Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Fernunterricht erreicht etliche Schüler nicht

Die Coronakrise hat in vielen Schulen die Digitalisierung stark vorangetrieben, auch wenn inzwischen viele Schülerinnen und Schüler nicht mehr zwangsweise zu Hause bleiben müssen. Gerade in Deutschland bleiben Defizite aber deutlich.



Digitales Lernen in Zeiten von Corona
Seit der Coronakrise lernen viele Schülerinnen und Schüler über das Internet. Doch es gibt auch einen Teil, der nicht über digitale Kommunikationswege zu erreichen sind.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

In der Coronakrise konnten viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland digital nicht erreicht werden. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des «Schul-Barometers» , die vom Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug in der Schweiz veröffentlicht wurde.

Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Schulmitarbeiter gaben an, quasi alle Schülerinnen und Schüler erreicht zu haben. 14 Prozent der Schul-Mitarbeiter gaben an, dass immerhin zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen nicht über das Internet erreichbar gewesen seien.

Teils kein digitaler Kommunikationsweg möglich

Zwölf Prozent meinten, dass 15 bis 20 Prozent digital nicht kontaktierbar waren. 14 Prozent erklärten, dass 25 bis 50 Prozent digital nicht angesprochen werden konnten. Bei acht Prozent der Befragten war die Erreichbarkeit besonders schlecht. Hier konnte zu 50 und 100 Prozent kein digitaler Kommunikationsweg zu den Schülerinnen und Schülern aufgebaut werden.

Bei den Kommunikationsmedien setzen die Schulen vor allen noch auf die E-Mail (66 Prozent), gefolgt vom Mobiltelefon (Anruf oder Nachricht), Website der Schule und Online-Plattformen wie Moodle. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 7000 Menschen aus dem Schulbetrieb - darunter 655 Schulleiter - aus Deutschland Österreich und der Schweiz befragt.

Unter den drei Nachbarländern schneidet Deutschland bei der technischen Ausstattung der Schule am schlechtesten ab. 56 Prozent der befragten Schul-Mitarbeiter aus der Bundesrepublik glauben nicht, dass die technischen Kapazitäten an der Schule für webbasierte Lehr- und Lernformate ausreicht. Nur 24 Prozent meinen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. In den beiden Alpenstaaten liegt der Anteil deutlich höher (Österreich 54 Prozent, Schweiz 57 Prozent).

Nutzung von Online-Lernplattformen

Die Unterschiede zwischen den drei Ländern sieht man auch bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts, also etwa beim Ausmaß an Stunden digitalen Unterrichts oder bei der Nutzung von Online-Lernplattformen. Diese Werte liegen in Österreich und in der Schweiz deutlich höher als in Deutschland. So liegt der Anteil an Mitarbeitenden der Schule, die angeben, keine einzige Stunde pro Woche digitale Präsenzzeiten mit den Schülerinnen und Schülern vereinbart zu haben, in Deutschland bei genau 50 Prozent. In Österreich und der Schweiz ist dieser Anteil deutlich niedriger: 30 und 33 Prozent.

In dem «Schul-Barometer» berichten nur 36 Prozent der befragten Schulmitarbeiter in Deutschland, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler über Online-Lern- und Arbeits-Plattformen erreichen. In Österreich liegt dieser Wert deutlich höher bei 63 Prozent und in der Schweiz bei 57 Prozent.

Schlechtere Beteiligung der Schüler

Die schlechtere technische Ausstattung und die Zurückhaltung vieler Lehrer in Deutschland wirkt sich dann auch auf die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler aus: Ihr Lernengagement zuhause sowie die Unterstützung der Eltern wird von Mitarbeitenden der Schule in Deutschland deutlich geringer wahrgenommen als in den beiden Nachbarländern. So berichten in Deutschland 34 Prozent der Schulmitarbeiter, dass die Kinder und Jugendlichen zuhause aktiv an ihren Aufgaben arbeiten; in Österreich und der Schweiz tun dies dagegen 70 Prozent bzw. 61 Prozent.

Instituts- und Studienleiter Stephan Huber sagte, die Schulschließungen hätten alle Akteure im Bildungs- und Schulkontext vor eine sehr große Herausforderung gestellt. «Die aktuelle Situation ist aber auch eine große Chance. Die Digitalisierung hat aufgrund der vorliegenden Notwendigkeit einen enormen Aufschwung erlebt.» Lernen mit und durch Technologie sowie über Technologie sei nun das Thema. Digitalisierung könne mehr Differenzierung und Individualisierung ermöglichen, um den unterschiedlichen Lernständen der Schüler gerecht zu werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 05. 2020
10:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
E-Mail Hochschulen und Universitäten Internet Lehrerinnen und Lehrer Schulen Schulrektoren Schülerinnen und Schüler Stephan Huber Websites
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Unterricht in Corona-Zeiten

12.05.2020

Wie der Unterricht in Corona-Zeiten aussieht

Der Alltag soll schrittweise in die Klassenzimmer zurückkehren. Immer mehr Schüler nehmen bereits wieder am Unterricht teil. Doch funktioniert das Konzept? Aus dem Alltag einer Brandenburger Schule. » mehr

Online-Unterricht

23.03.2020

Wie gut funktionieren die Schulen online?

Etwa 32.500 Schulen in Deutschland sind zur Zeit geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das Internet soll nun dabei helfen, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Doch nur einigen Schulen gelingt da... » mehr

Unterricht in Zeiten von Corona

15.07.2020

Länder beschließen gemeinsames Hygiene-Konzept für Schulen

Vielerorts naht bald das Ende der Sommerferien, und dann sollen die Schulen trotz Corona wieder in den Regelbetrieb starten. Die dafür notwendigen Spielregeln liegen jetzt vor - aber einigen Betroffenen reicht das nicht ... » mehr

Coronavirus-Verbreitung in Schulen

13.07.2020

Dynamik der Coronavirus-Verbreitung in Schulen überschätzt

Sachsen hatte in der Corona-Krise vergleichsweise früh und Schritt für Schritt seine Schulen wieder geöffnet. Nun liegen erste wissenschaftliche Belege vor, dass man richtig damit lag. » mehr

Senioren als Streitschlichter

20.02.2020

Senioren als Streitschlichter auf dem Schulhof

Hänseleien unter Mitschülern, Streit im Klassenzimmer: Dutzende Senioren sind an hessischen Schulen als Streitschlichter tätig. Manchmal stoßen die Mentoren aber auch an ihre Grenzen. » mehr

Schüler melden sich im Unterricht

25.06.2020

Schüchterne Schüler sollten besser vorne sitzen

Schön in der letzten Reihe verstecken: Schüchterne Kinder wollen nicht auffallen. In der Schule haben sie es ganz vorne aber oft besser. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 05. 2020
10:12 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.