Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Expertin: Corona-Krise kann Nutzen für Kinder haben

Schulen und Kitas bleiben weiter zu. Viele Kinder leiden unter der sozialen Isolation. Doch laut einer Expertin kann die Krise auch einen Nutzen für die Entwicklung haben.



Mutter mit Kind
Eltern, die jetzt mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, sollten ihnen auch mehr Aufmerksamkeit schenken.   Foto: Andreas Gebert/dpa

Kinder, die weinen, weil sie ihre Freunde oder Verwandten nicht sehen können oder nicht in die Kita dürfen: Auch die Jüngsten leiden unter der Corona-Krise.

Doch laut der Bochumer Professorin für Kinder- und Jugendpsychotherapie, Silvia Schneider, kann die derzeitige Situation auch einen Nutzen für die Entwicklung haben: «Kinder können gestärkt aus der Krise hervorgehen.»

Kinder leiden unter Corona-Maßnahmen

Viele Eltern berichten derzeit, dass ihre Kinder stark unter der sozialen Isolation leiden. Anika N. aus Nordrhein-Westfalen beschreibt beispielsweise eine Situation mit ihrem Vierjährigen: «Ich hörte es durchs Babyphone wimmern und bin hoch zu ihm. Er lag in seinem Bett, mit seinem Kumpel Elmo im Arm und hat mir mit dicken Kullertränen gesagt, dass er seine Kindergartenfreunde so sehr vermisst. So aufgelöst habe ich meinen Frosch noch nie erlebt.»

Die Berlinerin Regina L. musste mit ihrer Tochter zur verschlossenen Kita fahren, damit sich die Fünfjährige vergewissern konnte, dass auch wirklich niemand dort ist: «Sie wollte sich das Gebäude unbedingt angucken. Wir haben davor kurz angehalten und noch einmal darüber geredet, warum das jetzt so ist, wie es ist», erzählt die Mutter, deren Tochter ebenfalls ihre Spielkameraden vermisst.

Wenn Schlafprobleme, Kopf- oder Bauchschmerzen auftreten

«Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf die Krise, die auch für sie Stress bedeutet», sagt der Berliner Psychologe Thilo Hartmann. Die Kinder können demnach neben Schlafproblemen auch mit Kopfweh, Bauchschmerzen, Schwindel und Erschöpfung reagieren. «Auf der Verhaltensebene ist es möglich, dass Kinder sich zurückziehen, aggressiver auftreten oder auch ein verstärktes Kuschelbedürfnis haben», so der Experte.

«Wichtig ist es, auch denjenigen Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, die in dieser Situation stiller werden oder mit Rückzug reagieren und dabei vielleicht sogar besonders unproblematisch erscheinen», betont Hartmann. Bei diesen Kindern könne es sein, dass sie sich in eine nicht kindgerechte Rolle fügen und versuchen, die Verantwortung zu übernehmen, alles richtig zu machen und die Familie zu schützen. Das könne Kinder überfordern, so Hartmann.

Eltern müssen Hygieneregeln vorleben

«Grundsätzlich ist es wichtig, dass sie ein gutes Modell haben, wie sie mit der Situation umgehen können», betont der Psychologe. Es gehe darum, dass die Bezugspersonen die neuen Handlungen und Verhaltensweisen wie besondere Hygiene oder das Tragen eines Mundschutzes den Kindern mit freudiger Gelassenheit vorleben.

«Wir können schwierige Situationen besser aushalten, wenn wir das Gefühl haben, wir können etwas tun», erklärt Schneider. Viele Eltern neigen laut der Bochumer Professorin dazu, Kinder von Krisen fernzuhalten. Doch aus der Forschung wisse man: Kinder müssen Krisen auch kennenlernen. «Und sie müssen vor allem lernen, wie sie mit Krisen umgehen», so Schneider.

Der Alltag bestehe aus Krisen und unser Leben sei eine ständige Problembewältigung. «Ein Leben ohne Krisen ist unnormal und das ist auch nicht gut für Kinder. Wie sollen Jugendliche zum Beispiel in der Pubertät Schritte aus der Familie raus wagen, wenn sie nie gelernt haben, schwierige Situationen zu meistern?», so die Expertin. «Da muss man eine gewisse Resilienz entwickelt haben, eine Stärke in der Krise.»

Nicht immer nur über Corona reden

Aus ihrer Sicht ist es nicht nur wichtig, Kindern die neue Situation in einfacher Sprache zu erklären, sondern auch die Zeit zu begrenzen, in der man über Corona redet. «Wir erleben es in unserem klinischen Alltag: Es gibt Familien, in denen von morgens bis abends Corona-Nachrichten gehört werden und alle sich immer mehr gegenseitig verunsichern und Corona überall sehen.» Das sei nicht hilfreich. «Es muss eine abgewogene und gut dosierte Auseinandersetzung mit Corona stattfinden.»

Trotz mancher Schwierigkeiten: Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sieht ebenfalls positive Seiten, die die Krise für viele Kinder hat: «Viel Stress, den die ganze Gesellschaft sonst ausstrahlt, fällt nun weg. Es ist eine Zeit der Entschleunigung auch für die Familien. Ich habe noch nie so viele Väter mit ihren Kindern gesehen.»

Veröffentlicht am:
16. 04. 2020
10:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauchweh Bergarbeiter Deutscher Kinderschutzbund Eltern Emotion und Gefühl Familien Kinder und Jugendliche Krisen Professoren Psychologinnen und Psychologen Schlafstörungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wenn Papa noch mal Vater wird

23.06.2020

Halbgeschwister als Störenfriede?

Die Trennung der Eltern ist gerade einigermaßen verarbeitet, da bekommt Papa mit der neuen Partnerin ein Baby. Kinder kann das in widersprüchliche Gefühle stürzen - und Vätern einiges abverlangen. » mehr

Auch das Katzenklo muss regelmäßig frisch gemacht werden

23.06.2020

Können Kinder für ein Haustier sorgen?

Viele Kinder wünschen sich ein Haustier. Oft währt die Begeisterung aber nur kurz. Nach einigen Wochen sind es Papa und Mama, die Mist schaufeln und Löwenzahn suchen. Müssen Eltern das hinnehmen? » mehr

Viele Eltern müssen gleichzeitig arbeiten und Kinder betreuen

23.04.2020

Ohne Notbetreuung in Not: Was tun, wenn Familien leiden?

Kinderbetreuung und Homeoffice lassen sich kaum vereinen, denn Kinder brauchen Ansprache. Die Belastung von Familien steigt mit dem Stress. Eltern sollten nicht versuchen in Allem perfekt zu sein. » mehr

Susanne Mierau

17.04.2020

So tanken Eltern Kraft in der Corona-Krise

Kitas zu, die Schulen öffnen erst schrittweise: Viele Eltern bleiben in den nächsten Wochen auf sich selbst zurückgeworfen. Um den Druck rauszunehmen, müssen Chaos und Fußboden-Picknicke erlaubt sein. » mehr

Kinder in der Corona-Krise

27.04.2020

Sind Kinder die Verlierer der Corona-Krise?

Zusammen spielen, Regeln einhalten, Konflikte lösen: Beim Umgang mit Gleichaltrigen lernen Kinder soziale Kompetenzen. Doch die Corona-Maßnahmen erlauben ihnen zurzeit keine Kontakte mit anderen Kindern. Experten warnen ... » mehr

Isolation Senioren Corona-Krise Psychologin

24.04.2020

Wie Senioren durch die Corona-Krise kommen

Trennungen und Abschiede, Traumata und Verluste: Wer lange lebt, sammelt Erfahrungen, nicht alle davon gut. Doch das kann uns auch stärken, sagt eine Psychologin - zum Beispiel für die Corona-Krise. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 04. 2020
10:42 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.