Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Macken des Partners akzeptieren lernen

Nach der ersten Verliebtheit fallen einem oft die ersten Macken des Partners auf. Und mit der Zeit ziehen sie immer mehr die Aufmerksamkeit auf sich. Hilfreich ist das nicht. Schließlich sollten sich Partner so akzeptieren, wie sie sind.



Ein Paar
Kommunikation ist alles: Wenn einen Partner bestimmte Verhaltensweisen des anderen stören, sollte er dies in einem ruhigen Moment ansprechen.   Foto: Christin Klose

Das Leben könnte so einfach sein. Wenn der Partner nicht so unordentlich wäre oder pünktlich zu Verabredungen käme. Fast jeder kennt solche Situationen. Aus der eigenen Perspektive erscheint es gar nicht so schwer, solche Verhaltensweisen zu ändern. Der Partner sieht dies allerdings anders.

Menschen können zwar Verhaltensweisen ändern, aber der Charakter bleibt. Experten raten daher: Den Liebsten so zu akzeptieren, wie er nun mal ist. Dabei kommt es auf das richtige Maß an, sagt der Psychologe Manfred Ohl aus Reinheim: «Die Macken sind das Salz in der Suppe. Zu viel versalzt die Suppe, ohne Salz schmeckt die Suppe fade.» Doch niemand hat das Recht, einen Erwachsenen zu erziehen. «Eine Partnerschaft ist nicht dafür da, dass sich der andere ändert», sagt Hans Onno Röttgers, leitender Psychologe der Uniklinik Marburg.

Meistens nimmt der Partner in der ersten Verliebtheit die Macken des anderen entweder nicht wahr, oder sie stören nicht. Im Laufe der Zeit wird der Blick kritischer. Viele neigen dann dazu, nur noch auf das eine störende Prozent zu schauen. «Und nicht mehr auf die 99 Prozent, die wir am anderen mögen», erklärt Psychologin Julia Scharnhorst aus Wedel. Dabei sollte man sich die liebenswerten Seiten des Partners immer wieder bewusstmachen und ihm diese mitteilen.

Denn meist reden Partner viel zu wenig - beziehungsweise oft unterhalten sie sich nur über Alltägliches: Wer holt die Kinder ab? Ist das Auto vollgetankt? Fahren wir am Wochenende zu den Großeltern? Ein wirklicher Gedankenaustausch findet in langjährigen Beziehungen hingegen oft nicht mehr statt. «Manche Menschen können das auch gar nicht, weil sie es nie gelernt haben», berichtet Röttgers aus den Erfahrungen seiner Praxis.

Manche haben auch Angst, der andere könnte schlecht über sie denken. Sie sagen nur Dinge, die der Partner wahrscheinlich gut findet. Dabei ist es ein Zeichen von Reife und Selbstreflexion, wenn man unabhängig von der Meinung des anderen Themen ansprechen kann. Dazu gehört auch ein Gespräch, wie man die Beziehung empfindet, wie sich der Partner nach einem Streit gefühlt hat und welches Verhalten einem nicht gefällt.

So ein Gespräch sollten Partner auf keinen Fall nach einem unangenehmen Erlebnis oder mit Wut führen. Gefragt ist eine entspannte Atmosphäre. Es sollte darum gehen, einen Kompromiss zu finden, erklärt Scharnhorst. Nicht dem anderen eine vorab ausgedachte Lösung präsentieren. Dann fühlt er sich zu Recht gegängelt.

Besser: An sich selbst zu arbeiten und sich vom Verhalten des Partners unabhängiger zu machen. Wer etwa immer wieder auf den unpünktlichen Partner warten muss, kann bei einem Termin alleine vorfahren. Das darf aber bei dem anderen nicht als Strafe ankommen. Vielmehr sollte man erklären, dass man vorfährt, weil es einem sehr unangenehm ist, zu spät zu einer Verabredung zu kommen.

Zudem sollte man überlegen, warum einem bestimmte Verhaltensweisen so wichtig sind. Viele Vorstellungen vom scheinbar richtigen Benehmen stammen aus unserer Kindheit. Vielleicht ist einem Unpünktlichkeit zuwider, weil früher die Mutter immer auf sich warten ließ? Es kann einen entspannen, den Gründen seiner Wertvorstellungen nachzugehen.

Manche Charakterzüge sind nun einmal nicht zu ändern. Ein Chaot wird nie ein Pedant, ein ruhiger Mensch nie eine Stimmungskanone. Schnell übersehen wir, «dass ein Team ja auch von der Unterschiedlichkeit lebt», sagt Röttgers.

Toleranz und Kompromissfähigkeit sind gut, es gibt aber Grenzen. Diese muss jeder für sich herausfinden. Für den Psychologen Ohl liegt sie da, wo der andere die eigene Entfaltung einschränkt. Wenn jemand für den Partner etwa seinen Lebensentwurf aufgeben müsste - und damit vielleicht den Traum vom Eigenheim und einer eigenen Familie. Oder etwa wenn der Partner etwas macht, was den eigenen Wertvorstellungen völlig zuwider läuft. Extreme Beispiele: Er wird Mitglied bei einer radikalen Partei oder schlägt die Kinder. Je deutlicher Unterschiede zutage treten, umso schwerer lässt sich die Beziehung leben», erklärt Ohl. Liegen die Positionen der Partner zu weit auseinander, funktioniert es manchmal eben nicht.

Veröffentlicht am:
08. 06. 2018
05:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beziehungen und Partnerschaft Psychologinnen und Psychologen Salz in der Suppe Suppen Tipps Wertvorstellungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ehering

20.03.2019

Ehepaare fühlen sich heute glücklicher

Für viele Deutsche galt die Ehe lange als Anleitung zum Unglücklichsein. Noch in den 60er Jahren lief vor lauter gesellschaftlichen Zwängen fast nichts ohne Trauschein. Dann kam die große Gegenbewegung. Und heute - macht... » mehr

«Hau ab!»

02.08.2019

Wie mache ich mein Kind stark?

Was ist, wenn Fremde die eigenen Kinder ansprechen? Wenn jemand ihnen sagt: «Komm mit, ich habe Schokolade für dich»? Eltern können ihre Kinder nicht ständig im Blick haben. Aber sie können sie zu Wachsamkeit erziehen, z... » mehr

Jutta Boenig

11.10.2019

Raus aus dem Flirtmodus am Arbeitsplatz

Eine Liebesbeziehung unter Kollegen oder mit dem Chef - für manche ein Tabu, für andere ein Klischee und doch gelebte Realität. Wie sollten Paare damit umgehen? » mehr

Wetterfrosch

18.07.2019

Wie beginnt man am besten eine Unterhaltung?

«Ganz schön heiß heute, was?» oder «Jetzt hat es aber langsam genug geregnet!»: Es geht ums Wetter - wie so oft. Fällt uns denn nicht mal ein anderes Gesprächsthema ein? » mehr

Einsamkeit

17.07.2019

Helfen Soziale Netzwerke gegen Einsamkeit?

Wir sind mit mehr Menschen in Kontakt denn je: Soziale Netzwerke verbinden Menschen weltweit. Doch hilft das gegen Einsamkeit? Telefonseelsorger berichten über ihre Erfahrungen. » mehr

Nadine Kretz

02.10.2019

Warum man im Internet anders datet

Sie suchen online einen Partner - und ein Match schreibt Sie einfach nicht an? Oder man fühlt sich beim Date wie beim hundertsten Vorstellungsgespräch? Das Muster lässt sich durchbrechen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 06. 2018
05:07 Uhr



^