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Warum sich Paare für einen Doppelnamen entscheiden

Nach der Hochzeit automatisch den Namen des Mannes tragen? Das war einmal. 27 Prozent der Brautpaare entscheiden sich heute anders. Bei jedem zwölften Paar folgt aufs Ja-Wort ein Doppelname. Doch wie wirkt der Bindestrich im Leben?



Unterschrift mit Doppelnamen
Janine Kautz-Hofmeister benötigt seit ihrer Hochzeit ein bisschen mehr Platz für ihre Unterschrift.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn » zu den Bildern

Immer wieder schaut der Handwerker auf die Auftragsbestätigung. Seine Augen hypnotisieren das Adressfeld. Um die Kundin anzusprechen, hat er schon zweimal den Namen vom Zettel abgelesen.

Dann reicht es ihm: «Geht auch, wenn ich nur Kautz sage?» Als Janine Kautz-Hofmeister schmunzelnd nickt, fällt ihm ein Stein vom Herzen. Der Doppelname steht nicht mehr zwischen ihnen.

Eigener Namensteil wird oft ignoriert

Die Berlinerin nimmt es gelassen. Sie kennt das schon von Postboten oder Lieferdiensten. Ihr voller Name scheint einfach viel zu viel Zeit zu kosten. Während im Job die Kollegen penibel darauf achten, wird sie in Schule und Kita ihrer Kinder gar nicht erst gefragt. Von den Pädagogen wird der Teil hinterm Bindestrich gleich liquidiert.

Dabei ist es doch gerade das «Hofmeister», von dem sich die 35-Jährige vor zehn Jahren nicht trennen wollte. Vor dem Ja-Wort konnte sie sich mit ihrem Mann auf keinen gemeinsamen Namen einigen: «Wir wollten beide unseren Geburtsnamen behalten», erklärt die Controllerin. Das deutsche Namensrecht erlaubt zwar seit 25 Jahren, dass ein gemeinsamer Familienname nicht mehr Pflicht ist. Aber spätestens, wenn Kinder ins Spiel kommen, muss man sich doch auf einen festlegen.

«Da hätten wir die Entscheidung nur vertagt», so die Analyse von Janine Kautz-Hofmeister. 2008 stimmte sie nach Endlosdiskussionen schließlich dem Kompromiss zu. Er lautet: «Der gemeinsame Familienname wird Kautz und ich hänge meinen Namen künftig hintendran.» So heißen die beiden Kinder, die später folgten, wenigstens nicht komplett anders als Mama. Denn Janine Kautz-Hofmeister hat das bei einer Freundin erlebt: «Ob Kita oder Schule - sie wurde immer gefragt, ob sie auch wirklich die Mutter ist. Und nicht etwa die Tante.»

Mehr als ein Kompromiss

Dabei ist es nicht immer die Kompromisslösung, weshalb der Doppelname den Zuschlag erhält. «Mehrnamigkeit und damit auch Namenketten werden traditionell als sozial höhergestellt wahrgenommen - da schaut das Umfeld plötzlich durch die bürgerliche Brille», erklärt Dietlind Kremer. Die Sprachwissenschaftlerin vom Namenkundlichen Zentrum an der Universität Leipzig untersucht seit Jahren, wie Namen in der Gesellschaft wirken.

Speziell Doppelnamen würden unterschiedliche Assoziationen auslösen. Eine davon: «Aaah, ich habe es mit jemand Wichtigem zu tun», so Kremer. In anderen Fällen ist klar: «Da wollte jemand seine Identität behalten oder ein Zeichen für die Gleichberechtigung setzen.» Eine Kombi mit Tausender-Namen wie Müller, Meyer, Schulze signalisiere ganz klar: «Hier suchte der Namensträger neben mehr Individualisierungskraft des Familiennamens eventuell eine soziale Aufwertung.»

Für Jürgen Udolph, Namensforscher aus Schwanewede bei Bremen, spricht ein Doppelname für Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Trägerinnen den Stempel «Emanzen-Kram» aufzudrücken, sei überholt. «Ich sehe darin vielmehr, dass sich die Gleichberechtigung in der Ehe auch auf den Namen überträgt. Das färbt übrigens zunehmend auf Männer ab», interpretiert Udolph.

Wenn der Name zur Marke mutiert

In der Tat: Sagten vor 40 Jahren noch 98 Prozent der Frauen bei der Heirat Adieu zu ihrem Mädchennamen, entscheidet sich heute jedes vierte Paar gegen die Tradition. Laut einer Studie der Gesellschaft für Deutsche Sprache behalten 13,5 Prozent ihren Namen, 6 Prozent der Bräute bringen ihren Namen an den Mann und 8 Prozent wählen die Bindestrich-Variante.

Und wenn der Doppelname zum Kürzel mutiert und plötzlich wie «CK one» oder «CR7» klingt? «Wem es gelingt, seinen Namen als Marke zu positionieren, hat es ganz klar geschafft», findet der Medienpsychologe Jo Groebel. Für ihn ist das eine Form der Anerkennung. So genügte einst in der Sportszene ein kurzes MV und jeder wusste, es ist von DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder die Rede. Und wer heute über Politik spricht, nennt die CDU-Chefin nur AKK. Muss man nicht mehr übersetzen, oder?

Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
04:42 Uhr

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dpa

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05. 04. 2019
04:42 Uhr



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