Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

«Gute-Kita»-Gelder fließen

Berlin überweist die ersten Gelder aus dem «Gute-Kita-Gesetz» an die Länder. Daran, wie die Milliarden verwendet werden, gibt es allerdings Kritik.



Kita-Spielplatz
Kurz vor Weihnachten startet die Auszahlung der Mittel aus dem Gute-Kita-Gesetz.   Foto: Monika Skolimowska/dpa

Kurz vor Weihnachten fließt das erste Geld aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz an die Länder. Das Finanzministerium hatte vorab auf Nachfrage mitgeteilt, dass «die kassentechnische Abwicklung» für diesen Montag geplant sei.

Konkret bedeutet das: Die Länder erhalten ab jetzt einen größeren Anteil aus den Umsatzsteuereinnahmen des Staates, insgesamt 5,5 Milliarden Euro bis 2022. Über die genaue Verwendung der Kita-Gelder hatte jedes Bundesland mit dem Bund einen eigenen vertrag geschlossen.

Nach Ansicht der Bildungsforscherin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wurden dabei allerdings teilweise falsche Prioritäten gesetzt. Zahlreiche Bundesländer verwendeten die Mittel des Bundes auch, um alle Familien von Gebühren zu entlasten. «Ein solcher Ansatz ist weniger sinnvoll», sagte Spieß der Deutschen Presse-Agentur. Sie verwies auf Umfragen, wonach Familien mit höheren Einkommen teilweise sogar bereit seien, noch mehr für eine Kita zu bezahlen als bisher. Diese Ressourcen hätten in weitere Qualitätsmaßnahmen investiert werden sollen, sagte Spieß.

Die Bildungsökonomin plädierte dafür, statt in Gebührensenkungen für alle, mehr in die Aus- und Weiterbildung sowie in die Bezahlung der Erzieherinnen zu investieren, denn die pädagogischen Fachkräfte seien die zentralen Akteure, um Qualität zu gewährleisten. «Dies könnte auch dazu beitragen, dass sich mittelfristig mehr Menschen für diesen wichtigen Beruf entscheiden.»

Zustimmung dafür gab es von der FDP. Der Familienpolitiker der Liberalen, Matthias Seestern-Pauly, sagte am Montag: «Die pauschale Beitragsfreiheit geht zu Lasten wirklicher Qualitätsverbesserungen und damit der Zukunftschancen unserer Kinder.»

Die Bundesländer konnten im Rahmen des Kita-Gesetzes aus verschiedenen Bereichen - sogenannten Handlungsfeldern - auswählen, in denen sie ihre Einrichtungen mit Hilfe der Bundesmittel stärker unterstützen wollen: Das kann die Schaffung von mehr Erzieherstellen sein, eine höhere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher, längere Öffnungszeiten, die Neugestaltung von Räumen und Spielflächen, aber auch die Senkung von Kita-Gebühren.

Die SPD verteidigte die Gebührensenkungen grundsätzlich. «Jedes Kind in Deutschland soll unabhängig vom Einkommen der Eltern die beste Betreuung bekommen», sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Mast. Es sei auch eine Frage der Qualität, wenn der Zugang zur Kita nicht vom Geldbeutel der Eltern abhänge.

Ähnlich äußerte sich Linke-Chef Bernd Riexinger. «Es ist vollkommen richtig, die Kitas gebührenfrei zu gestalten, damit alle einen Zugang haben.» Es sei ungerecht, dass es Eltern gebe, die bis zu 400 Euro für den Besuch ihrer Kinder in der Kita auf den Tisch legen müssten.

Auch die Bundeselternsprecherin für Kitas, Ulrike Grosser-Röthig, verteidigte die Gebührenbefreiung: «Es nützt uns nichts, gute Kitas zu haben, die sich aber nur wenige Menschen leisten können.» Wichtig seien Investitionen sowohl in Qualität als auch eine Gebührenbefreiung. «Dieser Weg der Parallelität muss weitergegangen werden.» Vom Bund forderte sie eine Erhöhung der Mittel für die Länder und dass das Geld auch über das Jahr 2022 hinaus fließt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 12. 2019
15:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bernd Riexinger Beruf und Karriere Bezahlung Deutsche Presseagentur Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Erzieher Erzieherinnen und Erzieher FDP Familienpolitiker Geld Institute Katja Mast Kindertagesstätten Kritik SPD Wirtschaftsforschung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Personalnot in Kitas

25.08.2020

Drei von vier Kindern besuchen Kita mit zu wenig Personal

Beim Ausbau von Kita-Plätzen hat sich zuletzt viel getan, doch die Personalausstattung vieler Kitas bleibt wenig an den Bedürfnissen der Kleinsten orientiert. Das bringt Erzieherinnen an ihre Grenzen und gefährdet den Bi... » mehr

Familienministerin Giffey

11.08.2020

Giffey empfiehlt Kitas nötige Corona-Maßnahmen

Die Kita-Schließungen vor dem Sommer haben viele Familien unter großen Stress gesetzt. Wie auch an den Schulen ist im neuen Kita-Jahr nun wieder «Regelbetrieb» geplant, so weit das möglich ist. » mehr

Kinder in einer Kita

26.09.2019

Kita-Studie: Deutschland braucht 106.500 mehr Erzieher

In Kitas fehlt Personal. Laut einer Studie ist das in mehrfacher Hinsicht problematisch: Die Zeit für die Kinder und ihre Förderung schrumpft, die Belastung der Erzieher wächst. » mehr

Mini-Gruppe statt Maske: Wie mehr Notbetreuung in Kitas gelingt

20.04.2020

Wie mehr Notbetreuung in Kitas gelingt

Es dürfen wieder mehr Geschäfte öffnen, und Betriebe schieben ihre Produktion an. Wenn Eltern nicht mehr zu Hause sind, benötigen sie eine Notbetreuung für die Kinder. Tipps zum Wechsel in die Kita. » mehr

Arbeiten im Kindergarten

25.10.2019

Kita-Kinder in Deutschland professionell betreut

Studien und Umfragen zum Erziehermangel, zu fehlenden Kita-Plätzen und Sorgen der Eltern gibt es viele - jetzt hat die OECD mal die Erzieher selbst befragt. Ergebnis: Sie sind gut ausgebildet, lieben ihren Job, aber fühl... » mehr

Männlichkeit im Wandel

19.11.2019

Von Machos, Alphatieren und sorgenden Vätern

Ein Psychiater begeistert mit Vorträgen über das Patriarchat, ein Schauspieler eckt an, weil er ein Baby im Tragetuch trägt. Das Männerbild unserer Gesellschaft ist ins Wanken geraten - und die Positionen liegen weit aus... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 12. 2019
15:23 Uhr



^