Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Wie Großeltern Konflikte mit den Eltern vermeiden

Kindererziehung ist keine exakte Wissenschaft. Sie unterliegt Moden, ist Ansichtssache - und vor allem Sache der Eltern. Betreuen Großeltern die Enkel regelmäßig, mischen sie sich aber naturgemäß ein. Damit es nicht kracht, sollten sie dabei einiges beachten.



Harmonisches Miteinander
Manchmal klappt es prima, das Zusammenspiel von drei Generationen. Aber wo sich Menschen lieben, gibt es auch mal Krach. Dagegen hilft vor allem: im Gespräch bleiben.   Foto: Martina Ferrari/Westend61 » zu den Bildern

Bei euch läuft aber schon recht häufig der Fernseher» - mit solchen Aussagen bringen Großmütter ihre Töchter auf die Palme. Denn oft genug hört die Tochter daraus einen Vorwurf und sieht den vielleicht nur neugierig gemeinten Satz als unzulässige Einmischung.

Andererseits: Wenn die Oma die Enkel regelmäßig von der Schule abholt - hat sie dann nicht auch das Recht, an der Erziehung mitzuwirken? Ungefähr ein Drittel der Großeltern ist an der Enkelbetreuung beteiligt. Das jedenfalls hat das jüngste Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen aus dem Jahr 2014 ergeben. Demnach ist der Anteil betreuender Großeltern im Vergleich zu den Jahren 2002 und 2008 erstmals wieder gestiegen.

Eigentlich eine Win-win-Situation. Für die Enkel bedeutet die Zeit bei den Großeltern häufig eine willkommene Abwechslung. Die Eltern sind entlastet - und die Großeltern profitieren auch. Wären da bloß nicht die Konflikte, die zum Beispiel aus unterschiedlichen Vorstellungen resultieren.

Dass sich die Großeltern Fragen wie die nach dem TV-Konsum ihrer Enkel stellen, sei erstmal ganz normal, erklärt Familientherapeut Björn-Enno Hermans. «Ansichten, Prinzipien und Methoden haben sich verändert.» Entscheidend dafür, dass aus unterschiedlichen Ansichten keine großen Konflikte entstehen, ist die Art, wie man miteinander redet. «Es muss eine Kommunikation auf Augenhöhe sein», sagt Sozialpädagogin Sylvia Görnert, die mehrere Ratgeber für ältere Menschen geschrieben hat. «Das ist gar nicht so einfach, wenn aus Kindern Eltern werden.»

Hermans plädiert dafür, überhaupt im Gespräch zu bleiben. Passiv-aggressive Äußerungen à la «Na wenn du meinst, dass das gut ist fürs Kind» seien kontraproduktiv. «So beginnt ein Konflikt unter der Oberfläche zu schwelen.» Schlimmstenfalls gerät am Ende das Kind in einen Loyalitätskonflikt. «Kinder kriegen das mit, die hören das sofort am Tonfall», sagt Hermans.

Stört sich die Oma an etwas, spricht sie es deshalb besser ohne das Kind bei den Eltern an. Wie so oft gilt dabei: Besser Ich-Botschaften senden als Vorwürfe machen, rät Görnert. «Ich mache mir Sorgen, weil...» öffne eher Türen als die Feststellung «Du gehst viel zu viel arbeiten».

Im Hinterkopf behalten sollten Großeltern bei solchen Gesprächen auch, dass die Eltern letztlich am längeren Hebel sitzen. «Der Weg zum Herzen der Enkel führt über die Herzen der Kinder», sagt Prof. Eckart Hammer, Gerontologe an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg. «Wenn Großeltern also versuchen, Konflikte mit Macht zu lösen, können sie eigentlich nur verlieren.»

Das heißt andererseits nicht, dass man alles ganz genauso machen muss. «Großeltern dürfen mit dem Herzen denken - sie müssen nicht permanent erziehen», sagt Görnert. Diese Chance sollten sie unbedingt ergreifen, findet die Autorin. Bei Oma oder Opa darf es ruhig mal ein Stück Schokolade mehr sein. «Kinder verstehen sehr gut, dass dort andere Regeln gelten.»

Kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen, liegt das Hermans zufolge eventuell auch an ganz anderen Dingen. «Manchmal sind das Stellvertreterkonflikte», sagt er. Gibt es etwa ein ganz grundsätzliches Problem zwischen der Oma und ihrer Tochter, kann die Enkelbetreuung zu einer Art Katalysator für den Streit werden.

Letztlich - da sind sich Experten einig - gilt es, den Blick auf das Wohl der Enkel zu richten. Sie können sich nur entfalten, wenn Eltern und Großeltern an einem Strang ziehen.

Literatur:

Eckart Hammer: Großvater sein, Klett-Cotta, 175 Seiten, 14,95 Euro, ISBN-13: 978-3608961300.

Veröffentlicht am:
30. 03. 2018
05:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auseinandersetzung Eltern Enkel Familientherapeutinnen und Familientherapeuten Kindererziehung Omas
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wenn Oma geht

21.10.2019

Nach einem Todesfall muss die Familie neu zueinander finden

Großeltern spielen für Kinder oft eine wichtige Rolle. Bei ihnen fühlen sich Enkel so angenommen, wie sie sind. Wenn Oma oder Opa sterben, hinterlassen sie in der gesamten Familie eine große Lücke. » mehr

Oma und Enkelin

07.10.2019

Ein Hoch auf die Großeltern

Milliarden Kinderbetreuungsstunden, Milliarden Euro für Geschenke: Ohne Oma und Opa wäre die Kindheit wohl weniger schön. Dabei kommt es heute gar nicht mehr unbedingt darauf an, ob die Kinder mit ihren Großeltern auch w... » mehr

Die Kita ist zu

24.04.2020

Private Spielgruppen oder doch zu Oma?

Seit Wochen sind die Kitas in Deutschland geschlossen, ein Ende ist nicht in Sicht. Insbesondere für Eltern, deren Kind keinen Anspruch auf Notbetreuung hat, sind die strengen Vorgaben belastend - und nicht immer einzuha... » mehr

Christina Sowinski

24.05.2019

Großeltern können Lebensbegleiter sein

Mama geht arbeiten, Oma passt auf: Richtig gebraucht werden Großeltern oft vor allem in den ersten Lebensjahren der Enkel. Doch auch danach können sie noch eine große Rolle spielen - sogar im Hormonwahn der Pubertät. » mehr

Björn Enno Hermans

04.10.2019

Trotz Trennung zusammen wohnen bleiben

Die Beziehung ist beendet, was schon schmerzhaft genug ist. Aber Dinge wie ein gemeinsames Haus können Ex-Partner zwingen, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Doch genau der wäre notwendig. » mehr

Kleinkind mit Smartphone

14.05.2020

Wenn das Smartphone die Eltern-Kind-Bindung gefährdet

Hallo, ist da jemand? Gerade die ersten Jahre im Leben eines Kindes sind extrem wichtig für die Bindung zu den Eltern - und auch für die Bindungsfähigkeit im späteren Leben. Wenn Mama oder Papa ständig mit dem Handy hant... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 03. 2018
05:14 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.