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Ganztagsbetreuung für Grundschüler lohnt auch ökonomisch

Schulkinder mittags nach Hause zu schicken, sei ein «Luxus», den sich Deutschland nicht mehr leisten könne - sagt eine Studie. Die Autoren blicken auf Bildungschancen der Schüler, aber auch auf die Volkswirtschaft.



Kinder in einer Schule
Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung hat eine Ganztagsbetreuung für Kinder positive Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit der Mütter.   Foto: Frank Molter

Eine breite Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder hat einer Studie zufolge positive Bildungseffekte und lohnt sich auch wirtschaftlich. Zum einen könnten vor allem sozial benachteiligte Kinder besser gefördert werden, ihre Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse und ein später gutes Einkommen würden steigen.

Die nun bekannt gewordene Untersuchung der Bertelsmann Stiftung sieht zudem zahlreiche ökonomische Vorteile, auch für den Staatshaushalt. Eltern - besonders Mütter - könnten häufiger erwerbstätig werden und auch mehr arbeiten. Sowohl der Niedriglohnsektor als auch die Arbeitslosigkeit würden laut Prognose sinken.

Bis 2025 könnten rund 37.100 Vollzeitstellen neu entstehen, bis 2030 rund 54.800. Infolge zusätzlicher und höherwertiger Jobs und eines stärkeren Wirtschaftswachstums geht die Berechnung von steigenden Einnahmen für den Staat und zugleich schrumpfenden Sozialausgaben aus.

Dafür müssten aber zuerst öffentliche Milliarden-Mittel investiert und der Koalitionsvertrag umgesetzt werden. Dieser sieht für Grundschüler einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab 2025 vor. Kommen die vom Bund für die laufende Legislaturperiode bis 2021 in Aussicht gestellten zwei Milliarden Euro und gebe es dann in der folgenden Legislatur weitere zwei Milliarden, könnten bis 2025 rund eine Million neue Ganztagsplätze entstehen, prognostiziert die Untersuchung zweier Wirtschaftswissenschaftler im Auftrag der Stiftung. Diese soll am Montag in Gütersloh vorgelegt werden. Der «Spiegel» berichtet in seiner aktuellen Ausgabe.

Im vergangenen Schuljahr 2017/18 hatten knapp 42 Prozent der Grundschüler einen Ganztagsplatz, wie Stiftungsexperte Dirk Zorn unter Berufung auf Zahlen der Kultusministerkonferenz sagte. Der Bedarf sei aber wesentlich höher, liege nach unterschiedlichen Erhebungen bei 70 bis 80 Prozent. Bis zum Schuljahr 2025/26 geht die Studie von rund 3,2 Millionen Grundschulkindern und einer geschätzten Lücke von mindestens 1,4 Millionen Plätzen aus - gemessen am aktuellen Stand.

Als ein wichtiger Baustein für mehr Chancengleichheit helfen zusätzliche Ganztagsplätze besonders Frauen mit Kindern, Alleinerziehenden und Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern, wie die Analyse betont. Auch die Armutsquote könne damit zurückgehen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, die Studie zeige die großen Chancen eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung. «Deswegen arbeiten wir gemeinsam mit den Ländern daran, den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung so schnell wie möglich umzusetzen.»

Stiftungsvorstand Jörg Dräger meinte, neben dem Digitalpakt sei das Ganztagsprojekt derzeit das wichigste schulische Reformvorhaben. Aber nicht nur die Zahl, auch die Qualität der Ganztagsangebote müsse steigen - mit zusätzlichen Lehrern und pädagogischen Fachkräften. Die Autoren bilanzieren: «Den «Luxus», die Kinder mehrheitlich mittags nach Hause zu schicken, kann sich Deutschland nicht mehr leisten.»

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
25. 03. 2019
09:54 Uhr

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