschützer bleiben skeptisch.



Lego-Steine
Der Spielwarenhersteller Lego will künftig mehr auf pflanzliche Kunststoffe setzen. Umweltschützer sehen darin kaum einen Vorteil für Umwelt.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv

Die Spielwarenindustrie entdeckt zunehmend das Thema Nachhaltigkeit für sich. Das äußert sich sowohl in den Materialien, die die Produzenten zur Herstellung nutzen, als auch in den Spielewelten, die sie entwerfen.

«Es ist ein Gesichtspunkt, der von den Herstellern in Betracht gezogen wird und es ist davon auszugehen, dass sich das steigern wird», sagte Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI). «Unternehmen befassen sich mit den Möglichkeiten, die neue biobasierte Kunststoffe bieten.»

So hat etwa der dänische Lego-Konzern Anfang des Jahres verkündet, künftig verstärkt auf Verpackungen und Bauelemente aus pflanzlichen Kunststoffen zu setzen. Auch die Gebora Brandstätter Stiftung, die die Playmobil-Spielzeugfiguren herstellt und vertreibt, hat das Thema auf dem Schirm. Bei Eltern lasse sich zunehmend eine Orientierung hin zu höherer Qualität feststellen, teilte Sprecher Björn Seeger auf Anfrage mit. «Das betrifft Eltern, die sich mehr Gedanken machen, was heute wertiges Spielzeug ist.»

Was aus Marketinggründen Sinn macht, stößt bei Umweltverbänden auf harsche Kritik. Lego setzt bei den neuen Bausteinen eigenen Angaben zufolge auf sogenanntes pflanzliches Polyethylen, das dafür aus Zuckerrohr gewonnen wird. Für dessen Anbau seien große Flächen nötig, auf denen besser Nahrungsmittel angebaut werden könnten, kritisiert etwa Sandra Schöttner, Expertin für Meere und Biodiversität bei Greenpeace.

Hinzu kommt aus ihrer Sicht: «Nur weil ein Kunststoff aus einer organisch nachwachsenden Rohstoffquelle gewonnen wird, heißt es nicht, dass er biologisch abbaubar und damit auch besser für die Umwelt ist.» Das Polyethylen verbleibe auch nach dem Lebensende eines Lego-Bausteins noch viele Jahrhunderte in der Umwelt, «wenn nicht Jahrtausende». Auch das Bundesumweltamt kommt in einer Studie zu dem Schluss: «Verpackungen aus bioabbaubaren Kunststoffen sind denen aus herkömmlichen Kunststoffen nicht überlegen.»

Nichtsdestotrotz bleibt der Bioboom für die Hersteller ein Thema. Das zeigt sich auch in den Produktlinien, die sie entwerfen. So hat Playmobil inzwischen einen Bio-Supermarkt im Angebot. «Das soll aber nicht als gesellschaftlicher Spiegel verstanden werden», betonte Seegers. «Als Spielwarenhersteller orientieren wir uns nicht an kurzfristigen gesellschaftlichen Stimmungen und Trends.»

Offensiver tönt es da von Lego. Seit Ende November führt die Gruppe das Modell einer Windkraftanlage des dänischen Windturbinenherstellers Vestas im Sortiment. In dem Bausatz sind dem Konzern zufolge auch erstmals die aus nachhaltigem Kunststoff hergestellten Bauteile enthalten. «Wir hoffen, dass die Windkraftanlage Lego-Fans dazu anregen wird, mehr über erneuerbare Energien erfahren zu wollen», teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Es gebe allerdings keine Daten darüber, ob sich die Nachfrage ebenfalls in Richtung solcher Produkte verschiebt, sagte Joachim Stempfle, Spielwarenexperte beim Marktforschungsunternehmen NPD-Group. Es spricht einiges dafür, dass bei den Kunden weiterhin der technische Aspekt im Mittelpunkt steht.

So vertreibt Lego nicht nur die Windkraftanlage, sondern auch das große Modell eines Schaufelradbaggers, wie er vor allem im Braunkohletagebau eingesetzt wird. «Dieser Artikel ist in der Zielgruppe sehr stark angekommen», sagte Stempfle. «Aktuelle Diskussionen, wie sie derzeit etwa rund um den Hambacher Forst geführt werden, haben da wenig Auswirkungen.»

Auch Playmobil gab an, keine besonderen Ausschläge bei der Nachfrage etwa nach Technik-Artikeln feststellen zu können. «Im Kinderzimmer ist weiterhin emotionale Intelligenz gefragt - nicht künstliche», sagte Seeger.

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Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:17 Uhr

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