Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Wenn das Kind depressiv ist: So können Eltern helfen

Es trifft nicht nur Erwachsene. Auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken. Doch wie helfen Eltern ihrem Nachwuchs am besten?



Wenn das Kind depressiv ist
Für Eltern ist gar nicht so einfach zu erkennen, ob ihr Kind eine Depression hat. Hält die Traurigkeit aber an, sollten Eltern einen Facharzt einschalten.   Foto: Silvia Marks/dpa-tmn » zu den Bildern

Es begann vor drei Jahren: Zunächst war Laura häufiger traurig als sonst. Mit der Zeit wuchsen die Schwermütigkeit und Antriebslosigkeit immer mehr und wurden zum stetigen Begleiter.

«Ich wollte lange Zeit keine professionelle Unterstützung annehmen, doch irgendwann bin ich an den Punkt gekommen, wo ich gemerkt habe, dass es nicht mehr ohne geht», sagt die mittlerweile 15-Jährige. Mittlerweile wird Laura gegen Depressionen behandelt.

Depressionen gehören nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Bei Kindern im Vorschulalter und der Grundschule liegt die Häufigkeit bei unter 2 Prozent. Im Alter zwischen 12 und 17 Jahren sind schon 3 bis 10 Prozent aller Jugendlichen betroffen. Doch wie können Eltern erkennen, ob ihr Kind lediglich an einer Gemütsverstimmung leidet, die vorübergeht, oder ob es depressiv ist?

«Bei Kindern zeigt sich eine Depression daran, dass sie sich zurückziehen, keine Lust mehr haben, Freunde zu treffen, in der Schule schlechter werden, das Gefühl haben, wertlos zu sein und nichts mehr zustande zu bringen», erklärt Prof. Gerd Schulte-Körne. Er ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München.

Oft sind Ängste und Depressionen bei Kindern nicht leicht zu trennen. Wenn Symptome wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder leichte Irritierbarkeit jedoch länger als zwei Wochen anhalten und es dafür keinen äußeren Grund gibt, rät Schulte-Körne zu einem Besuch bei einem Facharzt.

«Wichtig ist, dass die Eltern dem Kind Hilfsbereitschaft signalisieren und Verständnis für die Situation zeigen», erläutert Nina Pirk vom Verein Nummer gegen Kummer. Wird die Krankheit erkannt, ist sie in der Regel gut behandelbar. Dies geschieht normalerweise in der Form einer ambulanten Psychotherapie. Laura beispielsweise hat zweimal in der Woche Einzeltherapie und zusätzlich drei Sitzungen Musiktherapie.

In schwereren Fällen kann ein Aufenthalt in einer Klinik nötig sein, sagt Prof. Dr. Schulte-Körne. Der Einsatz von Psychopharmaka ist bei Kindern und Jugendlichen dagegen eher selten. Die Aufnahme einer Behandlung sollte dabei in keinem Fall über den Kopf des Kindes hinweg beschlossen werden. Auch hier kann ein offenes Gespräch und die Aussicht auf Besserung oft Ängste nehmen. So kann es sinnvoll sein, dem jungen Menschen den Ablauf einer Therapiesitzung zu schildern oder mit der Familie eine Klinik zu besichtigen.

Das wichtigste Ziel der Behandlung ist, die Ressourcen des Kindes zu stärken. Patienten werden dabei unterstützt, die belastenden Gedanken und die auslösende Situation zu verändern. Auch das Umfeld des Kindes wird in die Behandlung und die Aufklärung eingebunden.

Veröffentlicht am:
22. 09. 2017
04:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Depressionen Einzeltherapie Eltern Kinder und Jugendliche Ludwig-Maximilians-Universität München Professoren Psychopharmaka Psychotherapie Ängste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Prof. Dr. Hanna Christiansen

03.05.2019

Wie mit Ängsten von Kindern umgehen?

Gerade noch war alles gut, und plötzlich will das Kind nicht mehr schlafen. Es hat Angst vor Monstern unterm Bett oder im Schrank. Soll man nun erklären, dass es die gar nicht gibt? Oder schon mal das «Anti-Monster-Spray... » mehr

Iris Hauth

21.06.2019

Woran man Depressionen im Alter erkennen kann

Die Trauer, die nicht aufhört. Die Stimmung, die nicht besser wird. Die Motivation, die nicht zurückkehrt. Depression im Alter hat viele Gesichter - wird aber oft verkannt oder verharmlost. Dabei ist die Krankheit auch b... » mehr

Erziehen ohne Schimpfen

13.08.2019

Wie Kinder Regeln am besten lernen

Das Kind sollte längst in der Kita sein, denn die Arbeit ruft. Doch der kleine Trotzkopf zieht sich einfach nicht an. Jetzt bloß nicht schimpfen, sagt eine Expertin. Denn das frisst nur noch mehr Zeit. » mehr

«Hau ab!»

02.08.2019

Wie mache ich mein Kind stark?

Was ist, wenn Fremde die eigenen Kinder ansprechen? Wenn jemand ihnen sagt: «Komm mit, ich habe Schokolade für dich»? Eltern können ihre Kinder nicht ständig im Blick haben. Aber sie können sie zu Wachsamkeit erziehen, z... » mehr

Zurück ins Kinderzimmer

19.07.2019

Mit Ende Zwanzig zurück ins Kinderzimmer

Sie waren schon mal flügge, zogen um die Ecke oder in die weite Welt. Nach Jahren passiert es dann: Ein Job in der Heimat, ein Studium oder die Trennung vom Partner - und die Kinder stehen wieder auf der Matte. Doch nich... » mehr

Susann Rütherich

28.06.2019

Die Küche aus Kindersicht neu entdecken

Viele Eltern denken, die schlimmsten Gefahren für ihre Kleinen lauerten vor der Haustür. Stimmt aber nicht. In der heimischen Küche drohen Stürze, Verbrennungen und Verätzungen. Wie wird sie kindersicher? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 09. 2017
04:20 Uhr



^