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Glück wäre ohne Tiefpunkte langweilig

Ernst Fritz-Schubert will dem Glück junger Menschen auf die Sprünge helfen. Dafür bilden er und sein Team Lehrer aus, die das Fach Glück lehren. Er selbst hält sich für einen glücklichen Mann.



Ernst Fritz-Schubert
Ernst Fritz-Schubert ist systemischer Therapeut am Fritz-Schubert-Institut.   Foto: Uwe Anspach

Kinder und Jugendliche müssen nach Ansicht des Pädagogen Ernst Fritz-Schubert in der Schule mehr lernen als den üblichen Fächerkanon. Das Fach Glück soll ihnen die Grundlagen für ein gelungenes Leben vermitteln.

Die Lehrer dafür bildet Fritz-Schubert aus. «Glück kann man lernen», sagt der 70-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Gibt es einen einheitlichen Glücksbegriff?

Ernst Fritz-Schubert: Nein. Der Glücksbegriff ist je nach gesellschaftlichem oder religiösem Hintergrund unterschiedlich geprägt. Im Buddhismus gilt die Bedürfnislosigkeit als erstrebenswert, in westlichen Gesellschaften steht das Individuum mit seinen zahlreichen materiellen Bedürfnissen im Mittelpunkt. In afrikanischen Ländern etwa ist die Geborgenheit in der Dorfgemeinschaft das höchste Gut.

Was ist für Sie Glück?

Fritz-Schubert: Glück heißt für mich, zu erkennen, wofür ich geboren wurde, meine Stärken und Talente, die ich als Geschenk mitbekommen habe, zu fördern und in die Welt hinaus zu tragen, um einen Platz in ihr zu finden. Glück ist weit mehr als ein emotionales Hochgefühl etwa nach dem Sieg in einem Wettkampf, sondern längerfristige Zufriedenheit. Dabei sind negative Emotionen nicht ausgeschlossen, sondern sogar wichtig. Wir können die Glücksmomente nur genießen, wenn es auch Tiefpunkte gibt, sonst wäre Glück ein langweiliges Gefühl.

Macht Reichtum glücklich?

Fritz-Schubert: Das kann, muss aber nicht sein. Es hängt erstens von der Höhe ab, denn Reichtum birgt auch die Gefahr negativer Gefühle wie Verlustangst, Neid, Geiz oder Verschwendungssucht. Zweitens hängt es davon ab, ob der Erwerb und die Ausgaben im Einklang mit meinen Werten stehen. Ein großer Fehler ist, sich und sein Glück über den Reichtum zu definieren. Auch ein armer Mensch kann glücklich sein, selbst wenn die objektiven Lebensbedingungen scheinbar nicht günstig sind, er aber subjektiv zufrieden ist.

ZUR PERSON: Ernst Fritz-Schubert hat in seinem Leben ganz bewusst viele verschiedene Wege eingeschlagen - mit keiner Entscheidung hadert er. Trotz Widerständen in der Familie absolvierte er das Abitur, studierte dann Volkswirtschaftslehre und Jura, bis er seine Berufung als Pädagoge erkannte. Als Leiter einer beruflichen Schule in Heidelberg führte er 2007 das Fach Glück ein. Dass sein Konzept Schule machen konnte, hat er einem unkonventionellen Banker zu verdanken. Dieser legte mit einer Spende von 40.000 Euro die Basis für das von Fritz-Schubert gegründete Institut für die Weiterbildung der Glückslehrer.

Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
05:12 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
05:12 Uhr



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