Lade Login-Box.
Topthemen: Die Videos der WocheDer BachelorCotubeVor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-Theater

 

«Ich will das haben!» - Konsumrausch im Kinderzimmer

Wenn Vierjährige mit großen Augen vor dem Spielwarenregal stehen und sagen: «Bitte, bitte kauf mir das!»: Wer kann da schon Nein sagen? Viele Eltern jedenfalls nicht. Aber bei Spielzeug ist weniger oft mehr.



Voll mit Spielzeug
Das Spielzeug türmt sich: Gibt es zu viele Angebote, sind Kinder davon schnell überfordert.   Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild » zu den Bildern

Wenn glubschäugige Plüschtiere, die neue Ritterburg und der Kaufmannsladen im Kinderzimmer kaum noch nebeneinander passen, beschleicht viele Eltern ein ungutes Gefühl. Trotzdem scheint die Flut der großen und kleinen Geschenke einfach nicht abzureißen.

Spielzeug gibt es nicht nur zu Weihnachten und zum Geburtstag, sondern oft auch einfach so, zwischendurch. «Für viele Eltern hat es einen hohen Stellenwert, ihre Kinder optimal zu fördern», beobachtet Daniel Fischer. Er lehrt als Professor für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg. Da folge man oft dem irrigen Prinzip «viel hilft viel».

Statt jeden Wunsch zu erfüllen, sollten Eltern die Anzahl der Besitztümer begrenzen, empfiehlt Fischer. Denn was knapp ist, gewinnt an Wert - dieses Gesetz gilt auch im Kinderzimmer. So kann man einige Spielzeuge wegräumen und die Dinge von Zeit zu Zeit austauschen. In einigen deutschen Städten bieten sogenannte Ludotheken Brettspiele und manchmal auch Kinderspielzeug zum Verleih an.

Vor allem bei spontanen Wünschen sei es wichtig, auch mal Nein zu sagen, meint Inka Bormann. Sie ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Denn manche Wünsche verfliegen genauso schnell, wie sie gekommen sind.

Oft lassen sich die Bedürfnisse, die hinter den Kinderwünschen aufblitzen, auch anders befriedigen. «Eltern können stattdessen Anregungen geben und Erlebnisse schaffen», sagt Fischer. Ein gemeinsamer Ausflug im Wald erfüllt den Wunsch nach Abenteuer, beim Verkleiden kann das Kind in eine andere Rolle schlüpfen.

Viele naturpädagogische Angebote setzen auf solche Erlebnisse, beispielsweise die Seminare im Ökodorf «Sieben Linden» bei Salzwedel. «Wir laden Kinder und Jugendliche ein, Natur und Gemeinschaft bewusst zu erleben», sagt Simone Britsch, die mit ihrer Familie in dem ökologischen Gemeinschaftsprojekt lebt. Die Umweltpädagogin organisiert ein- und mehrtägige Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Camps für Familien. «Ich erlebe immer wieder, wie dabei die materiellen Bedürfnisse zurücktreten - auch wenn sie natürlich noch da sind», so Britsch.

Für gemeinsame Erlebnisse ist im durchgeplanten Familienalltag oft wenig Raum. «Wir leben in einer Gesellschaft, wo unsere Bedürfnisse zunehmend durch Konsumgüter und Dienstleistungen befriedigt werden», sagt Fischer. Kinder lernen am Modell, sie orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern. Wer selbst eine Online-Lieferung nach der anderen bekommt, kann von seinem Kind nur schwer verlangen, dass es bis Weihnachten auf das heiß ersehnte Spielzeug wartet. Anders herum prägt ein bewusster Lebensstil der Eltern auch das Verhalten der Kinder.

Wie das funktionieren kann und wo der eigene Einfluss endet, das erfährt Simone Britsch täglich mit ihren eigenen vier Kindern. «Wenn Klassenkameraden von Computerspielen erzählen oder ein Handy haben, macht das schon Neid.» Beim Thema Medien haben sie und ihr Mann klare Regeln aufgestellt: Nach einer Kindheit fast ohne elektronische Medien bekommt jedes Kind zum 13. Geburtstag einen Computer und darf sich vom selbst gesparten Geld ein Handy kaufen.

Veröffentlicht am:
18. 05. 2018
06:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Daniel Fischer Eltern Freie Universität Berlin Kinder und Jugendliche Kinderzimmer Leuphana Universität Lüneburg Linden Pädagogik Spielwaren Weihnachten Wünsche
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Zurück ins Kinderzimmer

19.07.2019

Mit Ende Zwanzig zurück ins Kinderzimmer

Sie waren schon mal flügge, zogen um die Ecke oder in die weite Welt. Nach Jahren passiert es dann: Ein Job in der Heimat, ein Studium oder die Trennung vom Partner - und die Kinder stehen wieder auf der Matte. Doch nich... » mehr

Was schenke ich bloß?

13.12.2019

Kindern mehr Erfahrungen statt Materielles schenken

Noch ein Päckchen, noch eins und noch eins: Ohne Spielzeug und Süßes für die Kleinen ist Heiligabend für viele Menschen kaum vorstellbar. Ein Hirnforscher hat andere Vorschläge. » mehr

Stephan Sigg

21.10.2019

Nach einem Todesfall muss die Familie neu zueinander finden

Großeltern spielen für Kinder oft eine wichtige Rolle. Bei ihnen fühlen sich Enkel so angenommen, wie sie sind. Wenn Oma oder Opa sterben, hinterlassen sie in der gesamten Familie eine große Lücke. » mehr

Gastfamilie

20.12.2019

Wo getrennte Papas oder Mamas einen Schlafplatz finden

Zieht ein Elternteil nach einer Trennung weg, wird es mit regelmäßigen Besuchen oft schwierig. Das Besuchsprogramm «Mein Papa kommt» vermittelt Schlafplätze. Der Name kommt nicht von ungefähr: 90 Prozent im Netzwerk sind... » mehr

Hubert Klingenberger

20.12.2019

Wie Biografiearbeit uns Wurzeln gibt

Erinnerungen können belasten, beglücken - und Kraft geben. Bei der Biografiearbeit geht es nicht nur um eine Familienchronik. Sondern um Wurzeln für die Stürme von morgen. Selbst im Hospiz. » mehr

Essen mit Gabel und Löffel

29.11.2019

Wie Kinder Höflichkeit lernen

Diener und Knicks müssen es nicht mehr sein, aber ein paar Grundregeln guten Benehmens versuchen die meisten Eltern ihren Kindern mitzugeben. Doch was tun, wenn die sich nicht an die Regeln halten? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 05. 2018
06:08 Uhr



^