Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Ohne Notbetreuung in Not: Was tun, wenn Familien leiden?

Kinderbetreuung und Homeoffice lassen sich kaum vereinen, denn Kinder brauchen Ansprache. Die Belastung von Familien steigt mit dem Stress. Eltern sollten nicht versuchen in Allem perfekt zu sein.



Viele Eltern müssen gleichzeitig arbeiten und Kinder betreuen
Gleichzeitig am Laptop arbeiten und die Kinder betreuen: Viele Eltern sind durch die Gleichzeitigkeit von Homeoffice und Kita-Schließung besonders belastet.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Daheim bleiben, womöglich bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist? Das würde noch viele Monate einen Spagat zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung bedeuten. Einigen Eltern treibt der bloße Gedanke daran Tränen in die Augen - aus Verzweiflung und Überforderung. Wie kann man damit umgehen?

Björn Enno Hermans, Familientherapeut aus Essen, stellt klar: «Die psychische Belastung für Eltern ist und bleibt enorm. Keiner darf von sich erwarten, Kinder und Homeoffice gut unter einen Hut zu bekommen. Das ist einfach kaum möglich.» Kinder bräuchten Ansprache und könnten sich gerade im Kita-Alter höchstens phasenweise selbst beschäftigen.

Realistisch bleiben und kreativ werden

Hermans Tipp, um das Beste aus der Situation zu machen: den Alltag gut strukturieren und das Wochenende bewusst anders gestalten als den Rest der Woche. Das helfe auch den Kindern, besser klarzukommen.

Außerdem böten sich neben den Beschäftigungsideen, die Kitas herumschicken oder auf den Websites der Träger zur Verfügung stellen, Aktivitäten mit Bewegung im Freien an. «Die Kinder können sich durch den Gartenzaun mit den Nachbarskindern unterhalten oder mit dem Fahrrad fahren, wo genug Abstand ist», schlägt Hermans vor.

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin in Berlin, bloggt über Familienthemen und hat selbst drei Kinder. Sie rät, gegen den Kräftemangel zwar eine Tagesstruktur zu haben, aber auch bewusst loszulassen von früheren Glaubenssätzen wie «Unter der Woche darf mein Kind nicht fernsehen». Zeiten einzuführen, in denen die Kinder - natürlich je nach Alter - etwas gucken oder Konsole spielen dürfen ist für Eltern die Zeit, in der sie selbst runterkommen können.

«Entlastung der Eltern wird es geben müssen»

Helfen kann auch, sich vor Augen zu führen, dass die Zeit dieser besonderen Lebenssituation begrenzt ist - auch wenn sie sich aktuell weiter zieht. «Man sollte auch das ehrlich den Kindern kommunizieren», rät Familientherapeut Hermans. Wenn sie fragen, wann sie wieder in die Kita dürften, könne man etwa sagen «Nicht sehr bald» oder «Ich weiß es nicht, aber ich hoffe noch vor dem Sommer». 

Fakt ist für Hermans: «Es wird eine Entlastung der Eltern in Form von Betreuung geben müssen, denn so geht es auf Dauer für Familien nicht weiter.» Familien, in denen sich die Lage so zugespitzt hat, dass häusliche Gewalt droht oder eine große Verzweiflung besteht, rät Hermans dringend dazu, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.

Das bundesweite Elterntelefon des Kinderschutzbundes ist zum Beispiel unter der Nummer 0800/111 05 50 zu erreichen, montags bis freitags von 9.00 bis 11.00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17.00 bis 19.00 Uhr. Die « Nummer gegen Kummer » für Kinder und Jugendliche lautet 116 111. «Niemand muss sich dafür schämen, Hilfe anzunehmen, schon gar nicht in dieser Ausnahmesituation», stellt Hermans klar. 

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 04. 2020
11:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betreuung von Kindern Bundesfamilienministerium Deutscher Kinderschutzbund Eltern Familien Familientherapeutinnen und Familientherapeuten Gewalt Häusliche Gewalt Impfstoffe Kinder und Jugendliche Not und Nöte Überforderung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Häusliche Gewalt

03.06.2020

Mehr häusliche Gewalt in Quarantäne und finanzieller Not

Immer wieder haben Experten gewarnt: Die Gewalt in Familien könnte steigen, wenn Menschen wegen Corona nicht aus dem Haus dürfen und existenzielle Probleme dazu kommen. Nun zeigt sich: Die Befürchtungen dürften sich bewa... » mehr

Hotlines des Kinderschutzbundes

24.03.2020

Wenn der Druck im Kessel steigt: Elternberatung per Hotline

Kitas und Schulen sind geschlossen, Kinder und Jugendliche müssen zu Hause bleiben. In manchen Familien spitzt sich nun die Lage zu. Der Kinderschutzbund bietet Betroffenen telefonische Beratung an. » mehr

Häusliche Gewalt

22.04.2020

Zahl der Anrufe wegen häuslicher Gewalt gestiegen

Zu Beginn der Corona-Krise warten Experten eindringlich vor einem Anstieg der häuslichen Gewalt und des Missbrauchs in den eigenen vier Wänden. Im Familienministerium gibt es nun erste Hinweise, dass es wirklich so kommt... » mehr

Mutter mit Kind

16.04.2020

Expertin: Corona-Krise kann Nutzen für Kinder haben

Schulen und Kitas bleiben weiter zu. Viele Kinder leiden unter der sozialen Isolation. Doch laut einer Expertin kann die Krise auch einen Nutzen für die Entwicklung haben. » mehr

Susann Sitzler

10.04.2020

Geschwister haben eine besondere Bindung

Die Schule fällt wegen Corona aus - und Kinder haben viel Zeit, sich mit ihren Geschwistern zu streiten. Das ist laut Experten normal. Trotzdem können Eltern die Bindung ihrer Töchter und Söhne bewusst stärken. » mehr

Häusliche Gewalt gegen Männer

15.05.2020

Häusliche Gewalt kann auch Männer treffen

Die Männer sind das starke Geschlecht, die Ernährer der Familie. So das gängige Klischee. Doch auch sie können Opfer von häuslicher Gewalt werden. Ein Betroffener erzählt, wie seine Partnerin ihn jahrelang quälte. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 04. 2020
11:48 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.