Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Ist das Darlehen für Pflege gescheitert?

Wird ein naher Angehöriger zum Pflegefall, kommt auf die Angehörigen oft die Hauptlast zu. Treten sie im Job kürzer, können sie ein Darlehen beantragen - doch nur ganz wenige machen davon Gebrauch.



Darlehen für Pflege
Menschen in Deutschland können ein zinsloses Darlehen nutzen, wenn sie zur Pflege eines Angehörigen eine Auszeit nehmen. Doch nur wenige machen Gebrauch davon.   Foto: Jana Bauch

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat staatliche Darlehen für die Pflege von Angehörigen als gescheitert kritisiert. «Kein Mensch nimmt einen Kredit, um weniger arbeiten zu müssen und dafür Angehörige zu pflegen», sagte Vorstand Eugen Brysch der.

Brysch forderte stattdessen die Einführung eines Pflegezeitgelds ähnlich dem Elterngeld. Dies solle eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung sein, sagte er.

Hintergrund ist, dass nur wenig Menschen die Möglichkeit von zinslosen Darlehen nutzen, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder eine Auszeit nehmen, um zu Hause einen Angehörigen zu pflegen. Eingeführt wurden diese Darlehen durch das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf 2015. Seither haben lediglich 921 Personen davon Gebrauch gemacht, wie eine vom Bundestag veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage zeigt.

Beschäftigte haben in Unternehmen ab 15 Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf eine bis zu sechsmonatige Freistellung, wenn sie einen Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung pflegen. Während dieser Pflegezeit kann ein solches Darlehen in Anspruch genommen werden. Dies haben seit der Einführung 520 Menschen genutzt. Ein solches Darlehen kann auch bei der Familienpflegezeit genutzt werden, bei der man die Arbeit für bis zu 24 Monaten auf 15 Wochenstunden reduzieren kann. 401 Personen haben dies bisher genutzt.

Die Darlehen werden beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt und in monatlichen Raten ausgezahlt. Sie decken bis zur Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab.

Nach offizieller Schätzung haben 2017 rund 82.000 Personen eine Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch genommen. Die Inanspruchnahme der Förderung der Beschäftigten durch das zinslose Darlehen sei dabei hinter den vom Gesetzgeber getroffenen Annahmen zurückgeblieben, räumt die Regierung in ihrer Antwort ein. Allein für 2018 war von mehr als 4200 Darlehen ausgegangen worden.

Brysch sagte: «Die Regelung geht an den Bedürfnissen der 360.000 berufstätigen pflegenden Angehörigen vorbei.» Gerade einmal 200 Darlehen pro Jahr im Schnitt seien eine traurige Bilanz. Doch weder Familienministerin Franziska Giffey (SPD) noch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollten daran etwas ändern.

«Es braucht endlich eine echte Entlastung für pflegende Angehörige», sagte Brysch. «Beruf und Pflege lassen sich nur dann vereinbaren, wenn es für pflegende Angehörige eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung ähnlich dem Elterngeld gibt.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
10:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angehörige Beruf und Karriere Berufstätige CDU Deutscher Bundestag Elterngeld Familienminister Franziska Giffey Gesundheitsminister Jens Spahn Kredite Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Zinslose Darlehen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kindertagesstätte

30.08.2019

Mehrheit für Kindergarten-Pflicht und kostenlose Kitas

Die Herkunft von Kindern entscheidet immer noch über ihre späteren Karrierechancen. Eine große Mehrheit der Bundesbürger ist deshalb dafür, dass sich der Staat mehr um Chancengleichheit kümmert - und sieht unter anderem ... » mehr

Heimbewohner

25.11.2019

Kosten fürs Pflegeheim steigen immer weiter

Für Pflege im Heim müssen Betroffene immer tiefer in die Tasche greifen - weitere Kostensprünge sind absehbar. Unklar ist derzeit noch: Werden Pflegebedürftige und ihre Angehörigen künftig entlastet? » mehr

Pflege

24.09.2019

Pflegeheimbewohner müssen immer höheren Eigenanteil zahlen

Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und ein Beitrag zur Pflege: Mehrere tausend Euro kostet ein Platz im Pflegeheim pro Monat. Und der Eigenanteil steigt weiter. » mehr

Mutter mit Kind

10.09.2019

Familien-Rollenverteilung hat sich stark verändert

Mütter hüten die Kinder - Väter verdienen das Geld. Die klassische Rollenverteilung kommt immer mehr ins Wanken, zeigt eine Umfrage. Ein Grund dürfte das Elterngeld sein. Das soll nun noch einmal reformiert werden. » mehr

Pflege

30.10.2019

Heimische Pflege bringt Frauen oft in finanzielle Nöte

Karriere unterbrochen, Einkommen vermindert, von Armut bedroht: Wer zu Hause Angehörige pflegt, gerät oft ins soziale Abseits. Bei weitem nicht alle sind gleichermaßen betroffen. » mehr

Pflege

14.08.2019

Kinder pflegebedürftiger Eltern werden finanziell geschont

Viele Pflegebedürftige fürchten den Gang ins Heim - auch wegen der hohen Kosten, für die oft die eigenen Kinder zumindest teilweise aufkommen müssen. Diese Sorgen soll ihnen nun genommen werden. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
10:17 Uhr



^